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NEWS ÜBERSICHT

US-Sanktionen Indien importiert mehr russisches Öl

29. Aug. 2025

Trotz der Verdoppelung der Importzölle für indische Waren seit Mittwoch haben die USA scheinbar keinen Erfolg darin Indien von einem Verzicht auf russisches Öl zu überzeugen. Drei Insidern zu Folge, die mit den Zahlen zu Verladungen vertraut sind, reagiert Indien nun sogar mit einer Steigerung der russischen Ölimporte.

Für September ist demnach eine Steigerung der Importe von etwa 10 bis 20 % im Vergleich zu August geplant, was etwa 150.000 bis 300.000 B/T entspricht. In den ersten 20 Tagen des August sollen etwa 1,5 Mio. B/T von Russland nach Indien geliefert worden sein. Wegen ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien sind etwa 17 % der Verarbeitungskapazitä-ten offline, sodass im September vermutlich mehr Rohöl für den Export zur Verfügung steht.

Der Preis für russische Ware ist wegen der Sanktionen gegen Moskau günstiger, da die Anzahl der Länder, die bereit sind russisches Öl zu kaufen, stark geschrumpft ist. Im Wesentlichen sind es nur noch Indien und China, die größere Mengen beziehen. So lange von der Regierung in Neu Delhi keine politische Intervention kommt, die den Bezug von russischem Öl einschränkt, werden die Raffineriebetreiber wohl weiter nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handeln und das günsti-gere russische Öl bevorzugt kaufen.

Den USA steht mit dem US Labor Day ein langes Wochenende bevor. Die Reiseaktivität wird dann noch einmal hoch sein, jedoch markiert dieser Feiertag traditionell auch das Ende der nachfrageintensiven Sommersaison.

Im Anschluss werden die Wartungsarbeiten an den Raffinerien zunehmen und die Nachfrage zunächst einmal sinken. Gleichzeitig plant die OPEC+ im September bekanntlich eine Produktionssteigerung umzusetzen, weshalb Analysten aber auch Institutionen wie IEA und EIA in den kommenden Monaten mit einer Überversorgung rechnen. Das wird die Preise an ICE und NYMEX belasten und sorgt für eine bearishe Grundstimmung.

Wir erwarten, dass das ab September steigende Ölangebot der OPEC+ und ein saisonaler Rückgang der weltweiten Raffi-nerieaktivität in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der weltweiten Ölvorräte führen werden. Wir prognostizie-ren, dass Brent im vierten Quartal 2025 auf 63 Dollar fallen wird, so die entsprechende Einschätzung von Analyst Vivek Dhar, von der Commonwealth Bank of Australia.

Behält Dhar Recht, so würde Brent, das aktuell bei etwa 68,24 Dollar notiert, auf den niedrigsten Stand seit Juni diesen Jahres rutschen. Die Citigroup rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung. Im aktuellen Quartal, das noch bis Ende Septem-ber geht, wird Brent einen Durchschnittspreis von 66 Dollar haben und im letzten Quartal des Jahres dann auf 63 Dollar abrutschen.

Trotz der bearishen Marktaussichten gibt es auch Faktoren, die dafür sorgen, dass sich die Marktteilnehmer zurückhal-ten. Die EU will in den kommenden Monaten scheinbar die Sanktionen gegen den Iran wieder verschärfen, was einen starken Einfluss auf dessen Exportfähigkeiten haben kann und das globale Ölangebot reduzieren würde.

Im Fokus bleibt aber vor allem Trump und seine Drohungen gegen Russland. Trader warten noch auf ein angekündigtes Statement, das man als Indiz wertetet, dass der US Präsident die Sanktionen gegen Russland verstärken könnte, um des-sen Ölexporte zu reduzieren. Diese Unsicherheit sorgt dafür, dass die mittel und langfristig bearishen Marktaussichten noch nicht stärker eingepreist werden. Für Volatilität sorgt zudem der anstehende Frontmonatswechsel bei Brent und den Produkt-Futures an der NYMEX, während in den USA zudem ein langes Wochenende bevorsteht.

Den Markt schätzen wir daher fundamental weiter neutral ein, während sich nach dem späten Preisanstieg gestern Abend für das Inland rechnerisch leichte Preissteigerungen abzeichnen.

Kasachstan reaktiviert BTC Pipeline

28. Aug. 2025

Wegen einer Verunreinigung mit organischen Chloriden wurden die Rohöllieferungen über Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC) Pipeline Ende Juli unterbrochen. Die Öllieferungen fielen in dieser Zeit nicht komplett aus und konnten mindestens teilweise umgeleitet werden.

Die Reinigungsarbeiten an der Anlage wurden vergangene Woche weitestgehend abgeschlossen, sodass man sich in Gesprächen befinde die Pipeline nun wieder in Betrieb zu nehmen. Das dürfte Öllieferungen aus Kasachstan wieder einfacher und günstiger werden lassen.

Die US-Ölbestandsdaten hatten gestern einen klar bullishen Impuls gesetzt, da die Vorräte in allen wichtigen Kategorien gesunken sind, während die Nachfrage gestiegen ist und sich auf einem hohen Niveau befindet (27.08.2025 Abbauten durch die Bank - DOE-Daten mit bullishem Impuls).

Gedämpft wird der Einfluss allerdings durch den Umstand, dass die Raffinerien nun langsam in die Wartungssaison kommen, womit die Ölbestände sich in den kommenden Wochen und Monaten erholen können. Zeitgleich steht das US-Labor Day Wochenende an, was traditionell das Ende der Sommersaison markiert. Danach nimmt die Nachfrage in der Regel ab, was ebenfalls Druck aus den Beständen nehmen kann.

