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NEWS ÜBERSICHT

API meldet massive Aufbauten bei US-Rohölvorräten

1. Apr. 2026

Die landesweiten Rohölvorräte der USA haben in der vergangenen Woche laut API beträchtlich zugenommen. Unterdessen sollen die Benzin und Destillatbestände gesunken sein. Dem American Petroleum Institute zufolge legten die landesweiten Rohölvorräte der USA in der Woche zum 27. März um mehr als das Zehnfache dessen zu, was die Analysten erwarten. Die Rohölbestände im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma, sollen ebenfalls zugenommen haben.
Unterdessen zeigen die Schätzungen des API für die vergangene Woche stärker als erwartete Abbauten bei den Beständen an Benzin und Destillaten. Während die Analysten von einem leichten Anstieg der Raffinerieauslastung ausgehen, spricht der Anstieg der Rohölbestände in Kombination mit den rückläufigen Kraftstoffbeständen eher für einen geringeren Raffineriedurchsatz. Die massiven Bestandsaufbauten, die das API bei Rohöl meldet, sind allein damit jedoch nicht zu erklären. Hier dürften noch die Netto Importe eine Rolle gespielt haben.
Konkrete Daten diesbezüglich, sowie auch zur Raffinerieauslastung, Rohölproduktion und Nachfrage wird wie üblich erst der offizielle Wochenbericht des DOE beinhalten, der heute wieder um 16:30 Uhr erscheinen wird. Die Daten des API können aufgrund des signifikanten Anstiegs der Rohölvorräte insgesamt als eher bearish interpretiert werden, auch wenn die Vorräte an Benzin und Destillaten abgenommen haben sollen.

Während der Brent-Kontrakt mit Verladung im Mai an seinem letzten Handelstag gestern noch einmal in die Nähe der 120 Dollar Marke stieg, notierte der Juni Kontrakt beim gestrigen Settlement niedriger als noch am Montag. Dies dürfte der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kriegs geschuldet sein, die US-Präsident Trump mit seinen jüngsten Äusserungen und Posts geschürt hat. Unterdessen soll der iranische Präsident in einem Telefonat mit EU Ratspräsident Anónio Costa gesagt haben, der Iran sei bereit den Konflikt zu beenden, allerdings nur wenn das Land Garantien erhalte, die eine Wiederholung der Aggression verhindern.
Während sich die USA nach Angaben Trumps in den nächsten zwei bis drei Wochen aus dem Iran zurückziehen könnten, bleibt immer noch ungewiss, was nach dem Abzug aus dem Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus wird. Umso gespannter ist der Markt nun auf eine Rede des US-Präsidenten, die für heute Nacht (3 Uhr MESZ) angekündigt wurde.
So wie es zum aktuellen Zeitpunkt aussieht, werden sich wohl andere um die Sicherheit in der Meerenge kümmern müssen. In einem Post auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social schrieb Trump am gestrigen Dienstag, dass sich die Länder, die wegen der faktischen Blockade kein Kerosin erhalten, entweder in den USA kaufen sollten oder die Kontrolle über die Strasse von Hormus einfach an sich reissen sollten.
Gegenüber der amerikanischen Tageszeitung New York Post sagte Trump, die Strasse von Hormus werde sich nach dem Abzug der USA aus dem Iran automatisch wieder öffnen. Ob Trump damit bereits die Gebühren im Hinterkopf hatte, die der Iran für den Transit der Strasse von Hormus künftig verlangen will, darüber darf spekuliert werden. Solange die Strasse von Hormus nicht wieder vollständig geöffnet ist dürften die Marktteilnehmer nach Einschätzung der Analystin Priyanka Sachdeva von Phillip Nova Pte. bei Preisrückgängen eher zu erneuten Käufen tendieren, als zu Verkäufen.
Vor dem verlängerten Osterwochenende dürfte die Aufmerksamkeit der Trader nun allmählich auch auf die nächste Sitzung der acht OPEC+-Länder übergehen, die ihre Produktion seit Anfang 2024 über die Vorgaben hinaus gekürzt hatten. Die OPEC8+ wollen eigentlich am Sonntag über die Produktionsstrategie für Mai sprechen. Allerdings dürften sie dabei durch die aktuelle Situation in der Strasse von Hormus ihre Schwierigkeiten haben, schliesslich mussten einige der acht Länder aufgrund der nicht nutzbaren Exportroute ihre Produktion teils deutlich drosseln.

