NEWS ÜBERSICHT
Saudi Arabien erhöht Preise für März Exporte nach Asien für sehr leichtes Rohöl
6. Feb. 2026
Das staatliche Ölunternehmen Saudi Aramco gab am Donnerstagabend die Verkaufspreise (Original Selling Prices, kurz: OSP) für seine im März geplanten Rohölexporte bekannt. Dabei nahm der Konzern bei den Preisen für Exporte nach Europa und in die USA über alle Rohölsorten hinweg Preissenkungen vor. Anders verfuhr Saudi Aramco jedoch bei den Preisen für die geplanten Ausfuhren nach Asien.
Hier senkte der Ölriese die Preise für die Sorten Saudi Arabian Medium und Heavy Crude, sowie für seine international wohl beliebteste Rohölsorte Saudi Arabian Light Crude. Allerdings hatte man in Handelskreisen zuvor teilweise eine stärkeren Preisreduktion erwartet. Bei Saudi Arabian Light Crude hatte man sogar bereits damit gerechnet, dass die Rohölsorte erstmals seit Langem wieder mit einem Abschlag zur Benchmark Oman/Dubai Crude angeboten werden könnte, unter anderem, weil zuletzt wieder höhere Angebotsmengen aus Venezuela auf den Markt kamen und man sich fragte, ob die Ölnachfrage in Asien hoch genug ist, dass das saudische Öl mit den günstigeren Alternativen aus Venezuela oder dem Iran am asiatischen Markt mithalten kann.
Die Saudis scheinen sich zwar der Konkurrenz bewusst, mit der jüngsten Preissenkung um -0,30 Dollar pro Barrel Saudi Arabian Light bieten sie ihre beliebte Rohölsorte allerdings im März auch in Asien noch nicht mit einem Abschlag zur Benchmark an, sondern mit dem selben Preisniveau wie Oman/Dubai. Bei den Rohölsorten mit einer sehr geringen Viskosität wie Saudi Arabian Extra Light und Saudi Arabian Super Light Crude will man es auch im März sogar mit etwas höheren Preisen versuchen. Die Sorte Super Light wird auch ausschliesslich am asiatischen Markt angeboten, da sie den Anforderungen der dortigen Raffinerien besser entspricht als die schwereren Sorten.
Die Rohölpreise an ICE und NYMEX könnten heute erstmals seit Dezember auf Wochensicht wieder Verluste verzeichnen, auch wenn Brent und WTI heute Morgen zunächst von stabilen Widerständen abgeprallt sind. Ein Faktor der dies noch verhindern könnte, wären die Gespräche zwischen den USA und Iran, die für heute in der omanischen Hauptstadt Maskat anberaumt wurden.
Sollte es Anzeichen geben, dass die Gespräche schlecht verlaufen, könnte dies die Preise an den Ölbörsen kurz vor dem Wochenende noch einmal steigen lassen. Die Annäherung zwischen Washington und Teheran sind schliesslich auch der Hauptgrund dafür, dass Brent und WTI auf Wochensicht nachgeben könnten.
Die Ölmärkte bauen einen Teil der geopolitischen Risikoprämie ab und kehren zu den Fundamentaldaten zurück, die im Wesentlichen zeigen, dass ausreichende Vorräte vorhanden sind, erklärt Analystin Samantha Hartke von Vortexa die jüngste Entwicklung an den Ölbörsen und fügt hinu: Wenn die Verhandlungen scheitern, steigt die Risikoprämie wieder deutlich an.
Unterdessen soll es bei den trilateralen Gesprächen zwischen der Ukraine, Russland und den USA, die gestern und vorgestern in Abu Dhabi fortgesetzt wurden, in erster Linie eine Einigung über einen weiteren Gefangenenaustausch zwischen der Ukraine und Russland gegeben haben. Nach Angaben des US-Sondergesandten Steve Witkoff sollen bei den Verhandlungen zwar Fortschritte gemacht worden sein, mit Ergebnissen sei jedoch erst in den kommenden Wochen zu rechnen. Damit dürften auch die weitreichenden Sanktionen des Westens gegen den russischen Ölsektor erst einmal noch eine Weile gelten.
Was die Nachfrage anbelangt, bleibt abzuwarten wie sich die Ferienzeit anlässlich des Mond Neujahrs in China auf den Verbrauch in der Volksrepublik im Laufe des Monats auswirken wird. Für März hält die staatliche saudische Ölgesellschaft Aramco zumindest bei den sehr leichten Rohölsorten noch eine robuste Nachfrage am asiatischen Markt für wahrscheinlich, denn das Unternehmen erhöhte die Exportpreise für seine Rohölsorten Super und Extra Light mit Zielmarkt Asien für den kommenden Monat leicht.
Nächste Woche werden dann die drei wichtigsten Institutionen am Ölmarkt (EIA, IEA und OPEC) ihre aktuellen Monatsberichte veröffentlichen, in denen sie ihre eigene Einschätzung zu Lage und Entwicklung des weltweiten Ölmarkts darlegen. Vor dem Wochenende bleibt der Fokus allerdings erst einmal auf den USA und Iran.
An ICE und NYMEX testeten die Ölfutures heute Morgen zunächst ihr Abwärtspotenzial, bevor sie deutlich an Boden gewannen. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich bisher allerdings noch keine klare Richtung ab.
US/Iran noch uneins über Agenda für Verhandlungen im Oman
5. Feb. 2026
Die über die Nachrichtenplattform Axios verbreitete Meldung, dass die geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran abgesagt worden seien, hatte am Mittwochabend an den Ölbörsen noch für einen Preissprung gesorgt. Mit Verweis auf Informationen aus informierten Kreisen hieß es, der Grund dafür sei gewesen, dass sich die beiden Parteien nicht auf eine Agenda hätten einigen können. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi stellte jedoch mittels einer Nachricht auf seinem Profil beim Kurzmeldungsdienst X wenig später klar, dass die Gespräche stattfinden würden.
"Die Atomgespräche mit den Vereinigten Staaten sollen am Freitag gegen 10:00 Uhr in Maskat [der Hauptstadt des Oman] stattfinden. Ich bin unseren omanischen Brüdern dankbar, dass sie alle notwendigen Vorkehrungen getroffen haben", schrieb Araghtschi. Die Agenda für die Verhandlungen scheint allerdings tatsächlich noch nicht wirklich ausgearbeitet zu sein, denn US-Außenminister Marco Rubio betonte am gestrigen Mittwoch noch einmal, dass die Verhandlungen auch das Raketenprogramm Irans beinhalten müssten, sowie die Unterstützung Teherans für bewaffnete Milizen in der Region und - ganz am Rande - den Umgang des Regimes mit dem iranischen Volk.