Im September wird zudem mit der angekündigten Produktionssteigerung der OPEC+ gerechnet, während Russlands Ölangebot von den US-Sanktionen unberührt bleibt. Zwar werden für die meisten indischen Güter in die USA nun 50 % Zölle fällig, Neu Delhi will sich aber nicht erpressen lassen und plant auch künftig russisches Öl zu beziehen. Die US-Sanktionen haben damit also eine negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum Indiens – dem aktuell größten Wachstumsmarkt für Ölnachfrage – können aber ihr eigentliches Ziel, die Ölexporte Russlands zu reduzieren, nicht erfüllen.

Experten rechnen daher damit, dass sich die Versorgungslage in den kommenden Monaten verbessert. Goldman Sachs beispielsweise geht ab dem 4. Quartal sogar von einem durchschnittlichen Überangebot in Höhe von 1,8 Mio. B/T aus (27.08.2025 Goldman Sachs sieht deutliches Abwärtspotenzial in 2026). „Angesichts des bevorstehenden Überschusses bleiben die Marktaussichten weiterhin bearish. Das größte Aufwärtsrisiko für den Markt ist jedoch die Möglichkeit schärferer Sanktionen gegen Russland sowie umfassenderer Sekundärzölle“, glaubt Analyst Warren Patterson, von der ING.

Für Patterson ist der Markt damit in erster Linie von den Entscheidungen in Washington abhängig. Schaffen es die USA durch ihre Sanktionen russische Öllieferungen an Länder wie Indien und China spürbar zu reduzieren, würde die erwartete Überversorgung geringer ausfallen. Auch eine mögliche Zinssenkung der Fed kann die Preise stützen - anders als Sanktionen wirkt diese aber eher langfristig und weniger drastisch, sodass der größte potenziell bullishe Hebel die US-Sanktionen bleiben.

Momentan ist der Markt dank der Sommernachfrage noch nicht überversorgt. In den kommenden Monaten wird sich die Marktlage laut Analysten aber spürbar ändern, zumindest, solange die US-Sanktionen die russischen Rohöllieferungen nicht entscheidend stören können. Damit ergibt sich ein Spannungsfeld aus kurzfristig potenziell bullishen Elementen und einem langfristig bearishen Ausblick. Die Volatilität könnte somit in den kommenden Wochen zunehmen, bis sich herausstellt, welche Faktoren sich letztlich durchsetzen.

Indien: US-Sanktionen in Kraft getreten

27. Aug. 2025

Um Mitternacht war es soweit und die neuen US-Strafzölle für Indien sind in Kraft getreten. Der Basiszollsatz hat sich damit von 25 % auf 50 % verdoppelt, wobei es dabei auch Ausnahmen, beispielsweise für Elektronik gibt.

Hintergrund ist bekanntlich die Weigerung Indiens auf russisches Rohöl zu verzichten, womit indirekt der Krieg in der Ukraine finanziert wird. Die indischen Raffinerien planen für die Zeit ab Oktober mit Importen von 1,4 bis 1,6 Mio. B/T aus Russland und damit weniger als in der ersten Jahreshälfte, als das Land noch 1,8 Mio. B/T aus Moskau einkaufte (26.08.2025 Indiens Raffinerien drosseln russische Importe). Für die USA ist dies aber scheinbar nicht ausreichend, um von Strafzöllen abzusehen.

US-Präsident Trump hat die angedrohte Verdoppelung der Importzölle gegen Indien in Kraft treten lassen. Neu Delhi zeigt sich davon aber unbeeindruckt und will weiter russisches Öl kaufen, sodass das Ölangebot am Weltmarkt durch die Maßnahmen nicht sinkt. Dafür aber haben die Zölle wohl einen negativen Einfluss auf Wirtschaftswachstum und Ölverbrauch, was sich entsprechend bearish auf die Ölbörsen auswirkt.

USA und Indien werden sicherlich weiter am Ball bleiben und entweder die Sanktionen weiter verschärfen, womit sich auch der bearishe Effekt verstärkt, oder Indien reduziert die Ölimporte aus Moskau erheblich, was dann wiederum bullish wirken würde.

Gleichzeitig schafft es Russland wohl mehr Öl zu exportieren als ursprünglich geplant, sodass es insgesamt keine Sorgen bezüglich nachhaltiger Versorgungsprobleme gibt, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die OPEC+ im kommenden Monat ihre Förderung weiter steigern wird.

„In der letzten Woche oder so wurde viel von den Friedenserwartungen in der Ukraine ausgepreist, aber der Markt ist noch nicht bereit eine Risikoprämie für erhebliche Angebotsausfälle einzupreisen,“ so die Analystin Vandana Hari, von Vanda Insights.

Die langfristige Markteinschätzung bleibt weiter bearish, was auch der Kommentar der Goldman Sachs Analysten zeigt. Diese rechnen mit einer erheblichen Überversorgung, die sich ab kommenden Quartal etabliert und schließlich auch zu einer bearishen Contango-Konfiguration bei Brent führen könnte.

Die leicht bullishen Bestandsveränderungen des API haben dabei keinen großen Einfluss auf die Marktpreise, weshalb Trader hier auf die Zahlen des DOE am Nachmittag warten. Auch der Streit zwischen Trump und der Fed ist weiter im Auge zu behalten, kann dieser doch für Unruhe an den Finanzmärkten sorgen.

Trump feuert Fed Gouverneurin Sorge um Fed Unabhängigkeit wächst

26. Aug. 2025

Donald Trump hat seine Drohungen wahr gemacht und Notenbankgouverneurin Lisa Cook mit sofortiger Wirkung entlas-sen. Sie soll bei Hypothekenanträgen falsche Angaben gemacht haben. Beobachter fürchten mit dieser neuen Eskalati-onsstufe um die Unabhängigkeit der US-Notenbank.