15-Punkte Plan aus Washington soll Krieg beenden

25. März 2026

Laut Donald Trump schreiten die amerikanischen Bemühungen voran, ein Ende des Krieges mit dem Iran auszuhandeln. Zuvor hieß es aus verschiedenen Medienberichten, die US-Regierung habe einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Iran-Krieges vorgelegt. Das Ver-mittlerland Pakistan habe dem Iran den Entwurf übermittelt, so die Berichte unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der israelische Sender Channel 12 meldet, dass die USA eine einmonatige Waffenruhe anstreben, um über den Plan zu verhandeln. Dieser soll unter anderem die Demontage des iranischen Atomprogramms, ein Ende der Unterstützung verbündeter Milizen sowie die Wiederöffnung der Straße von Hormus enthalten. Seit Beginn der Angriffe durch die USA und Israel vor vier Wochen gilt die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 % der globalen Ölexporte verlaufen, faktisch als blockiert.

Mit wachsenden diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Krieges haben auch die Ölpreise wieder etwas nachgegeben. Mit dem 15-Punkte-Plan aus Washington, der dem Iran gestern durch Pakistan übermittelt wurde und der als Grundlage für Verhandlungen dienen soll, fiel Brent wieder unter 100 Dollar und WTI handelt aktuell immer noch unter 90 Dollar.

„Wir haben uns eindeutig von einer Phase, die im Krieg zwischen den USA und dem Iran zu einer ‚vollständigen Vernichtung‘ hätte führen können, hin zu einer Verhandlungslösung bewegt, auch wenn diese angesichts des mangelnden Vertrauens auf beiden Seiten wahrscheinlich komplex ausfallen wird“, kommentiert Robert Rennie von Westpac die Lage.

„Die Erwartungen hinsichtlich eines Waffenstillstands sind leicht gestiegen und Gewinnmitnahmen bestimmen den Markt“, erklärt Hiroyuki Kikukawa, Chefstratege bei Nissan Securities Investment. „Der weitere Verlauf bleibt jedoch unsicher, da unklar ist, ob die Verhandlungen erfolgreich sein werden, was den Verkaufsdruck begrenzt.“

Trotz der jüngsten Preisnachlässe steuern die Ölpreise weiterhin auf einen deutlichen Monatsanstieg zu, nachdem sie in den vergangenen Wochen stark geschwankt hatten. Die Anleger konzentrieren sich dabei weiterhin vor allem auf Teherans Versuch, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu festigen. Seit nunmehr fast vier Wochen stehen die Exporte durch die wichtige Meerenge, durch die sonst etwa ein Fünftel des globalen Ölbedarfs fließt, nahezu komplett still.

Für leichten Optimismus sorgt hier die Meldung, dass der Iran dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation signalisiert, dass „nicht-feindliche Schiffe“ die Straße von Hormus passieren dürfen, sofern sie sich mit den iranischen Behörden abstimmen. Gleichzeitig halten die Angriffe zwischen den USA, Israel und Iran an. Zudem bereitet Washington die Entsendung weiterer Truppen in die Region vor.