Die Preise an den Ölbörsen reagieren weiterhin empfindlich auf geopolitische Schlagzeilen. Dies wurde erst gestern Abend wieder deutlich, als das Gerücht, die geplanten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran seien abgesagt worden, für einen Preissprung sorgte.
Wenngleich der Außenminister Irans das Gerücht bereits wenig später aus der Welt räumte, herrscht laut Warren Patterson von der ING Groep NV "weiterhin große Unsicherheit darüber, wie das Ganze ausgehen wird." Mukesh Sahdev, der Vorstandsvorsitzende von XAnalysts, einem Beratungsunternehmen für den Energiesektor, geht sogar noch etwas weiter und unkt: "Es ist wahrscheinlich, dass diese Gespräche neue Differenzen zutage fördern und die Risikoprämie bald wieder steigen wird."
Davon abgesehen trägt auch US-Präsident Donald Trump, der auf Fragen von Journalisten gerne mal mit mehr oder weniger vagen Drohungen gegenüber dem Iran antwortet, dazu bei, dass man am Markt die Risikoprämie für einen US-Militärschlag gegen die Islamische Republik nicht ganz auspreisen will. Schließlich könnte ein solcher Militärschlag Teheran dazu veranlassen, die Straße von Hormus und damit ein wichtiges Nadelöhr für den internationalen Ölhandel zu blockieren.
Unterdessen findet seit gestern in Abu Dhabi die zweite Runde an trilateralen Gesprächen zwi-schen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi statt. Am gestrigen Mittwoch hatte der Kreml bereits vor Beginn der Verhandlungen mitgeteilt, dass Moskau nach dem ersten Tag der zweiten Verhandlungsrunde nichts mitteilen werde. "Es ist nicht nötig, auf irgendwelche Stel-lungnahmen zu warten. Wir planen nicht, welche abzugeben", antwortete Kreml-Sprecher Dmitry Peskow laut einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS auf die Frage eines Journalis-ten, wann mit Stellungnahmen des Kremls zum Fortschritt der Gespräche zu rechnen sei.
Dass bereits heute eine Einigung über ein Friedensabkommen für die Ukraine verkündet wird, im Zuge dessen auch die Sanktionen des Westens gegen Russland gelockert werden könnten, ist unwahrscheinlich. Schließlich nahm Russland zuletzt wieder zahlreiche Ziele in der Ukraine ins Visier, während der ukrainische Präsident seinen US-Amtskollegen um mehr Waffen gebeten hat, um den Druck auf Moskau zu erhöhen.
Voraussichtlich eher kurzfristige Auswirkungen auf das US-Ölangebot hatte die jüngste Kältewelle und der Schneesturm Fern, die weite Teile der USA in den vergangenen beiden Wochen getroffen hatten. Den am Mittwoch vom DOE veröffentlichten Daten zufolge ließ der Wintereinbruch die US-Rohölproduktion in der letzten Januar-Woche mit 13,2 Mio. B/T auf den niedrigsten Stand sinken, der in den wöchentlichen Daten des US-Energieministeriums seit Mitte November 2024 verzeichnet worden war. Dass die Marktteilnehmer mit einer zügigen Erholung der Fördermengen rechnen, zeigt jedoch auch die schwache Reaktion der Ölbörsen auf den gestrigen DOE-Wochenbericht.
Heute Nachmittag wird neben den geopolitischen Risiken auch der Zinsentscheid der EZB beziehungsweise die Pressekonferenz zur aktuellen EZB-Ratssitzung im Fokus stehen. Während man am Markt davon ausgeht, dass die Notenbankerinnen und Notenbanker der EZB die Zinsen bei der aktuellen Sitzung nicht anrühren, ist man gespannt, was EZB-Ratspräsidentin zur starken Aufwertung sagt, die der Euro zuletzt gegenüber dem Dollar erfahren hat.
US-Kampfflugzeug schießt Drohne über Arabischem Meer ab
4. Feb. 2026
Da hatten die Marktteilnehmer die geopolitische Risikoprämie im Hinblick auf die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zum Wochenbeginn gerade erst wieder ausgepreist, schon sorgten Meldungen aus dem Nahen Osten wieder für Befürchtungen, das Risiko eines US-Militärangriffs gegen den Iran könnte doch noch nicht vom Tisch sein.
So hieß es seitens des US Zentralkommandos, ein US-Kampfflugzeug des Typs F-35C habe über dem Arabischen Meer eine Drohne abgeschossen, die sich dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln "auf aggressive Weise genähert" habe. Der Flugzeugträger gehört zur "Armada", die Trump im Zuge der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran in die Nähe des Landes geschickt hatte, um Teheran daran zu erinnern, dass ein US-Militärschlag immer noch möglich wäre, sollte das Mullah-Regime entgegen den Versprechungen doch Hinrichtungen von verhafteten Demonstranten vornehmen. Allerdings hatte sich die USS Abraham Lincoln im Zuge der Annäherung zwischen den USA und Iran Berichten zufolge zuletzt vom Iran in Richtung Jemen wegbewegt.
Die Ölfutures an ICE und NYMEX machten einen Teil des Preisrutsches, den sie zum Wochenbeginn verbucht hatten, am gestrigen Dienstag wieder wett. Dabei erhielten sie Rückenwind durch den Handelsdeal zwischen den USA und Indien, vor allem aber durch die Sorge, dass die jüngste Entspannung zwischen Washington und Teheran nur ein kurzes Intermezzo gewesen sein könnte.
Nachrichten aus dem Nahen Osten hatten diese Sorge gestern wieder aufkommen lassen. "Die Drohnen- und Tankergefechte verdeutlichen dem Markt, wie volatil die Lage ist und wie schnell die Dinge selbst unbeabsichtigt außer Kontrolle geraten könnten", kommentiert Analyst Saul Kavonic von MST Marquee die jüngsten Meldungen zum Thema. Kavonic schätzt die geopolitische Risikoprämie, die die Marktteilnehmer "in Erwartung möglicher US-Angriffe auf den Iran" auf 5 bis 10 Dollar pro Barrel.
Wie schnell dieser Risikoaufschlag wieder ausgepreist wird, wird nicht zuletzt auch davon abhängen, wie zügig die angekündigten Verhandlungen zwischen den USA und Iran stichhaltige Fortschritte aufweisen. Stattfinden sollen sie auf jeden Fall, daran scheinen auch die gestern gemeldeten Zwischenfälle in der Straße von Hormus und im Arabischen Meer nichts geändert zu haben. Sollten sich Washington und Teheran einig werden, könnten die umfangreichen Sanktionen gegen den Iran deutlich gelockert werden und das iranische Ölangebot steigen.