Es gebe ausreichende Beweise dafür, dass Cook bei Hypothekenanträgen falsche Angaben gemacht habe, schrieb Trump in einem offiziellen Schreiben an die Gouverneurin. Er habe deshalb entschieden, sie ihres Amtes zu entheben. Allerdings regen sich deutliche Zweifel an der Legalität der Entscheidung des Präsidenten. Die bisher unbewiesenen Anschuldigun-gen betreffen Zeiten, in denen Cook noch gar nicht Zentralbankerin war.

Dennoch scheint der Plan der US Regierung aufzugehen, den Druck auf die Notenbank zu erhöhen und die Führung suk-zessive nach eigenen Vorstellungen umzubauen. An den Finanzmärkten sorgt der Schritt für Unruhe und hat zuletzt den Dollar wieder unter Druck gesetzt. Marktanalyst Bart Wakabayashi von State Street spricht von Chaos. Der US Präsident setze Stabilität und Glaubwürdigkeit der Fed aufs Spiel.

Charu Chanana, Anlagestrategin bei Saxo, sieht sogar konkrete Auswirkungen auf die Geldpolitik. Frühere Zinssenkungen erscheinen nach Cooks Entlassung wahrscheinlicher, so die Expertin. Aber hier geht es nicht nur um Zinssenkungen, son-dern um die Unabhängigkeit der Fed und die wachsenden institutionellen Risiken in den USA. Klar ist, dass der Schritt die Unsicherheit und Risikoaversion an den Märkten erneut erhöht hat.

Nach vier Handelstagen mit teilweise deutlichen Kursgewinnen geben die Notierungen an ICE und NYMEX heute früh wieder nach. Während kurzfristige Angebotsunterbrechungen weiterhin bullish wirken, sorgen die ab Mittwoch greifen-den Strafzölle für Indien und die Entlassung einer Notenbank-Gouverneurin in den USA für bearishen Druck.

Der gestrige Preisanstieg war zu einem nicht geringen Anteil den Sorgen um Lieferausfälle in Russland geschuldet, nach-dem die Ukraine ihre Drohnenangriffe in den letzten Wochen erfolgreich ausgeweitet hatte. Die Attacken trafen Moskaus Ölverarbeitung und zuletzt auch ein wichtiges Exportterminal (25.08.2025 Nach Drohnenangriff: Großbrand an russi-schem Exportterminal), und führten in Teilen Russlands zu Benzinknappheit. Aus Expertensicht dürfte aktuell bis zu 13% der russischen Raffineriekapazität offline sein.

Ein Ende der ukrainischen Drohnenangriffe ist zudem nicht in Sicht, denn der in den letzten Wochen angestossene Frie-densprozess zwischen Kiew und Moskau ist inzwischen wieder ins Stocken geraten. Das erhoffte Treffen zwischen dem russischen und dem ukrainischen Präsidenten steht noch in den Sternen und die USA haben stattdessen neue Sanktionen gegen Russland in Aussicht gestellt.

Am Montag hiess es zudem aus Washington, dass ab Mittwoch nun tatsächlich zusätzliche Sekundärzölle in Höhe von 25% auf Waren aus Indien fällig werden. Sie gelten als Strafmassnahme dafür, dass Indien weiterhin Öl aus Russland be-zieht. Der Zollsatz für Neu Delhi verdoppelt sich damit auf einen Schlag. In den letzten Tagen hatte sich abgezeichnet, dass ein Deal nicht mehr zustande kommen wird, nachdem Indien immer wieder betonte, nicht auf russische Energielie-ferungen verzichten zu können und zu wollen.

Wenn die Verdopplung der Zölle umgesetzt wird, dürfte der Markt erneut die russischen Lieferströme hinterfragen und die Preise könnten kurzfristig wieder in Richtung 70 Dollar steigen, vermutet Robert Rennie von Westpac. Auch wenn dies womöglich der Fall ist, bleibt die Einführung der Strafzölle langfristig betrachtet ein bearisher Faktor. Immerhin dürfte sich der Wegfall des US-Handels und nichts anderes werden Zollsätze in dieser Höhe bewirken massiv auf die Konjunktur des drittgrössten Ölverbrauchers der Welt auswirken.

An den Finanzmärkten sorgt unterdessen ein anderes Thema für Erschütterung, nachdem USPräsident Trump Fed-Gouverneurin Lisa Cook entlassen hat. Beobachter befürchten, dieser Schritt könnte die Unabhängigkeit der Notenbank untergraben just zu einem Zeitpunkt, an dem US Konjunkturdaten auf eine Abschwächung der Wirtschaft und des Ar-beitsmarkts hindeuten. Langfristig könnte dies auch die Energienachfrage belasten.

USA/Indien: Zollverhandlungen am seidenen Faden

25. Aug. 2025

Während ein Ende des Ukraine-Krieges wieder in weitere Ferne rückt, richtet sich der Fokus am Markt einmal mehr auf Indien. Dem Land drohen ab Mittwoch Strafzölle von 50%, da zu den 25% US-Einfuhrzöllen nun noch einmal 25% Sekundärzölle als Strafe für russische Ölimporte hinzukommen sollen. Die Verhandlungen dazu hängen am seidenen Faden.

Indiens Außenminister erklärte am Samstag, dass die Handelsgespräche mit den USA zwar fortgesetzt werden, Neu-Delhi jedoch bestimmte Grenzen wahren müsse. Ein geplanter Besuch von US-Handelsunterhändlern in Neu-Delhi vom 25. bis 29. August war zuletzt abgesagt worden, was am Markt für Zweifel an einer Abmilderung oder Verschiebung der neuen Zölle gesorgt hatte.