„Die Marktperspektiven bleiben angespannt, ungeachtet der Aussichten auf eine Deeskalation des Konflikts“, meint Saul Kavonic von MST Marquee. „Selbst wenn diese Woche ein Waffenstillstand in Kraft treten würde und der Durchfluss durch die Straße von Hormus wieder aufgenommen wird, ist nicht klar, ob die gesamte stillgelegte Produktion wieder anlaufen kann, solange keine größere Klarheit über die Dauerhaftigkeit eines Waffenstillstands besteht.“

Iran meldet Angriff auf Energieanlagen

24. März 2026

Das Risiko eines Schleudertraumas ist für Trader an den Ölbörsen auch in der neuen Handelswoche immer noch hoch. Dies zeigte der Preisrutsch, zu dem es gestern Mittag an ICE und NYMEX kam, nachdem US-Präsident Trump über sein bevorzugtes Kommunikationsmittel - einem Post auf Truth Social - mitgeteilt hatte, die USA würden in den nächsten fünf Tagen keine Kraftwerke und Energieanlagen angreifen. Im selben Post schrieb er von Gesprächen zwischen den USA und Iran und weckte damit die Hoffnung, dass der Iran-Krieg und damit auch die Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus vielleicht bald vorbei sein könnten.

"Indem die USA den Plan, iranische Kraftwerke anzugreifen, für fünf Tage auf Eis legten, entzogen sie dem Ölpreis effektiv einen Großteil der ‚Kriegsprämie‘", kommentiert der Analyst Tim Waterer von KCM Trade den gestrigen Preisrutsch, der Brent wieder zurück unter 100 Dollar und WTI unter 90 Dollar schickte. Allerdings meint Waterer auch: "Händler wissen, dass die Straße von Hormus trotz der vorerst ausgesetzten Raketenangriffe noch lange keine sichere Wasserstraße ist."

Seine Branchenkollegin Helima Croft von RBC Capital Markets LLC sieht dies ähnlich: "Schiffe, nicht Äußerungen werden wohl letztlich das sein, was für die physischen Märkte entscheidend ist", so die Expertin, die mit Blick auf die möglicherweise hinter den Kulissen stattfindenden Gespräche zwischen den USA und Iran auch darauf verweist, dass die Islami-sche Revolutionsgarde möglicherweise gar nicht zu einem Abkommen bereit sei, "solange sie die Straße von Hormus fest im Griff hat.“

Davon abgesehen bleibt die Frage, wie lange sich die anderen Länder in der Region noch aus dem Konflikt heraushalten, sollte der Iran ihre Energieanlagen weiter angreifen. In einem Bericht der amerikanischen Tageszeitung Wall Street Journal hieß es zuletzt, dass vor allem in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten der Unmut über das Vorgehen Teherans mittlerweile so hoch ist, dass man sich dort wohl ein Eintreten in den Krieg zumindest vorstellen könnte.

Selbst ohne eine Beteiligung anderer Länder der Region am Iran-Krieg könnte der Brent-Preis den Analysten von Macquarie zufolge noch auf 150 Dollar pro Barrel steigen, sollte die Straße von Hormus noch bis Ende April nicht wirklich befahrbar sein. "Selbst bei einer möglichen Entspannung der Lage nach der Ankündigung von Präsident Trump am Montag erwarten wir einen Preisboden von 85 bis 90 US-Dollar und eine natürliche Rückkehr in den Bereich um 110 US-Dollar", bis der normale Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wiederhergestellt sei, so die Analysten in einer Kundenmitteilung.

Abzuwarten bleibt unterdessen, welchen Einfluss die freigegebenen Mengen aus den strategischen Ölreserven der IEA-Länder noch haben werden. Nachdem Japan bereits vergangene Woche die ersten Maßnahmen diesbezüglich ergriff, gab das US-Energieministerium nun das Ergebnis der ersten Ausschreibung im Rahmen der koordinierten Freigabe bekannt. Bisher belaufen sich die zugeteilten Mengen, die im April und Mai an die Unternehmen abgegeben werden, allerdings nur auf rund 45 Mio. Barrel, was deutlich weniger ist, als die 86 Mio. Barrel, die für die erste Tranche angedacht waren.

