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Kuwaits Rohölförderung im Juni deutlich gestiegen
3. Juli 2026
Die Lage am Persischen Golf hat sich so weit entspannt, dass die Produzentenländer ihre Fördermengen schneller als erwartet wieder hochfahren können. Auch Kuwait hat seine Rohölproduktion im Juni offenbar deutlich angekur-belt, so dass diese von 580.000 B/T im Mai auf 1,65 Mio. B/T gesprungen ist.
In den letzten zehn Tagen des Juni erreichte die kuwaitische Produktion zeitweise sogar bis zu 1,9 Mio. B/T, wie es von einer anonymen Quelle hiess. Eine offizielle Bestätigung der staatlichen Kuwait Petroleum Corporation gibt es bisher nicht, allerdings hatte das Unternehmen schon am 18. Juni mitgeteilt, sämtliche während des Krieges gelten-den Force Majeure-Erklärungen aufgehoben zu haben. Ausschreibungsunterlagen zeigen zudem, dass Kuwait schon seit Mitte Juni wieder Rohölladungen zum Verkauf anbietet.
Vor der Sperrung der Strasse von Hormus durch den Iran Ende Februar hatte Kuwait täglich rund 2,5 Mio. B/T geför-dert. Die Blockade veranlasste Kuwait und andere Golfstaaten wie Saudi Arabien und den Irak dazu, ihre tägliche Produktion um mehrere Millionen Barrel zu reduzieren. Der schneller als erwartete Anstieg der Fördermengen in diesen Ländern gilt nun am Ölmarkt als weiteres Indiz dafür, dass sich die Ölströme durch die Strasse von Hormus nach den kriegsbedingten Unterbrechungen rasch erholen.
Die Kurse an ICE und NYMEX haben am Freitag vor dem langen Feiertagswochenende in den USA leicht zugelegt. Insgesamt bleiben die Ölbörsen allerdings unter Druck, da die Marktteilnehmer optimistisch auf die laufenden Be-mühungen der USA und Irans um eine Entspannung im Nahen Osten blicken. Gleichzeitig erholt sich die Lage im Persischen Golf zusehends.
Entsprechend waren Brent und WTI gestern auf den tiefsten Stand seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran Ende Februar gefallen. Auf Wochensicht blieben die Kursbewegungen allerdings extrem gering. Brent ver-zeichnete einen Wochenrückgang von 0,02%, WTI legte minimal um 0,12% zu.
Die Marktstruktur bei Brent ist unterdessen aber ins Contango umgeschwungen und signalisiert damit, dass die Anleger ihre Sorgen um eine Unterversorgung erst einmal wieder ad acta gelegt haben. Kein Wunder, haben doch die meisten Golfstaaten ihre Export und Produktionsmengen zuletzt schneller als erwartet wieder hochfahren kön-nen 02.07.2026 Saudische Rohölexporte nur noch knapp unter Vorkriegs Niveau; 30.06.2026 Iraks Ölexporte neh-men wieder an Fahrt auf, zuletzt offenbar auch Kuwait.
Die Fundamentaldaten rücken rasch wieder in den Vordergrund, da die Störungen in der Strasse von Hormus nach-lassen und sich die Schifffahrtsströme normalisieren“, erläutern Francesco Martoccia und Eric Lee von der Citigroup. Sie empfehlen weiterhin, sommerliche Kursanstiege zum Verkauf zu nutzen, und erwarten, dass der Brent Preis bis zum Jahreswechsel auf 60 bis 65 Dollar pro Barrel fallen wird.
Gleichzeitig warnen die Analysten, dass der Verhandlungsprozess zwischen den USA und Iran weiterhin fragil sei. Zudem gebe es nach wie vor Streit über die Verwaltung der Strasse von Hormus sowie mögliche Transitgebühren. Nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen gehen einige europäische Staaten inzwischen davon aus, dass Gebühren für die Passage der Meerenge unvermeidlich werden. Schiffe müssten demnach künftig Zahlungen an den Iran und den Oman leisten.
Schiffsverkehr erholt sich – Straße von Hormus bleibt Verhandlungsthema
2. Juli 2026
Der kommerzielle Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Die Unterstützung des US-Militärs habe dazu beigetragen, dass die Ölexporte wieder auf mehr als 10 Mio. B/T gestiegen seien, sagte ein US-Regierungsvertreter. Damit hat sich das Verkehrsaufkommen seit den kriegsbedingten Einbrüchen erheblich erholt.
Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten allein am Montag insgesamt 24 Frachtschiffe die Meerenge in beide Richtungen. Darunter befanden sich Öltanker, LNG-Tanker sowie Massengutfrachter. Zusammen verfügen die Öltanker, die in den letzten Tagen die Wasserstraße passierten, über eine Transportkapazität von rund 11 Mio. Barrel Rohöl. Die zunehmende Tankerbewegung gilt als klarerer Hinweis, dass Reeder und Versicherungsgesellschaften wieder mehr Vertrauen in die Sicherheit der Wasserstraße fassen.
Die Ölpreise sind den dritten Handelstag in Folge gefallen. Ausschlaggebend sind steigende Öllieferungen durch die Straße von Hormus sowie Anzeichen für Fortschritte bei den indirekten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran.
Die Verhandlungen hätten bei Fragen rund um das „Memorandum of Understanding“, das den Krieg im Juni beendet hatte, „positive Fortschritte“ erzielt, erklärte ein Sprecher des katarischen Außenministeriums auf der Plattform X. Auch US-Präsident Donald Trump sprach von Fortschritten bei den Gesprächen.
„Die Preise geben weiter nach, da der starke Anstieg der Ölexporte durch die Straße von Hormus mit der Freigabe strategischer Ölreserven und einer gedämpften Nachfrage zusammenfällt. Gleichzeitig bleiben Spannungen zwischen dem Iran und den USA zumindest vorerst begrenzt“, kommentiert Saul Kavonic, Energieanalyst bei MST Marquee.
Schon gestern hatten die beiden Rohölkontrakte an ICE und NYMEX mehr als 1% verloren und damit den niedrigsten Stand seit vier Monaten erreicht. Marktbeobachter und Analysten gehen inzwischen wieder vermehrt davon aus, dass mit der Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus auch das schon letztes Jahr erwartete Überangebot am Ölmarkt wieder zurückkehrt (01.07.2026 Goldman Sachs: Nach Iran-Krieg nun wieder Überangebot).
Dieser Meinung sind auch die Analysten bei Haitong Futures in Shanghai, die zudem darauf hinweisen, dass der verschärfte Wettbewerb um Marktanteile die Preise zusätzlich unter Druck setzt. Zudem dürften sich die OPEC+-Staaten bei ihrem Treffen am Sonntag nach Angaben aus informierten Kreisen auf eine weitere Anhebung ihrer Förderziele ab August verständigen. Mit einer Normalisierung der Lage am Persischen Golf wird die Umsetzung dieser Anhebungen auch wieder realistischer und würde die Rückkehr zu einem Marktüberschuss unterstützen.