Heute und morgen werden die Marktteilnehmer außerdem gespannt auf die Fortsetzung der trilateralen Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi blicken. Auch hier könnten maßgebliche Fortschritte bearishe Auswirkungen auf die Ölpreise haben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits Anfang der Woche angekündigt, Kiew sei "bereit für substanzielle Gespräche". Ob dies bedeutet, dass die Ukraine auch bereit ist, Territorium an Russland abzugeben, ging aus den Angaben Selenskyjs jedoch nicht hervor.
Eine Einigung über ein Friedensabkommen hätte voraussichtlich die Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Russland zur Folge, wodurch das Angebot am Weltmarkt ebenfalls zunehmen würde. Die jüngste Vereinbarung zwischen den USA und Indien über eine Senkung der US-Strafzölle auf Importwaren aus Indien auf 18 %, für die Indien jedoch auf Rohöl aus Russland verzichten soll, könnte Moskau diese Woche neue Anreize gegeben haben, sich bei den Ukraine-Friedensverhandlungen offener für Kompromisse zu zeigen.
Die OPEC+ will unterdessen zumindest noch bis einschließlich März - wie Ende 2025 bereits angekündigt - keine Produktionssteigerungen vornehmen, wobei es um die Rückführung der Zusatzkürzungen geht, die acht der OPEC+-Produzenten seit Anfang 2024 auf freiwilliger Basis durchgeführt hatten. Ob und wenn ja, wie stark der Kälteeinbruch sowie Schneesturm Fern in der vergangenen Woche das US-Ölangebot beeinträcht haben, wird heute Nachmittag der offizielle Ölmarktbericht des US-Energieministeriums (DOE) zeigen. Dem API zufolge kam es bei den landesweiten Rohöl- und Destillatvorräten der USA in der Woche zum 30. Januar zu beträchtlichen Abbauten.
Neuer US-Handelsdeal – Kein russisches Öl mehr für Indien
3. Feb. 2026
Offenbar haben sich die Vereinigten Staaten und Indien auf ein Rahmenabkommen im Handel geeinigt, wie Donald Trump gestern nach einem Telefonat mit seinem indischen Amtskollegen Narendra Modi erklärte. Dieses sieht eine Senkung der US-Zölle auf indische Waren sowie eine Ausweitung der indischen Käufe von US-Öl und -Gas vor.
Nach Angaben Trumps sollen die Zölle auf 18 % gesenkt und ein zusätzlicher Strafzoll im Zusammenhang mit Indiens Käufen von russischem Öl aufgehoben werden. Im Gegenzug habe Modi zugesagt, die Importe russischen Rohöls deutlich zu reduzieren und stattdessen verstärkt auf Lieferungen aus den USA zu setzen. Zudem habe Indien weitergehende Verpflichtungen übernommen, amerikanische Energie, Technologie und Agrarprodukte zu kaufen. Eine offizielle Bestätigung aus Indien gibt es bisher allerdings noch nicht.
Die Ölpreise sind am Dienstag den zweiten Tag in Folge gesunken. Hintergrund sind Hoffnungen auf eine mögliche Entspannung zwischen den USA und dem Iran sowie ein festerer Dollar, der zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Notierungen ausübte. Auch ein angeblicher neuer US-Handelsdeal mit Indien beschäftigt heute die Anleger.
Nachdem sowohl Washington, als auch Teheran am Wochenende Gesprächsbereitschaft signalisiert hatten, sollen nun noch in dieser Woche die Atomgespräche wieder aufgenommen werden. Am Freitag soll es in der Türkei das ersten Treffen geben. US-Präsident Trump erinnerte gleichzeitig aber auch an die „Armada“ von Kriegsschiffen, die er in die Region beordert habe, und warnte, dass „schlimmen Dinge passieren“ könnten, sollten keine Fortschritte erzielt werden.
Als großen Fortschritt dürfte Trump die von ihm gestern verkündete Einigung mit Indien zu einem Rahmenabkommen in Handelsfragen einschätzen. Er habe sich, so Trump, mit Indiens Premier Narendra Modi darauf verständigt, die Strafzölle auf 18% zu senken, während Neu-Delhi sich verpflichtet habe, kein russisches Öl mehr zu importieren. Aus Indien gibt es noch keine offizielle Bestätigung.
Die Lieferungen russischen Rohöls nach Indien sind zuletzt auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren gefallen, was zu einem wachsenden Angebot unverkaufter, sanktionierter Mengen auf dem Weltmarkt beiträgt. Analysten der ING erklärten, eine entsprechende Einigung zwischen den USA und Indien würde das Volumen russischen Öls, das auf See nach Abnehmern sucht, noch weiter erhöhen.
Insgesamt dürfte die Volatilität am Ölmarkt angesichts der hohen Unsicherheiten, die sowohl den Entwicklungen im Iran, als auch dem Handelsdeal mit Indien anhaften, recht hoch ausfallen. Dieser Meinung ist auch Priyanka Sachdeva, Senior-Marktanalystin bei Phillip Nova: „Die Preise dürften im Februar volatil bleiben und sich in einer Seitwärtsbewegung bewegen, stark beeinflusst von Nachrichten und makroökonomischen Impulsen, mit einem insgesamt nach unten gerichteten Risiko.“
Die jüngsten starken Preisschwankungen seien vor allem stimmungsgetrieben, meint die Analystin. Nach der Rally in der vergangenen Woche hätten die Märkte die Gewinne rasch wieder abgegeben, da auch andere Risikoanlagen volatil geworden seien. Ohne neue geopolitische Eskalationen und bei weiterhin gemischten Konjunkturdaten habe sich der Ölmarkt nicht auf höherem Niveau behaupten können.
Bearishe Auswirkungen für die Ölbörsen kommen auch heute noch von einem wieder etwas stärkeren Dollar, senkt dieser doch die Nachfrage nach in Dollar gehandeltem Rohöl aus dem Ausland. Aus fundamentaler Sicht bleibt die Einschätzung damit heute eher bearish, obwohl das mögliche Aus der indischen Importe aus Russland einen bullishen Impuls geben könnte. Bisher gibt es dazu aber noch keine Bestätigung aus Indien.
Iran und USA signalisieren Redebereitschaft
2. Feb. 2026
Im Konflikt zwischen Washington und Teheran gibt es nun erste Anzeichen einer Deeskalation. Laut US-Präsident Donald Trump gebe es „ernsthafte Gespräche“ mit dem Iran. Und auch der iranische Präsident sprach sich für Diplomatie aus. Die Ölfutures starten mit diesen Meldungen vom Wochenende mit einem deutlichen Preisrutsch in die neue Woche.