Iran plant Gebühren für Passage durch Straße von Hormus

26. März 2026

Das iranische Parlament arbeitet an einem Gesetzentwurf, der von Schiffen eine Gebühr für die sichere Passage durch die Straße von Hormus erheben würde. Das berichtet die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Abgeordneten.

Demnach soll der Plan in der kommenden Woche finalisiert werden und Irans Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge rechtlich festschreiben. Die Straße von Hormus verbindet die größten Öl- und Gasproduzenten im Persischen Golf mit dem Rest der Welt. Seit Kriegsbeginn Anfang März ist die schmale Wasserstraße nahezu vollständig blockiert und hat sich zu einem zentralen Schauplatz des Konflikts entwickelt.

Ein Ende des Iran-Krieges ist nicht in Sicht und die Aussichten auf zielführende Verhandlungen zu einem Waffenstillstand schwinden mehr und mehr. Während die USA zwar weiterhin von konstruktiven Gesprächen mit dem Iran berichten, dementiert dieser jegliche Verhandlungen und stellt stattdessen eigene Forderungen. Die Ölpreise orientieren sich damit wieder leicht nach oben.

Im Zentrum des Konfliktes bleibt die Straße von Hormus, durch die unter normalen Umständen täglich über 20 Mio. Barrel Öl und Ölprodukte transportiert werden. Seit Kriegsausbruch ist die Meerenge jedoch faktisch von Teheran blockiert. Entsprechend erbittert setzen sich die Angriffe von allen Seiten in der gesamten Region fort. Aus dem Weißen Haus hieß es dazu gestern, Präsident Donald Trump werde den Druck auf den Iran weiter erhöhen, sollte Teheran nicht akzeptieren, dass das Land „militärisch besiegt“ sei.

„Der Optimismus hinsichtlich einer Waffenruhe ist geschwunden“, sagt Tsuyoshi Ueno, Chefökonom am NLI Research Institute in Tokio. Die von Washington gesetzten Hürden für die Aufnahme von Waffenstillstandsgesprächen seien hoch, was die Ölpreise je nach Verlauf der Verhandlungen und der militärischen Entwicklungen anfällig für weitere Schwankungen mache.

Auch Philip Jones-Lux, leitender Marktanalyst bei Sparta Commodities, zeigte sich skeptisch: „Während die USA klar nach einem Ausweg suchen, scheinen weder Iran noch Israel an einer schnellen Lösung interessiert zu sein.“ Angesichts zusätzlicher Truppenentsendungen sei es „verfrüht, derzeit eine Deeskalation einzupreisen“.

BlackRock-Präsident Rob Kapito warnt zudem davor, dass Investoren die Risiken des Konflikts unterschätzen könnten. Selbst bei einem sofortigen Kriegsende hätten die Ölpreise noch das Potenzial, auf bis zu 150 Dollar pro Barrel zu steigen, da es Zeit brauche, bis die Lieferketten wieder voll funktionsfähig seien, sagte der Marktexperte bei einer Veranstaltung in Melbourne.

Unterdessen kündigte Washington ein neu terminiertes Treffen zwischen Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping an. Das Gipfeltreffen, das ursprünglich Mitte März hätte stattfinden sollen und wegen des Iran-Krieges verschoben wurde, soll nun am 14. und 15. Mai in Peking nachgeholt werden. Das Gipfeltreffen erfolgt nach monatelangen Zollstreitigkeiten und inmitten wachsender Spannungen zwischen den beiden Ländern.

Iran: Ölexporte von Insel Kharg unbeeinträchtigt von US-Luftschlag

16. März 2026

Nachdem die USA am frühen Samstagmorgen Luftschläge auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg, im Persischen Golf, durchgeführt hat, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Fars, die Ölexporte von den Häfen der Insel seien dadurch nicht beeinträchtigt worden. Die Insel ist für die Islamische Republik ein wichtiger Umschlagplatz für ihr Öl, denn der Großteil des iranischen Rohöls wird über das Terminal Kharg exportiert. Kurz vor Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran sollen die Ölexporte ab Kharg laut Schätzungen von JPMorgan Chase & Co. auf rund 3 Mio. B/T gestiegen sein - etwa das Dreifache der üblichen Mengen.