Entsprechend korrigieren immer mehr Banken ihre Preisprognosen nach unten, zuletzt auch die Schweizer Großbank UBS, die ihre durchschnittliche Brent-Prognose für das dritte Quartal um 25 Dollar pro Barrel gesenkt hat. Für die zweite Jahreshälfte erwartet die Bank nun einen durchschnittlichen Brent-Preis von 80 Dollar. Für 2027 rechnet sie mit einem Durchschnittspreis von 75 Dollar.
Gleichzeitig warnte die UBS davor, bereits von einer vollständigen Normalisierung der Lage auszugehen. Das Risiko steigender Preise überwiege weiterhin, da die Zahl der in den Persischen Golf einlaufenden Tanker hinter der der auslaufenden Schiffe zurückbleibe. MST Marquee-Analyst Kavonic weist zudem darauf hin, dass die Frage nach der Kontrolle über die Straße von Hormus noch nicht abschließend geklärt sei.
Nach seiner Einschätzung könnte die Islamische Revolutionsgarde wenig Interesse daran haben, ihren Einfluss auf die Straße von Hormus aufzugeben. Die Möglichkeit, den globalen Ölhandel an diesem Engpass zu kontrollieren, sei ihr wichtigstes Druckmittel gegenüber der internationalen Gemeinschaft. Teheran hatte zuletzt immer wieder Pläne für Transitgebühren vorangetrieben, die jedoch von den USA strikt abgelehnt werden.
Rohölbestände gesunken, Entspannung in Cushing
1. Juli 2026
Die Bestandsprognosen des American Petroleum Institute (API) vom Dienstagabend liefern ein gemischtes Bild. Während die Bestände bei Rohöl und bei Benzin viel deutlicher gesunken sein sollen, als erwartet, verzeichnen die Daten für die abgelaufene Berichtswoche bei den Destillaten einen deutlichen Anstieg. Auch die Situation im US-Zentrallager in Cushing (Oklahoma) hat sich laut API leicht entspannt.
In den letzten Monaten waren die kommerziellen Lagerbestände hier regelrecht ausgeblutet und in der vergangenen Woche dann auch erstmals deutlich unter die 20 Mio. Barrel-Marke gefallen. Diese gilt als die kritische Marke, unter der ein reibungsloser Ablauf im Zentrallager nicht mehr gewährleistet werden kann, da die Füllstände der Lagertanks zu niedrig sind. Mit dem vom API gemeldeten Anstieg von +0,5 Mio. Barrel bleiben die Bestände in Cushing zwar immer noch gefährlich niedrig, doch der Abwärtstrend der letzten 9 Wochen wäre zumindest gebrochen.
Der Ölmarkt steht auch zur Wochenmitte weiterhin im Zeichen der diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran sowie der schrittweisen Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Brent notiert heute früh um die 73 Dollar, nachdem der Kontrakt in den vergangenen drei Monaten nahezu ein Drittel seines Wertes eingebüßt hatte.
Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters verliefen die Gespräche der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Katar positiv. Auch die technischen Verhandlungen mit dem Iran kämen voran. Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, und der Sondergesandte Witkoff waren am Dienstag zu den von der US-Regierung als „hochrangig“ bezeichneten Gesprächen in Doha eingetroffen. Iran und Gastgeber Katar stellten jedoch klar, dass die US-Delegation nicht direkt mit iranischen Vertretern zusammentreffen werde, sondern über Vermittler verhandle.
Unterdessen mehren sich die Anzeichen für eine Erholung des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus. Seit den gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran am vergangenen Wochenende hat die Zahl der Schiffsbewegungen wieder zugenommen. US-Vizepräsident JD Vance erklärte sogar, die Öllieferungen durch die Meerenge hätten inzwischen wieder das Vorkriegsniveau erreicht. Dennoch bleibt die Lage weiterhin fragil.
So bekräftigte etwa der Iran erneut seinen Anspruch auf Kontrolle des Schiffsverkehrs durch die wichtige Wasserstraße und trieb seinen Plan, Transitgebühren zu erheben, weiter voran. Dies verdeutlicht, dass zentrale Streitpunkte – darunter auch das iranische Atomprogramm oder ein dauerhaftes Ende der Kämpfe im Libanon – weiterhin ungelöst sind und die Gespräche innerhalb der 60-tägigen Frist erschweren dürften.
„Die Straße von Hormus öffnet sich zwar weiter, doch die Entwicklung bleibt lückenhaft, unvorhersehbar und nicht vollständig transparent. Solange es keine neue Annäherung zwischen Washington und Teheran gibt, dürfte der Markt zunächst abwarten, bevor die Rohölpreise ihren Abwärtstrend wieder aufnehmen“, meint deshalb Vandana Hari, Gründerin des Analysehauses Vanda Insights.
Andere Analysten zeigen sich optimistischer. „Wir erwarten, dass der Konflikt bis Ende Juli beendet sein wird“, glaubt etwa Samantha Dart von der globalen Rohstoffanalyse bei Goldman Sachs. „Sobald sich die Schiffsströme durch die Straße von Hormus normalisieren, rechnen wir mit einem Überangebot am Ölmarkt.“
Goldman Sachs prognostiziert für das kommende Jahr einen Angebotsüberschuss von nahezu 2 Mio. B/T – selbst unter Berücksichtigung der Wiederauffüllung strategischer Ölreserven. Auch Morgan Stanley warnte zuletzt vor einem drohenden Überangebot, da sich die Transporte durch die Straße von Hormus schneller als erwartet normalisieren. Die Bank senkte deshalb ihre Preisprognosen innerhalb von rund zwei Wochen bereits zum zweiten Mal (30.06.2026 Morgan Stanley senkt Preisprognosen erneut).
Heute wartet man am Ölmarkt nun noch auf den DOE–Bestandsbericht, der zumindest kurzfristig ein Bild der Angebotslage in den USA liefern wird. Sollte sich die Lage im Zentrallager in Cushing entgegen der API-Daten doch wieder verschärft haben, könnte der Bericht durchaus bullishe Signale liefern.
Unabhängig davon bleibt unsere fundamentale Einschätzung aber dennoch leicht bearish, denn auch, wenn es aktuell keine direkten Gespräche zwischen Iran und den USA gibt, bleiben die diplomatischen Kanäle dennoch zumindest offen. Zudem bleibt die Straße von Hormus offen und die Exporte am Persischen Golf scheinen sich schneller zu erholen als angenommen.