Die letzte Woche endete für die Notierungen an ICE und NYMEX mit einem relativ deutlichen Wochengewinn und auch heute starten die Kurse auf relativ hohem Niveau in den Montag. Grund ist neben den verstärkten ukrainischen Angriffen auf Russland auch eine gestiegene Risikofreude an den Märkten, nachdem die US-Notenbank Fed eine Rückkehr zu Zinssenkungen signalisiert hat.

Fed-Chef Jerome Powell hatte am Freitag in seiner Rede im Rahmen des jährlichen Notenbanktreffens in Jackson Hole die Möglichkeit einer Zinssenkung im kommenden Monat in Aussicht gestellt. Die Rohstoffbörsen reagierten erfreut und profitierten nicht nur von der unmittelbar spürbaren Schwächung des Dollars, sondern auch von einer möglichen Stärkung der US-Konjunktur durch niedrigere Zinsen.

Auf Jahressicht gesehen bleiben die Kurse an ICE und NYMEX aber weiterhin im Minus und haben sich im August bisher auch kaum von der Stelle bewegt. Während dies zum Teil auf den saisonal bedingt dünnen Handel an den Börsen zurückzuführen ist, bleibt das altbekannte Spannungsfeld aus Unsicherheiten und widerstreitenden Marktfaktoren bestehen.

So beobachten die Anleger nach wie vor die Friedensbemühungen im Ukraine-Krieg und die daran geknüpften Sanktionen und Strafzölle. Gleichzeitig bleiben die grundsätzlichen Handels- und Zollkonflikte ein Marktthema, ebenso wie die OPEC+ Produktionssteigerungen und die für die kommenden Monate erwartete Angebotsschwemme.

„Der Fokus liegt weiterhin auf kurzfristigen Ereignissen, und die möglichen fundamentalen Abwärtsrisiken sind noch nicht eingepreist“, erklärt Gao Jian, Analyst bei Qisheng Futures in China. Die positiven Effekte möglicher Zinssenkungen der Fed könnten sich erst verzögert auswirken, glaubt der Experte.

Aktuell dürften Faktoren wie die zahlreichen ukrainischen Drohnenangriffe die Marktstimmung am meisten beeinflussen, vermutet zumindest Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG: „Angesichts der Erfolge der Ukraine bei Angriffen auf russische Ölinfrastruktur verlagern sich die Risiken für Rohöl eher nach oben“.

Friedensverhandlungen für Ukraine stocken

22. Aug. 2025

Die USA und seine europäischen Partner haben nach den Treffen in Washington militärische Optionen für die Ukraine besprochen. Details dazu gibt es nicht, vermutlich handelt es sich aber um weitere militärische Unterstützung Kiews, sollte es nicht zu einem Waffenstillstand mit Russland kommen.

Trump hatte zuletzt über seine Posts bei Truth Social angedeutet, dass die Ukraine eventuell mehr Offensivmöglichkeiten erhalten soll. Die Ukraine sei großartig im Verteidigen, aber einen Krieg könne man ohne eigene Offensive niemals gewin-nen. Es ist sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich, einen Krieg zu gewinnen ohne das Land des Invasoren anzugreifen, so Trump. Seinen Kommentar beendete er mit Interessante Zeiten stehen bevor!!!.

Wie immer sind die Kommentare Trumps sehr kryptisch, könnten aber ein Hinweis sein, dass man Kiew mehr Offensiv-waffen zur Verfügung stellen will, um den Druck auf Moskau zu erhöhen. Wenig überraschend begrüßte Selenskiy diesen Vorstoß. Dabei wies der ukrainische Präsident die von Russland geforderte Übergabe weiterer ukrainisch kontrollierter Territorien sowie Territorien, die international anerkanntes Staatsgebiet der Ukraine sind, zurück.

Im Handel an den internationalen Ölbörsen wird nun langsam wieder eine größere Risikoprämie eingepreist, da die Aus-sicht, dass US Präsident Trump zeitnah einen Frieden aushandeln kann, abgenommen hat.

Die Abwärtsbewegung an den Ölbörsen, die teilweise auf einem möglichen Vermittlungserfolg Trumps zurückzuführen war, ist aktuell gestoppt. Die Situation scheint mittlerweile genauso festgefahren wie zuvor, sodass man sich mit Short Positionen wieder zurückhält und eher gegen eine Eskalation militärisch oder mit Sekundärsanktionen der USA absichert.

Eine gewisse geopolitische Risikoprämie wird langsam wieder in den Markt eingepreist, stellt auch das Analystenhaus Ritterbusch and Associates fest. Sollte es tatsächlich zu einer Ausweitung der Sanktionen gegen Russlands Handels-partner kommen, haben diese das Potenzial das globale Ölangebot zu reduzieren, was sich dann entsprechend bullish auf die Futures an ICE und NYMEX auswirkt.

Langfristig allerdings sieht Analyst Alex Hodes, von StoneX, eher einen bearishen Markt und verweist dabei auf die prog-nostizierte Überversorgung von IEA und IEA in 2026. Beide Institute gehen nach den Produktionssteigerungen der OPEC+ von einem Überangebot im kommenden Jahr aus. „Mit den erwarteten signifikaten Bestandsaufbauten vom nächsten Quartal an, bleibt der fundamentale Ausblick für den Markt klar bearish, so auch die Einschätzung von Warren Patterson, von der ING.