Kurz nach dem Angriff auf die iranischen Militäranlagen auf Kharg drohte US-Präsident Trump, auch die Ölinfrastruktur der Insel anzugreifen, sollte der Iran "irgendetwas unternehmen, das die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus behindert." Teheran drohte wiederum damit, dass "(a)lle Öl-, Wirtschafts- und Energieeinrichtungen von Ölkonzernen in der Region, die sich im Besitz der Vereinigten Staaten befinden oder mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, (...)sofort zerstört und in Schutt und Asche gelegt" würden, sollte Trump seine Drohung wahr machen.

Die Rohölpreise an ICE und NYMEX setzten ihren Anstieg in der vergangenen Woche fort, wobei der europäischen Rohölkontrakt Brent erstmals seit August 2022 auch wieder Settlementpreise oberhalb von 100 Dollar pro Barrel verzeichnete. WTI gelang unterdessen am Freitag ein Settlement oberhalb der psychologisch wichtigen 95 Dollar-Marke. Und auch zu Beginn der neuen Handelswoche sorgt der Nahost-Konflikt dafür, dass die Preise an den Ölbörsen steigen.

Der wichtigste Preistreiber bleiben dabei die Sorgen hinsichtlich bereits vorhandener und noch befürchteter Angebotsausfälle, die durch den Iran-Krieg verursacht werden. Was das betrifft, forderte US-Präsident Trump zuletzt die NATO-Partner der USA und andere Länder wie China dazu auf, sich an der Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus zu beteiligen.

Die US-Luftangriffe auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg im Persischen Golf sowie die Drohung Trumps, auch die Ölanlagen auf der für die iranische Ölindustrie wichtigen Insel ins Visier zu nehmen, sollte Teheran den internationalen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weiterhin behindern. "Wenn man die Infrastruktur in Kharg ausschaltet, verschwinden 2 Millionen Barrel pro Tag endgültig vom Markt – nicht [nur] bis die Sache mit der Straße von Hormus geregelt ist", so die Befürchtung von Dan Pickering, Chief Investment Officer von Pickering Energy Partners.

Während der Markt noch auf weitere Informationen dazu wartet, wie Washington für Sicherheit in der nicht nur für den internationalen Ölhandel so wichtigen Meerenge sorgen will, legte die IEA am Wochenende Details zur geplanten Freigabe strategischer Ölreserven vor. Diese wird in den Ländern des Raums Asien-Ozeanien unverzüglich beginnen, wohingegen in Europa und den amerikanischen Staaten erst Ende März Öl aus den Notreserven auf den Markt gebracht werden wird.

Vergangene Woche hatten die Marktteilnehmer auf die Ankündigung der Maßnahme kaum reagiert, nicht zuletzt auch, da sie sie bereits vorher größtenteils eingepreist hatten. Nichtsdestotrotz kam es nach dem festeren Start der Ölfutures heute Morgen erst einmal zu Gewinnmitnahmen, was allerdings auch der Meldung geschuldet gewesen sein dürfte, dass die Verladungen im emiratischen Hafen Fujairah wiederaufgenommen wurden. Der Hafen, von dem aus im Normalfall täglich rund 1 Million Barrel der Rohölsorte Murban exportiert werden, wurde kurz nach dem Angriff der USA auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg zum Ziel eines Drohnenangriffs und hatte deswegen vorübergehend den Betrieb unterbrochen.

Im Verlauf der Woche werden die Trader nun nicht nur auf weitere Meldungen zu den strategischen Ölreserven und die Entwicklungen im Nahost-Konflikt achten, sondern auch auf die Zinssitzungen von Fed und EZB. Von beiden Notenbanken erwartet sich der Markt in dieser Woche zwar keine Zinsanpassungen, konkretere Hinweise auf den weiteren Zinskurs könnten die Preise an den Ölbörsen allerdings dennoch beeinflussen.