Morgan Stanley senkt Preisprognosen erneut
30. Juni 2026
Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley haben ihre Preisprognosen für Dated Brent, die europäische Benchmark am physischen Markt, erneut gesenkt. Mittlerweile gehen sie davon aus, dass der Preis der Referenzsorte im dritten und vierten Quartal 2026 durchschnittlich bei jeweils 75 Dollar pro Barrel liegen dürfte. Damit korrigierten sie ihre vorherige Prognose für das dritte Quartal um 15 Dollar und die für das vierte Quartal um 5 Dollar nach unten. Auch für alle vier Quartale des kommenden Jahres wurden die Prognosen nach unten gesetzt. So erwartet man den Durchschnittspreis von Dated Brent im vierten Quartal 2027 nun bei 70 Dollar pro Barrel.
Mit der jüngsten Abwärtskorrektur haben die Analysten von Morgan Stanley ihre Prognosen für Dated Brent nun bereits das zweite Mal innerhalb von etwa zwei Wochen gesenkt. In einer Mitteilung begründen sie die erneute Korrektur mit der schneller als erwarteten Erholung der Öllieferungen über die Straße von Hormus, bei gleichzeitig schwacher Nachfrage aus China und einem umfangreichen Angebot aus den USA - eine Kombination, die nach Einschätzung der Ökonomen zu einem Angebotsüberschuss führen dürfte.
Nach den gegenseitigen Angriffen vom Wochenende sind die Marktteilnehmer darauf gespannt, ob es im katarischen Doha am heutigen Dienstag tatsächlich zu den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran kommen wird, die US-Präsident Trump in einem Post auf seiner Kommunikationsplattform am gestrigen Montag ankündigte. Von iranischer Seite hieß es zuletzt, man werde zwar Gespräche führen, allerdings nur mit dem Oman und zwar darüber, wie die gemeinsame Regulierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus künftig vonstatten gehen soll.
In einer Pressekonferenz stellte der stellvertretende iranische Außenminister Kazem Gharibabadi am gestrigen Montag auch klar, dass sein Land die Regulierung des Schiffsverkehrs in der Meerenge auch alleine übernehmen werde, "falls Oman aus irgendeinem Grund kein Interesse daran hat." Der Iran werde vorübergehende Transitrouten in der Straße von Hormus festlegen und habe den Oman gewarnt, "dass andere Länder kein Recht haben, sich in diese Angelegenheit einzumischen", so Gharibabadi weiter. Nach ausgiebigem Kooperationswillen klingt dies nicht, sodass auch die Frage bleibt, ob die Durchfahrt durch die für den internationalen Handel so wichtige Meerenge nach der 60-tägigen Schonfrist im Hinblick auf Transitgebühren weiterhin ohne Abgaben an den Iran möglich sein wird.
US-Präsident Trump hielt seine Aussagen gegenüber Journalisten zu den von ihm angekündigten Verhandlungen in Doha am gestrigen Montag gewohnt vage und sagte, das Treffen werde "vielleicht wichtig (sein), vielleicht auch nicht." Laut Analyst Tim Waterer von KCM Trade ist der Markt daher zwar "vorsichtig optimistisch, hält sich aber noch bedeckt, bis wir konkretere Anzeichen einer Deeskalation sehen."
Auf Seite der Nachfrage sorgten heute Morgen besser als erwartete Einkaufsmanagerindizes aus China für leichten Optimismus. "Die besten offiziellen EMI-Werte seit zehn Monaten deuten darauf hin, dass die chinesische Wirtschaft wieder etwas an Dynamik gewonnen hat", kommentiert Julian Evans-Pritchard, Leiter der Abteilung für chinesische Wirtschaft bei Capital Economics, die heute Morgen veröffentlichten Indizes für Juni. Allerdings warnt Evans-Pritchard auch, dass sich die Erholung stark auf Exporte und mit KI verbundener Technologie stütze.
Wie sich die Nachfrage in den USA in der vergangenen Woche entwickelt hat, wird der Ölmarktbericht des DOE morgen um 16:30 Uhr zeigen. Auch wird aus dem Bericht natürlich hervorgehen, wie sich die US-Ölbestände in der Woche zum 26. Juni entwickelt haben, allen voran, ob die Vorräte im US-Zentrallager in Cushing (Oklahoma) noch stärker gesunken sind, nachdem sie bereits in der Woche zuvor unter das operative Minimum gerutscht waren.
USA und Iran setzen Angriffe nach kurzer Auseinandersetzung wieder aus
29. Juni 2026
Am Wochenende war in der Straße von Hormus ein Öltanker angegriffen worden. Der Supertanker Kiku soll mit Rohöl aus Katar beladen gewesen sein. Die USA sahen die Verantwortung für den Angriff beim Iran und führten in der Folge Luftschläge gegen Ziele des iranischen Militärs durch, was von der Islamischen Republik mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain beantwortet wurde. Nun hat man sich offenbar darauf geeinigt, die Waffen wieder ruhen zu lassen.
In einem Bericht des Nachrichtenportals Axios hieß es am gestrigen Sonntag, die beiden Länder seien übereingekommen, die gegenseitigen Angriffe auszusetzen. Zudem bereiten sie sich angeblich auf die nächsten Verhandlungen auf technischer Ebene vor, die diese Woche in Doha stattfinden sollen. Ob die iranische Delegation vor Ort sein wird, ist unklar. So berichtete das staatliche Fernsehen unter Berufung auf Regierungskreise, der Iran werde an den Gesprächen in der katarischen Hauptstadt Doha wegen der "jüngsten Angriffe und unerfüllten Bedingungen" aus der Absichtserklärung nicht teilnehmen.
Der Nordsee-Rohölkontrakt Brent war zum Settlement am vergangenen Freitag erstmals günstiger als zum Settlement am Freitag vor Beginn des Iran-Kriegs. Dem US-Rohölkontrakt WTI fehlte noch ein wenig, um den Preisanstieg, den der Krieg verursacht hatte, wieder vollständig abzuschütteln, das Plus zum Vorkriegs-Settlement (vom 27. Februar) lag hier noch bei 2,21 Dollar pro Barrel. Zu Beginn der neuen Handelswoche notieren die Kontrakte auch unterhalb der Hochs von Freitag.
Allerdings könnten die Preise an den Ölfutures im weiteren Wochenverlauf wieder etwas stärker auf Schlagzeilen im Bezug auf die Straße von Hormus reagieren, nachdem es am Wochenende aufgrund von Angriffen auf ein Container-Schiff und einen Öltanker wieder zu einem Schlagabtausch zwischen den US-Streitkräften und den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) kam. Zwar hat man sich mittlerweile darauf geeinigt, die Waffen wieder ruhen zu lassen, vertrauenserweckend sind derlei Zwischenfälle für Käufer, Reedereien und Versicherungen allerdings nicht.