Nach Wochen der Eskalation und gegenseitigem Säbelrasseln gibt es nun nach Angaben von beiden Seiten Verhandlungsbereitschaft. Donald Trump sagte dem Sender Fox News, Teheran „redet mit uns, wir werden sehen, ob wir etwas tun können, andernfalls werden wir sehen, was passiert“. Irans Präsident Massud Peseschkian betonte in einem Telefonat mit dem ägyptischen Präsidenten die Notwendigkeit, „diplomatische Prozesse einzuleiten“.
Mit den jüngsten Anzeichen einer Entspannung zwischen Iran und den USA geben die Ölpreise an ICE und NYMEX zum Start in die neue Woche spürbar nach. Zuletzt hatte die Angst vor einer militärischen Eskalation die Notierungen diesseits und jenseits des Atlantiks auf neue Mehrmonatshochs getrieben
Trump hatte dem Iran wiederholt mit einem Eingreifen gedroht, sollte Teheran keinem neuen Atomabkommen zustimmen oder die Tötung von Demonstranten fortsetzen. Diese anhaltenden Drohungen hätten die Ölpreise im Januar gestützt, kommentiert Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. „Zudem hat die jüngste Stärke des US-Dollars den Rückgang verstärkt, da ein festerer Dollar Rohöl für Käufer außerhalb der USA verteuert und damit die Nachfrage dämpft.“
Sowohl Washington, als auch Teheran hatten am Wochenende signalisiert, an den Verhandlungstisch kommen zu wollen. Zusammen mit Berichten, wonach die Seestreitkräfte der iranischen Revolutionsgarden derzeit keine scharfen Manöver in der Straße von Hormus planten, werteten Marktbeobachter dies als Zeichen einer Deeskalation.
„Der Ölmarkt interpretiert dies als ermutigenden Schritt weg von der Konfrontation“, meint Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG. Dadurch werde die geopolitische Risikoprämie, die während der jüngsten Rally in die Preise eingepreist worden sei, abgebaut, was Gewinnmitnahmen auslöse.
Über die jüngsten Ereignisse im Iran-Konflikt ist das OPEC+ Meeting vom Wochenende fast in Vergessenheit geraten. Es brachte allerdings auch keine neuen Überraschungen sondern bestätigte die Pause bei den Förderanhebungen auch für März. Wie es darüber hinaus weiter gehen soll, will die Gruppe erst bei ihrem nächsten Treffen am 1. März thematisieren.
Die OPEC+ folgt damit ihrem üblichen Credo der Flexibilität und hält sich alle Optionen offen, auf aktuelle Marktentwicklungen zu reagieren. Allerdings hatte die Gruppe schon im letzten Jahr signalisiert, dass sie den am Markt vorherrschenden Erwartungen eines starken Überangebots nicht in gleichem Maße folgt (14.01.2026 Ölfutures relativ unbeeindruckt von OPEC-Monatsbericht) und dürfte deshalb wohl zum April wieder mit der schrittweisen Erhöhung der Fördermengen starten.
Mit der Deeskalation im Iran-Konflikt ist die Risikoprämie wieder deutlich gesunken und die fundamentale Ausrichtung wandelt sich ins Bearishe – zumal auch die Kältewelle in den USA abklingt und erst einmal nicht mehr mit stärkeren Ausfällen gerechnet werden muss.
Iran warnt Schiffsverkehr vor Militärübung in Strasse von Hormus
30. Jan. 2026
Bereits Anfang der Woche hatte der Iran eine Warnung ausgegeben, dass der Luftraum nahe der Strasse von Hormus bis einschliesslich gestern drei Tage lang gesperrt sei, da man eine Militärübung mit echter Munition durchführen würde (28.01.2026 Iran warnt vor Übungen der Luftwaffe nahe Strasse von Hormus). Nun soll auch eine Warnung für den Schiffsverkehr herausgegangen sein, dass am Sonntag und Montag eine Übung der iranischen Seestreitkräfte in der Meerenge abgehalten werde (ebenfalls mit echter Munition). Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtete gestern unter Berufung auf zwei Pakistanische Sicherheitskräfte von der Warnung Irans.
US-Präsident Trump hatte schon Ende letzter Woche mit seiner Äusserung, die USA hätten eine Armada von Kriegsschiffen in Richtung Iran entsendet, die Sorgen bezüglich eines US-Militärschlags gegen die Islamische Republik wieder steigen lassen. Am Mittwoch nährte er diese Sorgen mit einem weiteren Kommentar auf seiner Kommunikationsplattform erneut, indem er Teheran ein nicht genau definiertes Ultimatum für dessen Rückkehr an den Verhandlungstisch stellte, wobei er die Verhandlungen über das Atomprogramm Irans meinte. Sollte es nicht bald dazu kommen, würden die USA einen stärkeren Angriff auf den Iran durchführen als im vergangenen Juli.
Die Spannungen zwischen den USA und Iran verhalfen den Rohölpreisen an ICE und NYMEX am gestrigen Donnerstag zu neuen Mehrmonatshochs und auch auf Wochensicht zeichnet sich derzeit der stärkste Preisanstieg seit Monaten ab. Auch die Kälte in weiten Teilen Europas und der USA stützte die Ölpreise in dieser Woche noch, wenngleich nicht mehr ganz so stark wie in der vergangenen Woche.
In puncto Iran rückte vor allem die Befürchtung in den Vordergrund, die Islamische Republik könnte die Straße von Hormus blockieren einem wichtigen Nadelöhr für den auf dem Seeweg abgewickelten internationalen Ölhandel. Mit den Warnungen vor Militärübungen nahe und in der Meerenge, die wiederum Drohungen Trumps und einer Bereitschaftsübung der US-Streitkräfte folgten, rasselt Teheran derzeit wieder mit einem sehr scharfen Säbel, der die Marktteilnehmer wieder dazu veranlasst, einen geopolitische Risikoaufschlag einzupreisen.
Bei der Citigroup geht man davon aus, dass dieser Aufschlag aktuell zwischen 7 und 10 Dollar pro Barrel liegt, wobei die Analysten der Bank auch damit rechnen, dass es im Verlauf des Jahres zu einer De-Eskalation der Spannungen zwischen Washington und Teheran kommen werde. Als Begründung für diese Erwartung führen sie Präsident Trumps Präferenz, Krieg zu vermeiden, und die Wahrscheinlichkeit, dass der anhaltende innenpolitische Druck im Iran Potenzial für Veränderungen bietet, die zu einem Abkommen führen könnten, an.