USA lockern Sanktionen für russisches Öl auf See

13. März 2026

In ihren Bemühungen, den zunehmenden Preisdruck an den Energiemärkten mindern, haben die USA eine zweite Sondergenehmigung erteilt, die es Käufern ermöglicht, russische Öllieferungen abzunehmen. Die Ausnahmeregelung ist auf 30 Tage begrenzt und erlaubt es Staaten, bereits auf See befindliches, eigentlich sanktioniertes russisches Rohöl und Ölprodukte zu kaufen.
US Finanzminister Scott Bessent erklärte in einem Post auf X , der Schritt sei als „eng begrenzte, kurzfristige Massnahme gedacht. Sie gelte ausschliesslich für Öl, das sich bereits auf dem Transportweg befinde, und werde der russischen Regierung keinen nennenswerten finanziellen Vorteil verschaffen. Zuvor hatte Bessent angedeutet, dass die USA möglicherweise weiteres russisches Öl von Sanktionen ausnehmen könnten, um den Preisdruck auf dem Ölmarkt zu verringern.
Die neue Regelung erlaubt die Lieferung und den Verkauf von russischem Rohöl und Erdölprodukten, die bis zum 12. März verladen wurden. Die Regierung in Washington erweitert damit eine Ausnahmegenehmigung, die in der vergangenen Woche für Indien erteilt worden war und für Öl galt, das vor dem 5. März verschifft wurde. Die nun ausgeweitete Regelung ist nicht mehr auf Indien beschränkt, schliesst jedoch Käufe durch den Iran aus. Die neue Lizenz gilt laut Angaben des US Finanzministeriums bis zum 11. April.
Der Schritt ist der jüngste Versuch der US Regierung, die Energiepreise zu stabilisieren. Zuvor hatten US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran sowie die anschliessende Schliessung der Strasse von Hormus wichtige Öl und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten unterbrochen und die Preise in die Höhe schnellen lassen. Am Mittwoch hatte Washington deshalb zugestimmt, 172 Mio. Barrel Öl aus der strategischen Erdölreserve freizugeben. Diese ist Teil einer umfassenderen Vereinbarung der 32 Mitgliedstaaten der IEA, insgesamt 400 Mio. Barrel Öl aus den Notfallvorräten auf den Markt zu bringen.

Nach einer der volatilsten Handelswochen aller Zeiten steuern die Ölpreise am Freitag auf ein neues Wochenplus zu. Trotz der amerikanischen Bemühungen, durch Sanktionslockerungen gegen Russland die Preise zu senken, handelt die Nordseesorte Brent weiterhin im Bereich von 100 Dollar je Barrel. Die Marktteilnehmer stellen sich auf weitere Turbulenzen ein, nachdem der Iran angekündigt hat, die Strasse von Hormus faktisch geschlossen zu halten.
Die IEA warnte am Donnerstag, dass die aktuelle Unterbrechung der Ölversorgung die grösste in der Geschichte des globalen Ölmarktes darstelle. Bereits am Vortag hatten die Mitgliedsstaaten eine historische Freigabe strategischer Reserven beschlossen, um die Preise zu dämpfen. In Abstimmung mit der IEA sollen insgesamt 400 Mio. Barrel aus den für den Notfall vorgesehenen Lagerbeständen auf den Markt kommen, darunter 172 Mio. Barrel aus den USA.
Dies ist die schwerwiegendste Unterbrechung der Ölversorgung seit den 1970er Jahren, fürchtet auch Philip Jones Lux, Senior Market Analyst bei Sparta Commodities, und nimmt Bezug auf frühere Versorgungskrisen im Nahen Osten. Die Freigabe der IEA könne zwar verhindern, dass die Preise in stratosphärische Höhen steigen, werde jedoch vermutlich nur kurzfristig Wirkung zeigen.
Auch Marktanalyst Emril Jamil von LSEG sieht die Maßnahmen skeptisch: Die Brent Futures an der ICE haben die Marke von 100 Dollar bereits überschritten und werden weiterhin gestützt trotz der Versuche, die Märkte mit der Ausnahmegenehmigung für russisches Öl und der beispiellosen Freigabe strategischer Reserven zu beruhigen. Aus Sicht des Marktes handele es sich lediglich um eine kurzfristige Lösung, die das grundlegende Problem der Angebotsknappheit nicht behebe. Die Terminstruktur der Ölpreise deute weiterhin auf eine anhaltend enge Versorgung hin.
Insgesamt bleibt der Ölmarkt von anhaltenden Unsicherheiten und damit auch starker Volatilität geprägt. Allein in dieser Woche bewegte sich die US Referenzsorte WTI in einer Spanne von rund 43 Dollar der grössten seit der Pandemiephase, als die Preise zeitweise sogar ins Negative rutschten. Brent schwankte in einer Bandbreite von etwa 38 Dollar. Angesichts des andauernden Krieges am Persischen Golf dürfte es auch in den kommenden Wochen immer wieder zu ähnlichen Kursschwankungen kommen.