"Der Markt dürfte seine Annahme einer raschen Erholung der Ölversorgung aus dem Persischen Golf neu bewerten", meinen auch die Analysten der ANZ in einer Mitteilung. Ihre Kollegen von der ING-Bank ergänzen: "Der Ölmarkt ist nach wie vor erheblichen Risiken ausgesetzt. Dennoch scheinen sich die Marktteilnehmer darauf zu konzentrieren, was eine anhaltende Erholung der Ölströme für das globale Gleichgewicht bedeuten würde."
Allerdings berge diese "Sorglosigkeit" auch ein erhebliches Risiko für Preisanstiege, sollte sich herausstellen, dass sich das Angebot nur langsam erhole. Unterdessen bleibt abzuwarten, wie sich die US-Nachfrage in der diesjährigen Fahrsaison noch entwickeln wird und wie lange die Nachfrage Chinas noch gemäßigt bleibt.
Die Produktkontrakte könnten in naher Zukunft noch einmal leichten Auftrieb erhalten, sei es durch den Streik an der Antwerpener Raffinerie von ExxonMobil, der in dieser Woche abgehalten wird, oder durch ein vollständiges Diesel-Exportverbot Russlands. Mittlerweile musste sogar Präsident Putin offiziell eingestehen, dass es am russischen Kraftstoffmarkt Angebotsengpässe gibt. Am späten Sonntagabend bestätigte Putin in einer im russischen Fernsehen übertragenen Versammlung mit Vertretern der Regierung und der Ölindustrie, dass ein vollständiges Exportverbot für Dieselkraftstoff zur Debatte stehe. Das Thema soll laut Russlands Energiebeauftragtem Alexander Nowak von der Regierung heute noch einmal diskutiert werden.
Trump: Iran verzichtet auf Gebühren für Hormus-Transit
25. Juni 2026
US-Präsident Trump teilte in einem Post auf Truth Social am gestrigen Mittwoch mit, der Iran habe den USA versichert, auf Gebühren für die Durchfahrt der Straße von Hormus zu verzichten. In der Abstimmungserklärung hatte sich die Islamische Republik dazu verpflichtet, für die 60-tägige Phase der Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen weder Transit- noch andere Gebühren von internationalen Handelsschiffen zu verlangen, die die wichtige Meerenge passieren wollen. Danach sollen der Iran und der Oman die Verwaltung des Schiffsverkehrs in der Wasserstraße gemeinsam regeln.
"Der Iran hat die USA darüber informiert, dass (...) 'KEINE MAUTGEBÜHREN, KEINE VERSICHERUNGSKOSTEN UND KEINE SONSTIGEN GEBÜHREN IRGENDEINER ART VOM IRAN VON SCHIFFEN VERLANGT ODER EINGENOMMEN WERDEN, DIE DIE STRASSE VON HORMUS BEFAHREN“. Sollte es sich hierbei um Falschinformationen handeln, würden die Verhandlungen sofort abgebrochen!'", schrieb Trump in seiner Kurzmeldung und fügte hinzu, dass Teheran im Falle einer Beendigung der Verhandlungen auch keine Gelder erhalten würde.
Der zunehmende Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, mit dem auch zahlreiche Öltanker, die im Persischen Golf festsaßen, ihre geplanten Exportrouten wieder aufnehmen können, hat auf Seite der Marktteilnehmer auch zu Veränderungen bei der Einschätzung der Versorgungslage geführt. Dies spiegelt sich auch in den Preisen für die Rohölkontrakte mit unterschiedlichen Verladezeiträumen wider (23.06.2026 Backwardation-Konstellation hat sich deutlich abgeschwächt).
War der Brent-Kontrakt mit Verladung im August Anfang der Woche noch teurer als der Folgekontrakt und wies damit eine sogenannten Backwardation-Konstellation auf, ist der Brent-Kontrakt mit Verladung im September zum gestrigen Settlement-Zeitpunkt 0,13 Dollar pro Barrel teurer, als der aktuelle Frontmonatskontrakt. Diese Contango-Konstellation ist bei einem ausgeglichenen Markt üblich, wohingegen eine Backwardation eine knappe Versorgungslage signalisiert.
Wenngleich der Wechsel von Backwardation zu Contango von den Tradern an den Ölbörsen als bearishes Signal gewertet wird, sollte man jedoch auch bedenken, dass das Handelsinteresse bei Brent bereits verstärkt auf dem September-Kontrakt liegt, da Brent-August nur noch bis zum 31. Juli handelbar ist. Bei den Kontrakten September und Oktober lag gestern noch eine Backwardation vor, wobei sich der Abschlag vom Oktober- zum September-Kontrakt auf -0,21 Dollar pro Barrel belief.
Im Zuge des Rückgangs, den die Rohölpreise seit ihren Hochs von Ende April vollzogen haben, lag der Settlement-Preis von Brent am gestrigen Mittwoch gerade noch +1,22 Dollar oberhalb des Niveaus, bei dem der Nordsee-Rohölkontrakt am letzten Handelstag vor Beginn des Iran-Kriegs notiert hatte. Bei WTI betrug dieses Plus gestern noch 3,32 Dollar pro Barrel.
Dass WTI noch mehr Spielraum bis zum Vorkriegs-Niveau hat, liegt wohl nicht zuletzt auch daran, dass die Versorgungslage in den USA durch den Krieg ebenfalls knapper geworden ist und die Rohölbestände mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit Januar 2025 liegen. Die strategischen Reserven des Landes, die die US-Regierung nach Kriegsbeginn angezapft hat, um den steigenden Energiepreisen entgegenzuwirken und mit den eigenen Exporten die durch die Sperrung der Straße von Hormus entstandenen Ausfälle des Angebots aus dem Nahen Osten abzufedern, sind unterdessen auf dem niedrigsten Stand seit über 40 Jahren.
Während sich der US-Rohölkontrakt noch in einer Backwardation befindet, hat sich diese jedoch auch hier zuletzt deutlich abgeschwächt. So kostete WTI mit Verladung im August zum gestrigen Settlement-Zeitpunkt noch +0,41 Dollar mehr als der Kontrakt mit Auslauftermin September. Vor einem Monat war der Frontmonatskontrakt der US-Rohölsorte noch +3,51 Dollar teurer als der Folgekontrakt.
"Die Wende bei Preis und Markteinschätzung im Vergleich zur Situation vor nicht einmal zwei Jahren – oder vielmehr vor weniger als zwei Wochen – ist wirklich erstaunlich", kommentiert Carolyn Kissane, stellvertretende Leiterin des Center for Global Affairs an der New York University die Entwicklung der Stimmung am Markt. "Die Vorstellung, dass wir uns auf ein größeres Angebot bei gleichzeitig geringerer Nachfrage zubewegen, hat den Preisrückgang maßgeblich vorangetrieben", fügt sie hinzu.