Aktuell ist jedoch von einer De Eskalation noch nichts zu spüren, da es aber auch noch nicht zu tatsächlichen Angebotsausfällen gekommen ist, geht man am Markt davon aus, dass die für Januar bis einschliesslich März angekündigte Pause der Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen von 8 OPEC+-Produzenten bei deren Treffen am Sonntag noch einmal bestätigt werden wird. Auch die Entwicklungen in Venezuela dürfte daran nichts ändern, wie einzelne OPEC+-Delegierte bereits vergangene Woche angedeutet hatten. Die US-Regierung gab gestern auch noch eine generelle Lizenz an US Ölunternehmen heraus, die zahlreiche Aktivitäten umfasst, welche sowohl den Export und Verkauf venezolanischen Rohöls, aber auch dessen Lagerung und Raffinierung beschleunigen soll. Für den Bereich Produktion gilt diese Lizenz jedoch nicht.
Trump droht Iran erneut mit einem Militärschlag
29. Jan. 2026
US-Präsident Donald Trump hat seine Iran-Rhetorik erneut verschärft und die Drohung, dass eine „massive Armada“ auf dem Weg in die Region sei, wiederholt. Auf seiner Onlineplattform Truth Social forderte er das iranische Regime dazu auf, das Atomprogramm aufzugeben und einen Deal abzuschließen. Auch seine Angriffsdrohungen gegen Teheran wiederholte er im gleichen Post.
Der Iran wies die Drohungen und Forderungen zurück. Irans Atomchef Mohammad Eslami sagte, der Iran habe wie die USA das Recht, eine fortgeschrittene Nukleartechnologie zu nutzen. „Wir lehnen daher die amerikanischen Forderungen nach jeglichen Beschränkungen unseres Atomprogramms ab.“ Zuvor hatte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi gesagt, dass Diplomatie und gleichzeitig militärische Drohungen weder effektiv noch nützlich seien.
Die Ölfutures an ICE und NYMEX legen zum dritten Mal in Folge deutlich zu, nachdem US-Präsident Donald Trump dem Iran erneut mit einem Militärschlag gedroht hat, sollte Teheran kein Atomabkommen abschließen. Damit wurden am Ölmarkt erneut Sorgen über mögliche Unruhen und Lieferunterbrechungen im Nahen Osten geschürt, die die Preise zusätzlich zu den bestehenden bullishen Faktoren wie dem Kaltwetter in den USA stützen.
Trumps jüngste Drohungen haben die geopolitische Risikoprämie wieder deutlich angeheizt und überlagern damit erneut den langfristig bearishen Druck durch das prognostizierte Überangebot. Der Iran ist trotz zahlreicher Sanktionen mit einer Produktion von rund 3,2 Mio. B/T immer noch der viertgrößte Produzent innerhalb der OPEC.
Ein US-Angriff könnte, so die Befürchtung der Anleger, nicht nur die Rohöllieferungen aus dem Iran, sondern dem gesamten Nahen Osten beeinträchtigen. Aus der Region stammt etwa ein Drittel des weltweiten Ölangebots. Zudem könnte eine iranische Vergeltung auch den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigen. Diese wichtige Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel ist entscheidend für den globalen Ölhandel, werden doch täglich über 20 Mio. B/T durch die Wasserstraße transportiert, also etwa ein Fünftel des weltweiten täglichen Ölbedarfs.
Bei der Citi Bank geht man davon aus, dass die zunehmende Gefahr eines Angriffs auf den Iran die geopolitische Risikoprämie beim Ölpreis um schätzungsweise drei bis vier Dollar je Barrel erhöht habe. Eine weitere Zuspitzung der Lage könnte diesen Aufschlag noch weiter steigen lassen. Das optimistische Preisszenario der Bank von 72 Dollar je Barrel sowie ihre kurzfristigen Prognosen von 70 Dollar beruhten laut der Analysten auf einer solchen Entwicklung.
Unterdessen hat die US-Notenbank Federal Reserve am Mittwoch ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen, gestützt auf Anzeichen einer robusten US-Wirtschaft. Am Ölmarkt verfolgt man die Fed-Zinspolitik mit gesteigertem Interessen, lässt sie doch Rückschlüsse auf die konjunkturelle Stabilität in den USA zu und beeinflusst darüber hinaus oft auch den Verlauf des Dollar. Dieser konnte sich gestern zumindest etwas erholen.
Dennoch überwiegen laut Priyanka Sachdeva, Senior-Marktanalystin beim Broker Phillip Nova, die bullishen Faktoren: „Trotz der unveränderten Zinspolitik der Fed und einer leichten Erholung des US-Dollar-Index zeigten sich die Ölpreise robust, da die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran weiterhin das Narrativ steigender Angebotsrisiken stützten“. Zudem, so die Expertin, hätten wetterbedingte Produktionsausfälle in Teilen der USA sowie ein überraschender Rückgang der US-Rohöllagerbestände die Preise gestützt und vorübergehend die Sorgen über ein Überangebot gemildert.
US-Rohölvorräte laut API überraschend gesunken
28. Jan. 2026
Die landesweiten Rohölbestände der USA sind dem API zufolge in der Woche zum 23. Januar leicht gesunken. Die Analysten rechnen dagegen im Schnitt mit Bestandsaufbauten in dieser Kategorie. Laut API nahmen auch die Benzinbestände in der vergangenen Woche leicht ab, was dem von den Analysten erwarteten Anstieg ebenfalls widerspricht. Derweil sollen die Vorräte an Destillaten entgegen den Erwartungen zugenommen haben.
Während sich der von den Analysten prognostizierte Anstieg der landesweiten Rohölvorräte zum erwarteten Rückgang der Raffinerieauslastung passen würde, gibt das API keine Schätzungen zur Entwicklung des Raffineriebetriebs ab. Die Analysten könnten mit ihrer Prognose allerdings durchaus richtig liegen, denn aufgrund des Kälteeinbruchs in den USA hatten einige Raffineriebetreiber bereits vergangene Woche Präventivmaßnahmen an ihren Anlagen vorgenommen, die den Betrieb einschränkten.
Die Ölfutures an ICE und NYMEX setzten ihren Aufwärtstrend am gestrigen Dienstag fort, auch wenn es am Morgen noch zu einer technischen Abwärtskorrektur gekommen war. Den Schneesturm Fern hat die US-Ölindustrie zwar mittlerweile hinter sich gebracht, noch ist allerdings die Frage, wie lange die Kältewelle noch anhält.