Dennoch gibt es kurzfristig stützende Faktoren, insbesondere da der Markt momentan stark auf neue Meldungen zum Krieg zwischen Russland und Ukraine reagiert. Ein reaktiver und volatiler Markt ist typisch für eine Situation mit grosser Unsicherheit, die nicht nur bei den Friedensverhandlungen sondern eben auch bei Handelsabkommen mit China und Indi-en vorherrscht.

Kommentare von Powell aus Jackson Hole zu einer möglichen Zinssenkungen der Fed stehen heute wohl auch im Fokus, da eine Reduzierung der Zinssätze die Ölpreise stützt. Kurzfristig bleiben wir mit den aktuellen Entwicklungen bei unserer leicht bullishen Markteinschätzung, auch wenn die langfristige Konstellation eher bearish zu sehen ist. Bei den Inlands-preisen deuten sich heute Morgen unterdessen deutliche Preissteigerungen an, da die Öl Futures ihre gestrigen Kursge-winne bisher konservieren können und der Euro etwas schwächer bleibt.

Treibstoffknappheit in Russland – Ukraine trifft erneut Raffinerie

21. Aug. 2025

Erneut ist es der Ukraine in der Nacht gelungen eine russische Raffinerie zu beschädigen. Diesmal war es die Anlage in Novoshakhtinsk im Oblast Rostov, der direkt an die Ukraine grenzt. Mindestens fünf Explosionen soll es gegeben haben, die anschließend zu Bränden in der Anlage geführt haben.

Damit setzt die Ukraine ihren Druck auf die russische Ölindustrie fort und trifft dabei die Haupteinnahmequelle Moskaus. Mindestens sieben Raffinerien, darunter die Anlagen in d Saratov, Ryzan, Samara und Volgograd, sollen in den vergangenen drei Wochen Ziel der ukrainischen Angriffe gewesen sein. Die Schäden zeigen scheinbar auch Wirkung, denn von den russischen Raffineriekapazitäten sollen mittlerweile 13% außer Betrieb sein.

Die US-Ölbestände stützend die Notierungen derzeit, da die Daten des DOE gestern mehrheitlich bullish ausfielen. Insbesondere die Nachfrage zeigt sich robust, wobei der 4-Wochendurchschnitt bei Kerosin auf den höchsten Stand seit 2019 in der Zeit vor Corona gestiegen ist.

Mit einem besonders langanhaltenden Effekt aber wohl nicht zu rechnen, dafür ist der Fokus viel zu stark auf den Konflikt zwischen Ukraine und Russland gerichtet. Die anhaltenden Attacken auf die russische Öl-Infrastruktur hat einen negativen Effekt auf dessen Exportfähigkeiten, was das Angebot am Weltmarkt reduziert und die Preise somit stützt.

Entscheidender sind aber wohl die Verhandlungen zu einem Frieden. Gelingt der Durchbruch werden nicht nur die Attacken der Ukraine aufhören, auch dürften die Sanktionen gegen Moskau zurückgefahren werden, was das Ölangebot steigert. Die jüngsten Äußerungen deuten aber eher darauf hin, dass Friedensvertrag oder zumindest ein Waffenstillstand nicht unmittelbar bevorsteht. Dann droht die Verschärfung von Sanktionen, was die Ölpreise entsprechend stützt.

Russland bleibt daher entscheidender Faktor für die Ölpreise. Abgesehen davon aber scheint der Markt nach der Sommersaison zunehmend bearishes Potenzial zu besitzen. Die neuen US-Zölle – wenn auch nicht so umfangreich wie zunächst angedroht – dämpfen das Wirtschaftswachstum und damit die Ölnachfrage. Zeitgleich wird die OPEC+ im September ihre Förderung weiter erhöhen, während die Nachfrage saisonal bedingt etwas abnehmen wird.

„Die bearishe Stimmung am Markt bleibt bestehen, während die Trader die Verhandlungen zu Russlands Krieg gegen die Ukraine weiter beobachten“, so die Zusammenfassung der momentanen Situation von Analyst Daniel Hynes.

Trump stellt Deal mit Putin in Frage

20. Aug. 2025

Nach den Gipfeltreffen in Alaska und Washington scheint klar zu sein, dass es zumindest vorerst keine weiteren US-Sanktionen gegen Russland geben wird – zumindest solange die Verhandlungen über einen Frieden laufen. Wie erfolgversprechend diese sind, darf aber in Frage gestellt werden.

Die Positionen zwischen der Ukraine und Russland liegen bekanntlich weit auseinander und als nächstes strebt Trump ein Treffen zusammen mit Putin und Selenskiy an. Aus Moskau wird dies bislang abgelehnt, sodass direkte Verhandlungen der Kriegsparteien zwar auf einer höheren Ebene, nicht aber auf höchster Ebene geführt werden können.

Als möglichen Austragungsort für direkte Gespräche hatte Trump Ungarn genannt, aber auch Genf ist laut Experten eine mögliche Alternative. „Wir werden in den kommenden Wochen mehr über Präsident Putin herausfinden. Es ist möglich, dass er keinen Deal machen möchte“, so Trumps Fazit in der Nacht nach den Gesprächen.

Der Markt befindet sich in einem typischen Sommerloch, das mehr oder weniger von Trumps Bemühungen um einen Frieden in der Ukraine dominiert wird. Auch wenn in den letzten Tagen viel geredet wurde, so gab es wenig Konkretes.

Mögliche Engagements für Friedenstruppen im Falle eines Deals sind Schall und Rauch, solange es keinen Waffenstillstand gibt. Selbst Trump zweifelt momentan einen schnellen Durchbruch an, hat er doch auch erhebliche Zweifel, ob Putin überhaupt einen Deal machen möchte.