Rückgang der US-Rohölvorräte lässt laut API nach
24. Juni 2026
Während die Analysten für die Woche zum 19. Juni bei den landesweiten Rohölvorräten sowie auch bei den Destillat- und Benzinbeständen mit einem Rückgang rechnen, wiesen die vom API Dienstagnacht veröffentlichten Bestandsschätzungen für die vergangene Woche nur bei den Rohölreserven Abbauten aus. Diese dürften laut dem größten Interessenverband der US-Ölindustrie wesentlich schwächer ausgefallen sein als in den Wochen zuvor.
Sollte das US-Energieministerium (DOE) heute um 16:30 Uhr den erneuten Rückgang der landesweiten Rohölbestände bestätigen, wäre dies der neunte Abbau in Folge auf Wochensicht. Derweil geht das API davon aus, dass die Rohölbestände im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma, ebenfalls weiter abgenommen haben. Dies würde den Betrieb des Lagers, an dem das Bestandsniveau bereits das operative Minimum erreicht hat, weiter erschweren.
Während sich die Rohölpreise an den Ölbörsen mittlerweile dem Niveau, auf dem sie sich vor dem Iran-Krieg entwickelt hatten, wieder deutlich angenähert haben, fehlen noch ein paar Dollar bis Brent und WTI die Settlementpreise vom 27. Februar wieder erreicht haben.
"Die Normalisierung der Energieversorgungslage dürfte schrittweise erfolgen", erklärt dazu der Ökonom Gregory Daco von EY-Parthenon, der prognostiziert: "Die Ölpreise werden daher voraussichtlich bis Ende des Jahres über dem Niveau vor dem Konflikt bleiben." Denn auch wenn die Straße von Hormus nach der Einigung der USA und des Iran auf ein Interims-Abkommen wieder befahrbar ist und die Zahl der Schiffe, die die wichtige Meerenge durchfahren, zuletzt deutlich zugenommen hat, senden Washington und Teheran widersprüchliche Signale - sowohl was den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus betrifft, als auch bezüglich der Verhandlungen über die Details eines endgültigen Abkommens.
So teilte US-Präsident Trump am gestrigen Dienstag in einem Post auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social mit, Teheran habe Inspektionen der iranischen Atomanlagen "vollständig zugestimmt." Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Bagheai, gab jedoch an, dass keine Inspektionen der Atomanlagen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) geplant seien.
Auch was das Management des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus angeht, ist man sich wohl uneins. Während der Iran und der Oman sich gestern darauf einigten, die Gespräche darüber fortzusetzen, erklärte US-Außenminister Marco Rubio, jeder Versuch von iranischer Seite, Transitgebühren zu erheben, verstoße gegen internationales Recht. Den Marktteilnehmern bleibt derweil nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die wichtige Meerenge dauerhaft geöffnet bleibt und die Differenzen über die Regulierung der Schifffahrt in der Wasserstraße und auch die Inspektionen der iranischen Atomanlagen nicht wieder in eine Eskalationsspirale führen.
Fern der Straße von Hormus soll sich in der vergangenen Woche die Versorgungslage in den USA im Hinblick auf Rohöl weiter verknappt haben. Allerdings sollen die Bestandsabbauten sowohl den Analysten, als auch dem API zufolge nicht mehr so stark ausgefallen sein, wie noch in den Wochen zuvor. Die Bestandssituation im US-Zentrallager in Cushing bleibt unterdessen ein Faktor, der den Marktteilnehmern Sorge bereitet, sollen die Vorräte dort in der Woche zum 19. Juni noch weiter gesunken sein, nachdem sie bereits in der Vorwoche auf ein Niveau von 20 Mio. Barrel gefallen waren, sodass ein normaler Betrieb des Lagers kaum noch möglich ist. Sollte das DOE heute um 16:30 Uhr die Abbauten in Cushing bestätigen, dürfte dies den Rohölkontrakten einen bullishen Impuls geben.
US-Sanktionsausnahmen für Iran – Wie stabil ist die Lage am Persischen Golf?
23. Juni 2026
Die fundamentale Ausgangslage präsentierte sich nach einem turbulenten Wochenende am Montag leicht bearish, da die Verhandlungen trotz vorheriger Drohungen von beiden Seiten (22.06.2026 Schwieriger Friedensprozess: Neue Hormus-Sperrung und Trump-Drohungen) überraschend konstruktiv verliefen und tatsächlich erste Ergebnisse brachten (22.06.2026 USA/Iran-Gespräche überraschend konstruktiv gestartet).
Der Fokus am Ölmarkt bleibt auf den Persischen Golf und den Iran-Konflikt gerichtet. Während die Marktteilnehmer weiterhin auf belastbare Signale hoffen, dass sich die Ölexporte durch die Straße von Hormus nach den jüngsten Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran nachhaltig normalisieren, haben die USA gestern die Sanktionen gegen den Iran gelockert (22.06.2026 USA lockern vorläufig erste Sanktionen gegen Irans Ölsektor).
Mit dieser auf 60 Tage befristeten Ausnahme, die damit über den Zeitraum der veranschlagten Friedensverhandlungen gilt, ist der Verkauf von iranischem Öl und Ölprodukten vorläufig wieder erlaubt. Die US-Regierung begründete den Schritt mit den „konstruktiven Gesprächen“ in der Schweiz und verschafft Teheran damit eine wichtige wirtschaftliche Entlastung.
Sowohl von amerikanischer, als auch von iranischer Seite hieß es, man habe bei den Verhandlungen vom Wochenende Fortschritte auf dem Weg zu einem dauerhaften Abkommen gemacht. Gleichzeitig wurden aber auch wieder tiefliegende Differenzen sichtbar. So erklärte etwa US-Vizepräsident JD Vance, der Iran habe zugestimmt, der internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) wieder Zugang zu ermöglichen. Der Iran dementierte und gab an, man habe überhaupt nicht über Atomfragen gesprochen.
Trotz allem hat das Ölangebot aus der Golfregion zuletzt wieder zugenommen. Produzenten wie Kuwait, Saudi-Arabien und die VAE haben alternative Wege gefunden, ihre Energielieferungen auf den Markt zu bringen. Auch der Iran exportierte in der vergangenen Woche mehr als 30 Mio. Barrel Rohöl (22.06.2026 Iran fährt Rohölexporte durch Straße von Hormus stark hoch).
„Die Zahl der Durchfahrten hat in den vergangenen Tagen offenbar deutlich zugenommen. Der Markt wertet dies als Indikator für Fortschritte sowohl bei den physischen Öllieferungen als auch auf diplomatischer Ebene“, kommentiert Neil Crosby, Forschungschef des Analysehauses Sparta Commodities. Solange sich die Lage nicht grundlegend ändere, dürfte die derzeitige Stimmung aus Risikoaversion und vorsichtigem Optimismus anhalten.