"Das kalte Wetter in den USA wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich zu erheblichen Rückgängen bei den Ölvorräten führen, insbesondere wenn dieses Wetter anhält", so der Analyst Tamas Varga von PVM zum Thema Kältewelle. Die DOE-Daten, die heute um 16:30 Uhr fällig sind, werden eine erste offizielle Wasserstandsmeldung zu den Auswirkungen Ferns und des Kälteeinbruchs der vergangenen Woche sein, wobei das API gestern für die Woche zum 23. Januar nur einen geringfügigen Rückgang der landesweiten US-Rohölbestände meldete und bei den Destillatvorräten sogar einen Anstieg verbuchte.
Davon abgesehen dämpften Meldungen über eine langsame Erholung der Produktion am kasachischen Tengiz-Ölfeld den bearishen Einfluss, den die ursprüngliche Nachricht über die Wiederaufnahme der Produktion hatte. Zur Debatte steht dagegen, ob die Aussicht auf eine Bestätigung der Pause der OPEC+-Produktionssteigerungen für März beim nächsten Treffen der acht Förderländer, die ihre Produktion freiwillig über die Vorgaben hinaus drosseln, ein bullisher Faktor ist, oder ein bearisher. Denn einerseits hält die Allianz im Rahmen der Pause Fördermengen zurück, andererseits bekräftigt sie damit allerdings auch, dass die Nachfrage die erwartete saisonale Schwäche zeigt..
Nach dem Schneesturm in den USA rücken allmählich auch wieder die geopolitischen Risiken in den Vordergrund. Dies begünstigte gestern auch eine Mitteilung des US-Präsidenten Trump auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social, in der er noch einmal bekräftigte, dass eine "große Armada" der Vereinigten Staaten in Richtung Naher Osten unterwegs sei, die jedoch hoffentlich nicht zum Einsatz kommen müsse. Die Spannungen zwischen den USA und Iran dürften damit erst einmal bestehen bleiben.
Derweil belastet Trumps Politik und die Unsicherheit, die diese stiftet, auch den Dollar, was die in der US-Währung gehandelten Ölfutures attraktiver für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten macht. "Der Kursverfall des US-Dollars beflügelt den Ölpreis, ebenso wie die anhaltenden Sorgen um den Iran“, meint auch Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING Groep NV in Singapur, der auch auf die zuletzt wieder stärker ausgeprägte Backwardation bei den Rohölkontrakten hinweist, die "die weit verbreitete Annahme eines Überschusses infrage stellt." Bei einer Backwardation sind Kontrakte mit prompter Lieferung teurer als jene mit einer Lieferung zu einem späteren Zeitpunkt, was eher für eine knappere Versorgungslage spricht.
Wie stark die aktuellen Einschätzungen der US-Notenbank zur weiteren Zinsentwicklung und zum Stand der US-Konjunktur den Dollar heute beeinflussen, wird sich erst nach Handelsschluss in Europa zeigen, wenn der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) die Ergebnisse der aktuellen geldpolitischen Sitzung bekannt gibt. Auch die Pressekonferenz, die auf die Sitzung folgt, werden die Marktteilnehmer auf eventuelle Hinweise für den weiteren Zinskurs in den USA abklopfen.
Analysten schätzen kältebedingte US-Produktionsausfälle auf rund 2 Mio. B/T
27. Jan. 2026
Bei der Großbank JPMorgan schätzte man die Ausfälle, die die aktuelle Kältewelle und der Schneesturm, der über das Wochenende Teile der USA im Griff hatte, bei der US-Ölproduktion verursachten, noch auf etwa 250.000 B/T. Mittlerweile liegen weitere Schätzungen vor, die deutlich höhere Ausfälle angeben.
So soll laut dem Beratungsunternehmen Energy Aspects zum Höhepunkt der Ausfälle, der angeblich am Samstag erreicht wurde, allein die Förderung am Permian Basin - dem ertragreichsten Schieferölgebiet der USA - um rund 1,5 Mio. B/T reduziert gewesen sein. Insgesamt hätten sich die Produktionsausfälle in den USA am Samstag auf etwa 2 Mio. B/T belaufen, so die Analysten. Für den gestrigen Montag wurden in den Schätzungen des Beratungsunternehmens noch Ausfälle im Permian Basin von etwa 700.000 B/T genannt. Das übliche Produktionsniveau am Permian Basin dürfte Energy Aspects zufolge am Freitag wieder erreicht werden.
Die Erdgaspreise an den europäischen Börsenplätzen wurden durch die aktuelle Kältewelle in Teilen Europas gestern noch einmal auf neue Langzeithochs getrieben, bevor es zu einer Abwärtskorrektur kam. Der europäische Mitteldestillatkontrakt Gasoil zog im Fahrwasser der Erdgaspreise ebenfalls noch einmal an, bevor er auf eine technische Grenze stieß und schließlich auch etwas zurücksetzte.
Aber auch die Rohölkontrakte erhielten zum Wochenauftakt wetterbedingten Auftrieb, zumal der jüngste Wintereinbruch in den USA nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Energy Aspects in der Spitze am Samstag noch zu Produktionsausfällen von etwa 2 Mio. B/T geführt haben soll. Dies entspricht etwa 15 % der gesamten US-Rohölproduktion.
Ob sich die Fördermengen nun zügig wieder erholen, wird auch davon abhängen, wie sich das Wetter jenseits des Atlantiks weiter entwickelt. Die Temperaturen sollen den Meteorologen zufolge weiterhin erst einmal niedrig bleiben und auch weitere Schneestürme sind wohl nicht ausgeschlossen. Die Texas Oil and Gas Association verweist zudem auf die Beeinträchtigungen, die sowohl im Produktions-, als auch im Raffineriebetrieb durch Faktoren entstehen könnten, die nicht direkt etwas mit der Funktionsfähigkeit der Anlagen zu tun haben, wie beispielsweise dadurch, dass technisches Personal wegen der winterlichen Straßenverhältnisse nicht zu den Anlagen gelangt.
Im Verlauf der Woche dürfte sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer allmählich auch wieder auf die OPEC+ richten, denn die acht Produzenten der Allianz, die ihre Fördermengen auf freiwilliger Basis seit Anfang 2024 zusätzlich gedrosselt haben, wollen sich am 1. Februar wieder zusammensetzen, um über die Produktionsstrategie für März zu sprechen. Diese hatten sie eigentlich mit der Ankündigung, die Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen im ersten Quartal 2026 auszusetzen, bereits Anfang November abgesteckt.
Allerdings wurde damals (wie üblich) bereits angekündigt, man werde die Entwicklung am Markt weiter im Auge behalten und die Strategie bei Bedarf entsprechend anpassen. Einige OPEC+-Delegierte gaben jedoch zuletzt an, sie gingen davon aus, dass die jüngsten geopolitischen Entwicklungen noch kein Grund seien, vom bisherigen Plan abzuweichen.