„Wir bekommen zwar keinen Frieden in der Ukraine, aber die aktuellen Entwicklungen geben zumindest etwas Hoffnung. Ein Frieden in der Ukraine verschont viele Leben, kann aber auch die Rohstoffpreise im globalen Handel senken. Das Rohölangebot könnte steigen […] was die globalen Preise beeinflussen würde,“ so Analyst Arlan Suderman von StoneX.

Trader halten sich daher zurück, so lange nicht klar ist, ob ein Friedensvertrag und Sanktionserleichterungen für Moskau realistisch sind, oder ob es doch eher zu neuen Strafmaßnahmen kommt. Je weiter man in die Zukunft blickt, desto bearisher wird der Ausblick bei unveränderten Marktbedingungen.

Die OPEC bringt im September noch einmal mehr Öl auf den Markt, während die US-Zölle den internationalen Handel einen Dämpfer verpassen – wenngleich nicht in dem Ausmaß, den man anfangs befürchten musste. Laut Vivek Dhar, von der Commonwealth Bank of Australia, dürfte Brent im letzten Quartal diesen Jahres daher auf etwa 63 Dollar fallen, von aktuell 66 Dollar.

Die US-Ölbestandsdaten des API haben keinen nachhaltigen Einfluss auf die Preisbildung. Sollte die BP Raffinerie in Whiting, Indiana, tatsächlich ausfallen, wäre dies etwas, das sich im Laufe des Tages als bullisher Faktor herausstellen kann.

Persönliches Treffen zwischen Selenskyj und Putin

19. Aug. 2025

Noch im Februar hatte der Besuch des ukrainischen Präsidenten im Weißen Haus einen Eklat ausgelöst. Diesmal war die Stimmung dagegen nahezu freundschaftlich. Donald Trump gefiel sich in der Rolle des Friedensstifters und Selenskyj blieb zurückhaltend, aber freundlich. Der nächste Schritt: Ein direktes Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten und dem Kreml-Chef.

Dieses wolle Donald Trump nach eigenen Angaben nun vorbereiten. So schrieb er zumindest auf seiner Plattform Truth Social, wo er das Gipfeltreffen lobte und als „sehr gut“ bezeichnete. Er habe im Anschluss mit Wladimir Putin telefoniert und zunächst ein direktes Treffen zwischen Putin und Selenskyj in die Wege geleitet. Danach solle es dann auch ein trilaterales Treffen unter Teilnahme des US-Präsidenten geben. Selenskyj hatte sich schon im Vorfeld offen für persönliche Gespräche gezeigt.

Auch der zweite Gipfel in Sachen Ukraine-Krieg ist vorüber gegangen, ohne konkrete Ergebnisse zu bringen. Zwar soll nun als nächster Schritt ein persönliches Treffen zwischen dem ukrainischen und dem russischen Präsidenten erfolgen, doch insgesamt bleibt die Unsicherheit am Markt hoch, so lange es keine echten Hinweise auf ein Ende der Kampfhandlungen gibt.

Dieses könnte den Weg für eine Ausweitung russischer Öllieferungen ebnen und damit auf die Ölbörsen eine bearishe Wirkung haben. Immerhin dürften in einem solchen Fall die zahlreichen Sanktionen gegen Russland zumindest gelockert werden. Gleichzeitig haben die USA mit ihren neuen Strafzöllen ein durchaus wirksames Mittel gegen Russland in der Hand, mit dem sie nicht nur Indien vom Kauf russischer Mengen abhalten können (18.08.2025 Indien als neuer Buhmann für die USA?), sondern theoretisch auch China.

So lange hier keine eindeutige Marschrichtung erkennbar bleibt, dürfte an den Ölbörsen die Zurückhaltung überwiegen. „Der Ölpreis könnte vorerst in einer Warteschleife verharren“, glaubt deshalb auch Vandana Hari von Vanda Insights in Singapur. Der Weg zu einer Lösung des Konflikts sei zwar erkennbar, könne sich jedoch lange hinziehen.

Auch bei TD Securities rechnet man mit Unsicherheit. Sollte es zu einer Deeskalation kommen und die Gefahr neuer Strafmaßnahmen sinken, könnte der Ölpreis in Richtung 58 Dollar pro Barrel fallen, hieß es in einer Mitteilung von Rohstoffstratege Bart Melek. Sollten die USA hingegen den Druck auf Russland durch zusätzliche Sanktionen gegen Ölkunden erhöhen, sei ein Anstieg auf die jüngsten Höchststände denkbar.

Trotz der aktuell erhöhten Unsicherheiten am Ölmarkt bleibt die fundamentale Grundsituation weiterhin eher bearish. Auch wenn aktuell alle Augen auf die Ukraine-Verhandlungen gerichtet sind, hat sich an der erwarteten Überversorgung nichts geändert und auch die konjunkturellen Warnsignale aus China und den USA sind nicht über Nacht verschwunden.

In diesem Zusammenhang wirft auch die Ende der Woche startende jährliche Fed-Konferenz in Jackson Hole ihre Schatten voraus, verspricht man sich doch neue Hinweise in Sachen Zinssenkungen. Heute Abend warten die Anleger allerdings zunächst noch auf die aktuellen Ölbestandsdaten des API, bevor dann morgen Nachmittag wie üblich die offiziellen Zahlen des US-Energieministeriums DOE folgen.

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel – USA erwägen Sicherheitsgarantien für Ukraine

18. Aug. 2025

Das mit Spannung erwartete Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin am Freitag blieb bestenfalls eine Luftnummer. Obwohl von beiden Seiten als konstruktiv bezeichnet, brachten die Gespräche offenbar kaum greifbare Ergebnisse. Eine erhoffte Zustimmung Putins zu einem Waffenstillstand gab es nicht, aber auch keine weiteren Sanktionen.