Ölmarktexpertin Rebecca Babin von CIBC Private Wealth mahnt jedoch zur Vorsicht. Zwar gebe es Fortschritte in den Verhandlungen, bis zu einer endgültigen Einigung sei der Weg jedoch noch weit. Der Markt könnte einen künftigen Angebotsüberschuss bereits vorwegnehmen – ähnlich wie zuvor ein Defizit eingepreist worden sei, bevor tatsächlich Fördermengen ausfielen. „Der Ölmarkt neigt dazu, über das Ziel hinauszuschießen“, so die Analystin.
Tatsächlich steht das vorläufige Abkommen, auf das sich die USA und Iran letzte Woche einigen konnten, weiterhin auf sehr wackligen Beinen. Der Iran hat mit der Blockade der Straße von Hormus bewiesen, dass er ein sehr wirksames Druckmittel in der Hand hat und nicht davor zurückschreckt, dieses auch einzusetzen. Gleichzeitig ist diplomatisches Verhandeln unter der Regierung Trump nicht gerade die Kernkompetenz, so dass die Gespräche tatsächlich jederzeit wieder abgebrochen werden könnten.
„An den Märkten überwiegt weiterhin eine erhebliche Skepsis, die auf dem tief verwurzelten Misstrauen zwischen Washington und Teheran basiert“, meint deshalb auch Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade. Eine Rückkehr zu den Ölpreisen vor Ausbruch des Konflikts dürfte daher eher schrittweise als unmittelbar erfolgen.
Die Fortschritte im Friedensprozess spiegeln sich inzwischen auch an den Terminmärkten wieder. Die sogenannten Timespreads – die Preisunterschiede zwischen dem Frontmonatskontrakt und den Kontrakten, die weiter in der Zukunft liegen – haben sich weiter verringert, so dass die als bullish geltende Backwardation-Konstellation sich deutlich abgeschwächt hat. Der Markt signalisiert damit, dass die akute Unterversorgung in einigen Monaten kaum noch spürbar sein dürfte. Bei den Nahost-Rohölsorten Dubai und Murban ist die Marktstruktur bereits in ein Contango übergegangen, das als die „normale“ Konstellation gilt, die auf einen ausgeglichenen Markt hinweist.
Schwieriger Friedensprozess: Neue Hormus-Sperrung und Trump-Drohungen
22. Juni 2026
Trotz der letzte Woche unterzeichneten Absichtserklärung geht der Friedensprozess am Persischen Golf nur schleppend voran. Zuletzt waren es die anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah, die den Start der offiziellen Verhandlungen zwischen USA und Iran verhinderten. Trotz der Meldung einer neuen Waffenruhe am Freitag (19.06.2026 Neue Waffenruhe im Libanon) ging das ewige Hin und Her am Wochenende weiter.
Denn die Kampfhandlungen im Libanon setzten sich am Wochenende fort. Teheran reagierte auf diese Entwicklungen, indem es am Samstag meldete, man habe die Straße von Hormus erneut gesperrt, solange die USA ihr Versprechen einer absoluten Waffenruhe nicht einhielten. Washington bestritt diese neue Sperrung zwar, doch Schifffahrtsdaten zeigten, dass die Tankerbewegungen im Vergleich zu den Vortagen tatsächlich spürbar zurückgingen. Ob dies nur Vorsichtsmaßnahmen waren, oder ob der Iran tatsächlich aktiv Passagen verhindert hat, ist unklar.
Auch in dieser Woche bleiben die Entwicklungen im Persischen Golf das zentrale Thema für den Ölmarkt. Nach einem turbulenten Wochenende mit einer möglichen neuen Blockade der Straße von Hormus und neuen Drohungen des US-Präsidenten in Richtung Teheran, sorgen heute die überraschend konstruktiven Gespräche in der Schweiz dafür, dass die Kurse an ICE und NYMEX nachgeben.
Am Sonntag starteten die ersten Verhandlungen zwischen USA und Iran nach der Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding“ und brachten unerwartet erste Ergebnisse. Nach Angaben Katars und Pakistans, die die Gespräche in der Schweiz vermitteln, haben sich die Parteien auf einen Fahrplan zur Erreichung eines endgültigen Abkommens innerhalb von 60 Tagen geeinigt. Die Verhandlungen sollen die Woche über fortgesetzt werden.
Mit einem solch konstruktiven Tonfall hätte man kurz zuvor wohl kaum gerechnet, denn die Spannungen zwischen den Kriegsparteien waren in den letzten Tagen wieder deutlich aufgeflammt. Am Samstag gipfelten sie in eine neuerliche Sperrung der Straße von Hormus und Angriffsdrohungen des US-Präsidenten. Dennoch lobte der iranische Außenminister Abbas Araghchi heute auf X die Vermittlungsbemühungen in der Schweiz und sagte, sie hätten bedeutende Fortschritte bei der Beendigung des Konflikts im Libanon ermöglicht.
„Die hochrangigen Gespräche […] scheinen gewisse Fortschritte gebracht zu haben", meint auch IG-Marktanalyst Tony Sycamore. „Ob diese Schritte jedoch zu greifbaren Ergebnissen vor Ort führen werden, bleibt abzuwarten – insbesondere im Südlibanon, wo sowohl Israel als auch die Hisbollah offenbar entschlossen sind, ihren Konflikt fortzusetzen.“ Auch bei der ING äußert man sich zurückhaltend: „Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Weg zu einem dauer-haften Abkommen schwierig sein wird. Während der 60-tägigen Waffenruhe besteht ein erhebliches Risiko eines erneuten Aufflammens der Kämpfe“.
Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia ist sogar der Meinung, dass „die Märkte die Aussicht auf eine nachhaltige Wiederaufnahme der Öllieferungen aus dem Nahen Osten weiterhin zu optimistisch einschätzen“. Unsicherheiten hinsichtlich der Fördermengen sowie die Frage, ob Reedereien bereit seien, in die Region zurückzukehren, dürften den Ölfluss weiterhin beeinträchtigen, so der Analyst.
Ein Friedensabkommen könnte theoretisch zu einem deutlichen Anstieg des Ölangebots führen, während die Nachfrage derzeit eher schwach ausfällt – insbesondere angesichts des Rückgangs der Käufe durch den weltweit größten Importeur China. Sollte die Straße von Hormus vollständig wieder geöffnet werden, könnten schlagartig rund 80 Mio. Barrel Rohöl auf den Markt gelangen (18.06.2026 Löst Hormus-Öffnung Ölschwemme in Asien aus?).
Verhandlungen über finales USA/Iran-Abkommen starten später
19. Juni 2026
Eigentlich war geplant, dass die Delegationen der USA und des Iran heute im schweizerischen Bürgenstock am heutigen Freitag mit den Verhandlungen über die Details für ein endgültiges Abkommen beginnen. Nun wurde der Beginn der zweiten Verhandlungsphase offenbar jedoch verschoben. Grund dafür ist, dass der vom Iran im Rahmenabkommen geforderte Waffenstillstand an allen Fronten noch nicht eingehalten wird. Denn Israel setzt die Kampfhandlungen gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon fort.