Davon abgesehen werden die Trader auch die Spannungen zwischen den USA und Iran sowie die Ukraine-Friedensgespräche im Auge behalten. Die trilateralen Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA am Freitag und Samstag hatten noch keine Einigung gebracht, für den weiteren Wochenverlauf kündigte der ukrainische Präsident jedoch weitere Gespräche der drei Parteien an.
Auch die Frage, wie schnell sich die Ölproduktion am kasachischen Ölfeld Tengiz von den vergangenen Ausfällen erholen kann, wird ein Thema bleiben. Heute Nacht stehen mit dem API-Bestandsbericht außerdem auch wieder neue Daten zur Versorgungslage in den USA auf der Agenda. Die offiziellen US-Ölbestandsdaten werden aber wie üblich erst am morgigen Mittwoch um 16:30 Uhr veröffentlicht.
US-Kältewelle: Ausfälle an Raffinerien und in der Erdgasversorgung
26. Jan. 2026
Die Kältewelle in den USA hält an und hat sich inzwischen zu einem massiven Wintersturm entwickelt, der wohl noch mehrere Tage anhalten dürfte. In mindestens 20 Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen, am Sonntag waren Hunderttausende Haushalte ohne Strom. Auch die US-Öl- und Gasindustrie bekommt die Auswirkungen der extremen Wetterverhältnisse zu spüren.
Vor allem an der Golfküste, wo sich rund die Hälfte der gesamten US-Raffineriekapazität ballt, sorgt das Winterwetter für Ausfälle. Für die Region sind Wintereinbrüche dieser Art unüblich, weshalb die Anlagen oft nicht adäquat ausgerüstet sind. So teilte etwa die Exxon Mobil mit, dass man erste Anlagen im Raffineriekomplex in Baytown, nahe Houston (Texas), herunterfahren müsse. Aktuell ist allerdings noch unklar, ob und wenn ja wieviel der Verarbeitungskapazität von knapp 565.000 B/T betroffen ist.
Dank der Kältewellen in Europa und den USA bleiben die Ölpreise auch zum Start in die neue Woche gestützt, obwohl sie den Preisanstieg vom Freitag erst einmal nicht weiter ausbauen können. Auch in dieser Woche bleiben die Wetterverhältnisse im Zentrum des Marktinteresses, doch auch die geopolitischen Unsicherheiten der letzten Woche sind nicht vergessen.
„Die Ölpreise werden diese Woche durch Produktionsausfälle in den USA sowie anhaltende geopolitische Risiken gestützt, die das vorherrschende Narrativ eines Überangebots im Jahr 2026 etwas infrage stellen“, kommentiert Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova, die aktuelle Marktlage.
„Der Wintersturm „Fern“ hat die US-Küste hart getroffen, zwingt zu Förderstillständen in wichtigen Öl- und Gasregionen und belastete das Stromnetz“, so Sachdeva. Dies sorge für eine leichte Aufwärtsbewegung an den Ölbörsen, da die Unterbrechungen die physischen Lieferflüsse beeinträchtigten. Nach Angaben der Großbank JPMorgan sind in den USA wetterbedingt rund 250.000 B/T offline, insbesondere im Bakken-Feld in Oklahoma und in Teilen von Texas.
Gleichzeitig bleibt der Krisenherd Iran auch für den Ölmarkt weiterhin relevant, denn die Rhetorik zwischen der Islamischen Republik und den USA hat sich nicht merklich abgekühlt. „Die Ankündigung von Präsident Trump, eine US-Flotte Richtung Iran zu entsenden, hat die Befürchtungen von Lieferunterbrechungen wiederbelebt, einen Risikozuschlag für Ölpreise erzeugt und insgesamt die Risikoaversion am Morgen gestützt“, kommentiert IG-Marktanalyst Tony Sycamore.
Noch am Freitag hatte ein ranghoher iranischer Beamter erklärt, dass Iran jeden Angriff „als umfassenden Krieg gegen uns“ betrachten werde und damit auf Donald Trumps Kommentare bezüglich einer „Armada“ auf dem Weg zum Persischen Golf reagiert (23.01.2026 Trump-Kommentare Richtung Iran lassen Risikoprämie wieder steigen). Auch, wenn eine tatsächliche militärische Auseinandersetzung bisher weiterhin eher unwahrscheinlich ist, sorgt doch jede weitere Verschärfung in der Region für Unsicherheit am Ölmarkt.
Zum Start in die neue Woche sind damit akut kaum bearishe Faktoren spürbar. Die langfristigen Angebotsprognosen, die nach wie vor auf eine deutliche Überversorgung hindeuten, werden von den aktuellen (und insgesamt wohl eher kurzfristigen) Verknappungen aufgrund der Wetterbedingungen überlagert. Zudem bleiben die geopolitischen Umstände vielerorts Unsicherheitsfaktoren, darunter auch die Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland, die bisher noch keine spürbaren Ergebnisse brachten.
Trump zieht Zolldrohungen nach NATO-Gesprächen zurück
22. Jan. 2026
An Kehrtwenden um 180 Grad hat man sich bei Donald Trump inzwischen fast gewöhnt. Eine solche legte er gestern auch in Davos hin, denn wo er am Nachmittag noch seinen Besitzanspruch auf Grönland untermauerte und drohte, man werde es sich „merken“, sollte Europa sich weiter quer stellen, da zog er seine Zolldrohungen am Abend zurück und sprach von einer großartigen Lösung in der Grönlandfrage, die sowohl die USA, als auch die NATO zufriedenstellen werde.
Der US-Präsident gab an, dass man bei einem „sehr produktiven“ Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte „den Rahmen für ein zukünftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und tatsächlich die gesamte Arktisregion“ geschaffen habe. Rutte bestätigte diese Aussagen wenig später, Details zu der genannten Rahmenvereinbarung nannten beide aber nicht. Der NATO-Generalsekretär gab jedoch an, dass ein Kauf oder eine Übernahme Grönlands gar nicht mehr thematisiert worden sei.
Mit der Entspannung in der Grönlandfrage und Donald Trumps Rückzieher bei den Strafzöllen gegen Europa erhalten die Ölbörsen in der zweiten Wochenhälfte neuen Rückenwind. Zudem wirkt der Produktionsausfall in Kasachstan weiterhin stützend.
Donald Trump hatte gestern nach seinem Besuch in Davos überraschend erklärt, vorerst von der Verhängung von Zöllen gegen Europa im Zusammenhang mit der arktischen Insel abzusehen, da man die Weichen für ein mögliches Abkommen gelegt habe. Ölmarktexperte Mingyu Gao von China Futures stellt fest, dass dies die Abwärtsrisiken eines Handelskonflikts zwischen den USA und Europa reduziere und gleichzeitig die Weltwirtschaft sowie die Ölnachfrage stütze.