Ein positiver Aspekt: Nach dem Treffen erklärte Trump gegenüber europäischen Staats- und Regierungschefs, die USA könnten sich an möglichen Sicherheitsgarantien beteiligen und Putin sei bereit, dies zu akzeptieren. Unklar bleibt jedoch, um welche Art von Garantien es sich konkret handelt und welche Zugeständnisse der Kreml tatsächlich akzeptieren würde. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff sprach von einem „Artikel-5-ähnlichen“ Versprechen und spielte damit auf die NATO-Klausel an, die einen Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle Mitgliedsstaaten wertet. Aus dem Kreml gab es dazu noch kein Statement.

So groß die Spannung im Vorfeld war, so schnell war am Freitagabend auch wieder die Luft raus. Der Alaska-Gipfel endete ohne klare Ergebnisse. Weder gab es einen Waffenstillstand, noch wurden weitere Sanktionen gegen Russland oder seine Partner verhängt. Entsprechend gering fällt heute die Reaktion an den Börsen aus.

Donald Trump selbst gab noch am Freitag an, dass er aktuell keinen Anlass für weitere Sekundärzölle sehe, dass sich dies allerdings „in zwei oder drei Wochen“ schon wieder ändern könne. Dennoch nahmen die Sorgen vor einer Unterbrechung russischer Öllieferungen erst einmal ab.

„Im Mittelpunkt standen die möglichen Sekundärzölle gegen die wichtigsten Importeure russischer Energie. Präsident Trump hat jedoch signalisiert, dass er vorerst keine weiteren Schritte – zumindest gegen China – einleiten wird“, kommentiert Helima Croft von RBC Capital. „Damit bleibt der Status quo vorerst weitgehend bestehen“. Croft verweist jedoch auch darauf, dass Moskau nicht von seinen Gebietsansprüchen abrücken dürfte, während die Ukraine und mehrere europäische Staats- und Regierungschefs einen „Land-gegen-Frieden“-Deal ablehnen.

Am Ölmarkt richtet sich damit heute die Aufmerksamkeit verstärkt auf das nächste Gipfeltreffen, diesmal zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Letzterer steht unter Druck aus Washington, einem Friedensabkommen mit Russland zuzustimmen, das Gebietsabtretungen vorsieht. Mehrere europäische Spitzenpolitiker wollen an dem Treffen teilnehmen, um Solidarität mit Kiew zu demonstrieren, darunter auch EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Friedrich Merz.

„Allein die Tatsache, dass weitere Gespräche stattfinden, ist positiv“, glaubt Robert Rennie, Leiter für Rohstoff- und Kohlenstoffforschung bei Westpac Banking. Dass China von Zöllen auf russisches Öl verschont bleibe, habe zudem wohl einen dämpfenden Effekt auf die Preise gehabt, so der Experte. Dennoch scheint man am Markt auch wieder die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es keine Einigung geben wird und die USA über Kurz oder Lang doch wieder verschärfte Strafmaßnahmen einleiten werden. Bisher bleibt Indien das einzige Land, dass konkret von Sekundärzöllen als Strafe für russische Ölimporte betroffen ist.

Insgesamt bleibt die Unsicherheit am Ölmarkt weiterhin hoch, so lange es keine konkreten Ergebnisse im Friedensprozess gibt. Entsprechend fokussiert sich der Markt heute auf das Treffen zwischen Trump und Selenskyj. So wie schon in den Tagen zuvor, treten andere Marktfaktoren, wie etwa die Fed-Zinspolitik oder die erwartete Angebotsschwemme in den Hintergrund. Dennoch ist vor allem letztere der unterschwellig wohl wichtigste fundamentale Marktfaktor.

Alaska-Gipfel wegweisend für weitere Sanktionen

15. Aug. 2025

Heute ist es soweit: die Präsidenten der USA und Russland treffen in Anchorage, Alaska, erstmals seit Beginn des Krieges zwischen Russland und Ukraine aufeinander. Die Erwartungen sind ebenso wie die Unsicherheiten extrem hoch, denn Trump hatte im Vorfeld angekündigt einen Waffenstillstand einleiten zu wollen.

Innerhalb kürzester Zeit könne er sagen, ob ein Durchbruch gelingen wird, während er die Wahrscheinlichkeit, dass das Treffen nicht erfolgreich verläuft, zuletzt auf 25% taxierte. Das Ergebnis des Treffens kann für die Preisentwicklung an den globalen Ölbörsen wegweisend sein, denn Trump hatte im Vorfeld angekündigt, dass man im Falle eines Waffenstillstan des die Sanktionen gegen Moskau lockern würde. Ölexporte aus Russland werden dann wieder einfacher und das Ange-bot am Weltmarkt steigt.

Der Fokus der Marktteilnehmer ist heute relativ klar identifiziert: der Alaska-Gipfel! Was immer bei dem Meeting zwischen Trump und Puntin als Ergebnis steht, wird die Ölpreise in den kommenden Tagen nachhaltig beeinflussen.

Vermutlich werden sich die Trader daher vorab zurückhalten, sodass heute ein eher ruhiger Handel zu erwarten ist. Der gestrige Preisanstieg dürfte diesem Effekt ebenfalls geschuldet sein, da Trader vor einem solchen Schlüsselevent Gewinne aus ihren Positionen mitnehmen. Und da es in den vorherigen Tagen mehrheitlich nach unten ging, stützten technische Short Coverings die Preise.

Vor dem Wochenende wird daher wohl kaum jemand bereit sein größere Risikopositionen aufzubauen, wenn es nicht einen erheblichen, fundamentalen Trigger dafür gibt. Dabei hängt auch viel von Trumps Bauchentscheidung ab, die dessen Handeln allzu oft beeinflusst. Bezeichnet der US Präsident das Treffen als Erfolg, dürften die Preise tendenziell sinken, da die Sanktionen gegen Russland vorerst nicht verschärft werden.