Daher hat der Iran die Gespräche mit den USA einem Bericht des Senders Al-Mayadeen vorübergehend ausgesetzt. Erst, wenn die israelischen Angriffe im Libanon nachweislich beendet worden seien, wolle Teheran wieder verhandeln, so der Sender, der sich auf eine informierte Quelle beruft. Aus dem Weissen Haus hiess es am Donnerstagabend, US-Vizepräsident JD Vance habe seine Reise in die Schweiz abgesagt. Vance wollte ursprünglich mit der US-Delegation an den geplanten Verhandlungen in Bürgenstock teilnehmen.
Die Vertreter der iranischen Delegation hatten sich Medienberichten zufolge bereits auf die Reise in die Schweiz vorbereitet. Allerdings hatte Teheran auch schon vor der Unterzeichnung des Rahmenabkommens betont, dass eine Fortsetzung der israelischen Kampfhandlungen sowie der Besatzung von Gebieten im Libanon durch Israels Streitkräfte dazu führen würde, das der Iran das Rahmenabkommen als "hinfällig" betrachte.
Die Marktteilnehmer versuchen derzeit weiterhin, die Auswirkungen der Mitte der Woche unterzeichneten Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran auf die Ölströme im Golf abzuschätzen. Darüber hinaus bleibt die Frage, wie lange das vorläufige Abkommen halten wird und ob es den USA und dem Iran tatsächlich gelingt, daraus binnen 60 Tagen ein endgültiges Abkommen zu machen.
Das Zentralkommando der US-Streitkräfte in der Region (CENTCOM) gab am Donnerstag an, die Seeblockade für Schiffe, die an iranischen Häfen an oder ablegen wollen aufgehoben zu haben und einige Schiffe konnten die Strasse von Hormus auch schon wieder passieren.
Während die ersten Länder am Persischen Golf die Fördermengen sogar schon wieder steigern, oder dies zumindest ankündigen, versuchen die Marktteilnehmer noch, die Menge an Öl einzuschätzen, die unmittelbar auf dem Markt verfügbar sein könnte, so der Analyst Andy Lipow von Lipow Oil Associates. Aber die Märkte fragen sich: ‚Wie lange wird es tatsächlich dauern, bis die Lieferkette wieder einigermassen zur Normalität zurückkehrt?, fügt Lipow hinzu. Die Erwartungen der Experten diesbezüglich variiert dabei stark, während die weltweiten Ölreserven weiter sinken.
Bei der Bank BNP Paribas rechnet man derzeit nicht mit einer Rückkehr der Ölpreise zu den Niveaus, auf denen sie vor dem Iran Krieg lagen. Die Analysten der Bank sehen die Preismarke von 75 US-Dollar pro Barrel in einer Mitteilung als dauerhafte Untergrenze für die absehbare Zukunft. Diese Einschätzung begründen sie mit anhaltenden Ausfällen bei der Versorgung und einer höhere Nachfrage. Der Durchschnittspreis der Nordsee-Rohölsorte Brent hatte im Februar also vor Kriegsbeginn noch bei rund 69,40 Dollar gelegen (nach Settlementpreisen).
Zum Ende der Woche kommt nun auch wieder die Frage auf, wie lange die Strasse von Hormus überhaupt offen bleibt. Da nämlich im Libanon zwischen den israelischen Streitkräften und der Hisbollah-Miliz immer noch keine Waffenruhe herrscht, könnte das vorläufige Friedensabkommen schon zerbrechen, bevor die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zwischen den USA und Iran überhaupt wirklich in Gang kommen. So wurde die erste Gesprächsrunde für das finale Abkommen, die heute im schweizerischen Bürgenstock stattfinden sollte, Medienberichten zufolge bereits verschoben, da der Iran in der Absichtserklärung eine Waffenruhe an allen Fronten - also auch im Libanon gefordert hatte.
USA/Iran-Abkommen bereits unterzeichnet
18. Juni 2026
Noch am Dienstagabend hatte das schweizerische Außenministerium angekündigt, die Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran werde voraussichtlich am morgigen Freitag in Bürgenstock bei Luzern unterzeichnet (16.06.2026 USA/Iran-Abkommen wird in Bürgenstock unterzeichnet). Nun sieht es so aus, als wäre das Abkommen bereits in trockenen Tüchern. So gab US-Präsident Trump am Mittwochabend an, er habe das Dokument schon unterschrieben. Irans Präsident Peseschkian soll derweil seine Unterschrift in digitaler Form unter das Abkommen gesetzt haben.
Gegenüber Journalisten sagte Trump nach einem Abendessen im Schloss Versailles, zu welchem ihn Frankreichs Präsident Macron eingeladen hatte: "Hab's grade unterzeichnet." Irans Außenministerium teilte mit, Trumps Amtskollege Peseschkian habe das Abkommen mit seiner digitalen Unterschrift versehen. Dass es nun noch zu einer offiziellen Unterzeichnungszeremonie kommen wird, ist unwahrscheinlich, denn nach Meinung des iranischen Ministeriums gebe es dafür "nicht wirklich einen Platz."
Nachdem die Präsidenten der USA und des Iran die Absichtserklärung zwischen den beiden Ländern nun offenbar schon früher unterzeichneten, als Anfang der Woche angekündigt, geben die Futures an den Ölbörsen heute Morgen wieder nach. Schließlich bedeutet die Unterzeichnung nicht nur eine Einstellung der Kampfhandlungen, sondern auch die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr. Ein endgültiges Abkommen soll nun binnen 60 Tagen ausgehandelt werden.
"Obwohl die Märkte bereits mit einer schrittweisen Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus rechneten, bestand weiterhin ein erhebliches Risiko, dass die Verhandlungen in letzter Minute scheitern würden. Dieses Abkommen reduziert dieses extreme Risiko erheblich", erklärte Rajeev De Mello, Fondsmanager bei Gama Asset Management, die erneute Abwärtsreaktion gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Bereits seit Ende Februar war die wichtige Meerenge nahezu vollständig blockiert. Laut EIA und IEA dürfte eine nachhaltige Erholung der Öllieferungen, die über die Straße von Hormus abge-wickelt werden, im kommenden Jahr allerdings zu einem beträchtlichen Angebotsüberschuss führen. Während die EIA diesen in ihrem aktuellen Monatsbericht bei etwa 4 Mio. B/T sieht, geht die IEA sogar von 5 Mio. B/T aus. Haris Khurshid, Chief Investment Officer von Karobaar Capital LP, gibt jedoch auch zu bedenken: "Das Erzielen einer Einigung war der einfache Teil – der schwierigere Teil ist es, auszumachen, inwieweit die Störungen der letzten Monate von Dauer bleiben werden." Einige Änderungen (wie z.B. Exportrouten), die während der Blockade der Meerenge vorgenommen wurden, dürften laut Khurshid durchaus länger beibehalten wer-den.