Allerdings, so warnt der Analyst, habe die US-Regierung eine mögliche militärische Beteiligung im Iran noch immer nicht ausgeschlossen, was die Ölpreise ebenfalls stützen dürfte. Trump hatte in dieser Sache gestern seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, keine weiteren militärischen Aktionen gegen den Iran durchführen zu müssen. Gleichzeitig betonte er, die Vereinigten Staaten würden handeln, sollte Teheran sein Atomprogramm wieder aufnehmen.
Im Vergleich noch zu letzter Woche, als sich beide Länder noch mit gegenseitigen Drohungen überzogen, bleibt der Iran inzwischen ein vergleichsweise kleiner Faktor am Ölmarkt. Darauf weist auch Tony Sycamore vom Online-Broker IG hin. Vor dem Hintergrund der Verständigung im Fall Grönlands und der nachlassenden Aussicht auf ein militärisches Eingreifen im Iran dürften sich die Ölpreise um die Marke von 60 Dollar stabilisieren, so der Experte.
Auch Chris Weston von der Pepperstone Group rechnet nicht mit weiteren starken Preisrallys: „Nach Trumps Rede in Davos und seinen Beiträgen in sozialen Medien haben wir ein gewisses Kaufinteresse an Brent- und WTI-Rohöl gesehen“, dennoch fehle es an Überzeugung, die Bewegung aggressiv weiterzuverfolgen. „Das Angebotsumfeld bleibt ein Belastungsfaktor und begrenzt weiteres Aufwärtspotenzial“, so Weston.
Tatsächlich bleiben die Aussichten am Ölmarkt bestimmt von einem starken Überangebot, das gestern auch wieder von der IEA bestätigt wurde. Zwar hat die Pariser Agentur ihre Nachfrageprognosen im aktuellen Monatsreport etwas nach oben angepasst, doch rechnet sie für das laufende Jahr immer noch mit einem Überangebot von etwa +2,4 Mio. B/T.
In dieses Bild der Überversorgung passen auch die jüngsten US-Bestandsdaten des API, die bei Rohöl und Benzin sehr deutliche Vorratsaufbauten sehen. Am Ölmarkt wartet man nun heute Abend noch auf die offiziellen DOE-Bestandsdaten, um zu sehen, ob sie den stark bearishen Charakter der API-Daten bestätigen.
USA beschlagnahmen weiteren Öltanker vor Venezuela
21. Jan. 2026
Das US-Militär hat am Dienstag einen weiteren Öltanker in der Nähe von Venezuela beschlagnahmt. Es ist der siebte seit Anfang Dezember und zeigt, dass der Druck der Trump-Administration auf Caracas nicht nachlässt. Der Frachter „Sagitta“ habe gegen die Beschränkungen Washingtons für sanktionierte Schiffe verstoßen, erklärte das US-Militärkommando.
„Die Beschlagnahme eines weiteren Tankers, der trotz der von Präsident Trump verhängten Sperre für sanktionierte Schiffe in der Karibik operierte, zeigt unsere Entschlossenheit, dafür zu sorgen, dass nur Öl, das ordnungsgemäß und rechtmäßig koordiniert wurde, Venezuela verlassen darf“, hieß es von US-Seite. Washington strebt seit der Absetzung des Machthabers Nicolas Maduros nach der vollständigen Kontrolle über Venezuelas Ölindustrie.
Die Ölpreise haben zur Wochenmitte wieder etwas nachgegeben, da die Anleger nicht nur auf die neuesten Entwicklungen in Sachen Grönland warten, sondern auch auf den heute erscheinenden IEA Monatsbericht. Hier dürfte wie immer die Angebotsentwicklung im Zentrum des Interesses stehen, ist der IEA-Report doch traditionell der bearishste der drei großen Monatsberichte.
Darüber hinaus stehen heute und morgen auch noch die US-Ölbestandsdaten an, die wegen des US-Feiertages am Montag (Martin Luther King Day) mit einem Tag Verspätung erscheinen. Den Anfang macht heute Abend das API um 22:30 Uhr, das DOE folgt morgen um 18:00 Uhr. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dürften die Rohölvorräte in der Berichtswoche um +1,7 Mio. Barrel gestiegen sein und würden damit einen bearishen Impuls an den Markt geben.
Angebotsausfälle in Kasachstan, die gestern noch bullish gewirkt hatten, treten darüber etwas in den Hintergrund, zumal die Unterbrechungen zeitlich begrenzt sind (20.01.2026 Insider: Ausfälle am Tengiz-Ölfeld bis nächste Woche). „Der Produktionsstopp ist vorübergehend, während der erwartete Lageraufbau in den USA und die geopolitischen Unsicherheiten anhalten dürften“, erklärt Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG.
Zentrales Thema dürfte heute ohnehin der Grönlandstreit sein. US-Präsident Donald Trump wird voraussichtlich um 14:30 Uhr auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sprechen. Im Vorfeld hat die US-Regierung angekündigt, Strafzölle von 10% gegen acht europäische Länder zu verhängen, die sich gegen den US-Anspruch auf Grönland ausgesprochen hatten. Die Drohung nährt Sorgen vor neuen Handelskonflikten, die das globale Wachstum dämpfen und damit auch die Energienachfrage belasten könnten.
Der Vorstoß Washingtons, die Kontrolle über die zu Dänemark gehörende Insel in der Arktis zu erlangen, hat zudem bei den Marktteilnehmer Zweifel an der Stabilität des transatlantischen Bündnisses geweckt und die Risikobereitschaft der Investoren geschwächt. Davon betroffen sind nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch Rohstoffe wie Öl. Die Volatilität am Ölmarkt dürfte entsprechend hoch bleiben.
Grundsätzlich bleibt der längerfristige Ausblick ohnehin bearish, da die möglicherweise neu entfachten Zollstreits die schlechten Angebotsaussichten nicht besser machen. Mit konjunkturell bedingt geringer Nachfrage würde sich das erwartete Überangebot sogar noch verschärfen. In diesem Zusammenhang steht der neue Monatsbericht der IEA im Fokus der Anleger.
Im letzten Bericht hatte die Pariser Agentur eine Überversorgung von fast 4 Mio. B/T vorhergesagt. An dieser Einschätzung dürfte sich auch in diesem Monat nicht viel verändert haben. „Für mindestens drei bis vier Jahre könnten wir aufgrund der enormen zusätzlichen Fördermengen aus den USA und einigen anderen Ländern anhaltenden Abwärtsdruck auf die Öl- und Gaspreise sehen“, erklärte IEA-Direktor Fatih Birol am Dienstag in Davos.