Endet die Gespräche im Zwist, so ist zumindest vorübergehend mit steigenden Ölpreisen zu rechnen, da Trump im Vorfeld harsche Konsequenzen in Form von Sekundärzöllen für Moskau ankündigte. Dieser Effekt sollte aber nur temporär sein, denn innenpolitisch wären steigende Ölpreise schlecht für Trumps Versprechen von günstigen Preisen an den Zapfsäulen. Experten rechnen daher nicht, dass der US-Präsident seine schlimmsten Drohungen von 100% Zöllen für China und Indien (sofort) umsetzt.

Fundamental bleiben wir bis zum Ergebnis des Alaska Gipfels somit erst einmal bei unserer neuralen Markteinschätzung und gehen von einer spürbaren Zurückhaltung im heutigen Handel aus. Bei den Inlandspreisen deuten sich aktuell für Heizöl und Diesel unterdessen keine wesentlichen Preisveränderungen zu gestern Vormittag an.

Trump droht Russland noch einmal mit "ernsthaften Konsequenzen"

14. Aug. 2025

Kurz bevor US-Präsident Donald Trump am morgigen Freitag in Alaska den russischen Präsidenten Wladimir Putin trifft, drohte er noch einmal mit "ernsthaften Konsequenzen" für Russland, sollte das Treffen zu einem möglichen Waffenstillstand in der Ukraine nicht in die richtige Richtung gehen. Die Drohung folgte auf eine Videokonferenz mit einigen Regierungschefs der EU, NATO-Generalsekretär Mark Rutte und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Mittwochnachmittag (13.08.2025 Selenskyj will heute noch mit Trump telefonieren).

Bei dem Gespräch gab Trump an, er hoffe, dass es nach dem morgigen Treffen mit Putin schon bald ein zweites Treffen geben werde, "das produktiver sein wird". Bei diesem soll dann auch Selenskyj dabei sein. Sollte Putin beim morgigen Treffen allerdings keine Anzeichen machen, dass sich Russland um einen Waffenstillstand in der Ukraine bemüht, sei er auch bereit, den Verhandlungstisch wieder zu verlassen, so Trump. Gegenüber Journalisten sagte der US-Präsident kurz nach der Videokonferenz, "(…) wenn ich der Meinung bin, dass es nicht angebracht ist, weil ich nicht die Antworten bekommen habe, die wir brauchen, dann wird es kein zweites Treffen geben".

Die Rohölpreise an ICE und NYMEX fielen gestern zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juni. Dabei testete der Nordsee-Rohölkontrakt Brent sogar wieder die psychologisch wichtige Preismarke von 65 Dollar pro Barrel.

Der erneute Preisrückgang hing vor allem mit der Erwartung zusammen, dass der Ölmarkt in diesem und im kommenden Jahr ein starkes Überangebot aufweisen dürfte. Diese Erwartung wurde durch die Monatsberichte von EIA und IEA noch untermauert. Besonders der von der IEA für 2026 prognostizierte Angebotsüberschuss in Höhe von +3,0 Mio. B/T sorgte noch einmal für einen bearishen Impuls.

Dabei waren diesmal gar nicht so sehr die Nachfrageprognosen das Thema, sondern vielmehr die höheren Angebotsprognosen, die EIA und IEA in ihren August-Monatsberichten für das kommende Jahr abgaben. Angesichts der Rückführung des ersten Teils (2,2 Mio. B/T) der freiwilligen Zusatzkürzungen von acht OPEC+-Ländern, die bis zum Ende des dritten Quartals 2025 abgeschlossen sein dürfte, war mit einer Aufwärtskorrektur der Angebotsprognosen für 2026 zu rechnen. Ein Überangebot von +3,0 Mio. B/T - wie es die IEA in Aussicht stellt - ist dann allerdings doch eine Hausnummer, die die Marktteilnehmer gestern beeindrucken konnte.

Der Anstieg der landesweiten Rohölvorräte in den USA, den das DOE am Mittwochnachmittag für die vergangene Woche meldete, sorgte dann noch für zusätzlichen Verkaufsdruck. Dieser wurde allerdings bereits im Verlauf des Abends wieder größtenteils ausgepreist, weil man sich vor dem wohl wichtigsten Ereignis dieser Woche - dem morgigen Treffen zwischen US-Präsident Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin - dann doch nicht noch weiter aus dem Fenster lehnen wollte, was die weitere Preisentwicklung angeht.

Noch immer fragt man sich am Markt, ob Russland wirklich bereit ist, für einen möglichen Waffenstillstand mit der Ukraine Kompromisse einzugehen, und wenn nicht, ob es zu weiteren US-Sanktionen kommen wird. Vor allem, wenn es zu Sekundärsanktionen in Form von US-Zöllen auf Importe aus China kommt, könnte dies die Marktdynamik maßgeblich beeinflussen. Damit gedroht hatte Trump zuletzt, als er Indien für den fortwährenden Bezug von russischem Rohöl mit Zusatzzöllen in Höhe von 25 % abstrafte. Diese sollen Ende August in Kraft treten.

Sollte das morgige Präsidententreffen allerdings tatsächlich Fortschritte im Hinblick auf einen Waffenstillstand mit sich bringen, so dürfte dies die Preise noch einmal belasten. Die Frage wird dann sein, ob ein Waffenstillstand bei weiteren Treffen - dann auch mit dem ukrainischen Präsidenten - auch wirklich unter Dach und Fach gebracht werden kann.

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