Die weltweiten Ölbestände, die aufgrund der Angebotsausfälle aus einigen Ländern der Golfregion gesunken sind, dürften in naher Zukunft erst einmal noch unter Druck bleiben. Auch in den USA spiegelt sich der Rückgang des Angebots von Rohöl aus dem Nahen Osten in der Versorgungslage wieder. So gaben die landesweiten Rohölvorräte der USA vergangene Woche erneut beträchtlich nach und im Zentrallager in Cushing, Oklahoma, sind die Bestände mittlerweile so niedrig, dass der Betrieb des Lagers erschwert wird. Abhängig davon, wie lange die Erholung der Lieferströme über die Straße von Hormus dauert, könnte dies Experten zufolge auch die Rohölexporte der USA beeinträchtigen.
Im heutigen Tagesverlauf könnte unterdessen der festere Dollar die Ölpreise unter Druck bringen. Der Greenback hatte gestern Abend gegenüber dem Euro bereits einen Kurssprung ver-zeichnet. Zwar nahm die Fed wie erwartet bei ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung noch keine Zinsanhebung vor, allerdings machte der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh deutlich, dass man gegen die hohe Inflation ankämpfen wolle. Darüber hinaus deuteten die aktuellen Prognosen der Fed-Mitglieder darauf hin, dass im laufenden Jahr noch mit einer Zinsanhebung zu rechnen ist.
US-Rohölvorräte laut API achte Woche in Folge gesunken
17. Juni 2026
Den Dienstagnacht vom American Petroleum Institute (API) veröffentlichten US-Ölbestandsschätzungen zufolge, nahmen die landesweiten Rohölvorräte der USA in der Woche zum 12. Juni das achte Mal in Folge ab. Mit -8,3 Mio. Barrel soll der Rückgang laut dem Interessenverband auch deutlich stärker ausgefallen sein, als von den Analysten erwartet. Die Abbauten bei den Destillatbeständen schätzt das API etwas schwächer ein als die Analysten, während für Benzin entgegen den Erwartungen ein Bestandszuwachs gemeldet wurde.
Die Abbauten bei den landesweiten Rohölbeständen könnten mit einer höheren Raffinerieauslastung einhergegangen sein, von der in den Analystenschätzungen auch ausgegangen wird. Davon abgesehen wäre auch ein erneuter Rückgang der Netto Importe (nach dem Anstieg der Vorwoche) ein Faktor der für rückläufige Bestände gesorgt haben könnte.
Im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma, sanken die Rohölvorräte in der vergangenen Woche laut API um -1,5 Mio. Barrel. Sollte das DOE dies bestätigen, würde dies bedeuten, dass die Bestände am Erfüllungsort für die physischen WTI-Kontrakte an der 20 Mio. Barrel-Marke kratzen, was die Frage aufwirft, wie lange das Lager den Normalbetrieb noch aufrecht erhalten kann.
Unklar ist noch, ob der Abwärtstrend bei den Destillatbeständen der USA, der Anfang Mai ins Stocken geriet, bereits beendet ist. Sowohl Analysten, als auch das API rechnen für die vergangenen Woche mit leichten Abbauten in dieser Bestandskategorie, nachdem es bereits in der Vorwoche wieder zu einem leichten Rückgang gekommen war. Dies mag auch daran liegen, dass sich die Raffineriebetreiber bei der Produktion mittlerweile aus saisonalen Gründen eher auf Benzin konzentrieren. Dies würde zumindest zum Teil auch die Bestandsaufbauten erklären, die der API-Bericht für die Woche zum 12. Juni für den Ottokraftstoff ausweist. Die Analysten rechnen dagegen auch bei Benzin mit einem Rückgang der Vorräte.
Erstmals seit Anfang März lag das Settlement von Brent gestern wieder unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 80 Dollar pro Barrel. Und zumindest aktuell sieht es an den Ölbörsen so aus, als könnte der Preis der Nordsee-Rohölsorte heute noch weiter sinken.
Wir erleben eine massive Flucht der Investoren aus dem Markt, kommentiert Analyst Stephen Schork von der Schork Group den Preisrückgang, der sich seit der Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran, die am Wochenende schliesslich bestätigt wurde, an den Ölbörsen ergeben hat. So wie wir zu Beginn des Konflikts im Nahen Osten einen regelrechten Kaufrausch erlebt haben, geschieht nun genau das Gegenteil, führt Schork aus. Seine Kollegin von Phillip Nova, Priyanka Sachdeva verweist derweil auf die geopolitische Risikoprämie, die die Marktteilnehmer seit Beginn des Iran-Kriegs eingepreist hatten und nun wieder auspreisen.
Hauptgrund dafür ist, neben der Einigung an sich, die Hoffnung am Markt, dass die Öllieferungen über die Strasse von Hormus bald wieder deutlich zunehmen, wenn die Meerenge am Freitag wie angekündigt wieder geöffnet wird. Das wichtige Nadelöhr, über das vor dem Krieg täglich Öllieferungen im Umfang von rund 21 Mio. Barrel abgewickelt wurden, soll freigegeben werden, sobald die Absichtserklärung ebenfalls am Freitag von den USA und dem Iran unterzeichnet wurde. Das schweizerische Aussenministerium gab gestern bekannt, dass die Unterzeichnung voraussichtlich in Bürgenstock bei Luzern stattfinden werde.
Im Hinblick auf die erwartete Öffnung der Strasse von Hormus gibt Parash Jain allerdings zu bedenken: Wir sprechen von einer schrittweisen Wiederaufnahme, nicht von einer sofortigen Rückkehr zur Normalität. Der Leiter der Transport und Logistikforschung bei HSBC Holdings Plc weltweit fügt in einem Interview mit Bloomberg Television hinzu: Das Letzte, was die Reedereien wollen, ist, zwei Monate damit zu verbringen, alle Schiffe umzuleiten, nur um dann zu erfahren, dass sie sie eigentlich wieder auf die ursprüngliche Route zurückverlegen müssen.
Denn es gibt immer noch einige Faktoren, die eine Öffnung der wichtigen Meerenge doch noch verhindern könnten, wie zum Beispiel Israels Militäroperationen im Libanon. Erst gestern hatte der iranische Aussenminister noch einmal betont, dass der Iran ein Abkommen ohne einen vollständigen Rückzug Israels aus dem Libanon, von wo aus die vom Iran unterstützte Hisbollah Miliz agiert, als hinfällig betrachte. US-Präsident Trump fühlte sich diesbezüglich gestern sogar genötigt, Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem Interview am Rande des G7-Gipfels zur Zurückhaltung im Libanon aufzufordern.