Iran droht mit Wirtschaftsschock und verstärkt Angriffswellen

12. März 2026

Der Iran setzt seine Drohung, den Westen an seiner wirtschaftlich schwächsten Stelle zu treffen, offenbar um und hat seine Angriffe auf Energietransporte und Ölanlagen im gesamten Nahen Osten verstärkt. Zuletzt hieß es, zwei Öltanker seien von iranischen Streitkräften vor dem Irak in Brand gesetzt worden.

Teherans geschwächtes Regime hatte zuvor deutlich gemacht, dass es einen lang anhaltenden globalen Wirtschaftsschock auslösen will. Der Sprecher des iranischen Militärkommandos sagte am Mittwoch in einer an die USA gerichteten Botschaft: „Macht euch darauf gefasst, dass der Ölpreis bei 200 Dollar pro Barrel liegen wird, denn der Ölpreis hängt von der regionalen Sicherheit ab, die ihr destabilisiert habt.“

Der Iran hat seit gestern seine Angriffe auf Öl und Transporteinrichtungen im Nahen Osten ausgeweitet und damit für einen neuerlichen Preissprung an den Börsen gesorgt. Trotz der gestern beschlossenen Rekord-Freigabe aus den SPRs fürchtet man am Markt eine Ausweitung des Krieges und eine lang anhaltende Unterbrechung der Ölströme.

Im Lichte der sich verschlechternden Sicherheitslage hat der Oman inzwischen die Evakuierung seines wichtigsten Ölhafens angeordnet, einem der wenigen in der Region, von wo aus zuletzt noch Mengen verladen wurden. Die Maßnahme macht die weitreichenden Auswirkungen der Eskalation in der Region deutlich. Anzeichen für eine Entspannung im Golf gebe es derzeit nicht, erklärten Analysten der ING am Donnerstag. Daher sei auch kein Ende der Störungen im Öltransport durch die Straße von Hormus absehbar.

„Der einzige Faktor, der die Ölpreise wirklich wieder nach unten bringen könnte, wäre eine Wiederöffnung der Straße von Hormus“, kommentiert auch Neil Beveridge, Forschungsdirektor bei Sanford C. Bernstein & Co. Die Freigabe strategischer Reserven stehe „in keinem Verhältnis zu den rund 20 Mio. B/T“, die durch die Blockade der Passage ausfallen könnten, fügte er hinzu.

Die Internationale Energieagentur (IEA), die die strategischen Notvorräte für insgesamt 32 Mitgliedsländer verwaltet, hatte sich gestern darauf verständigt, bis zu 400 Mio. Barrel Öl aus den SPRs auf den Markt zu bringen. Den größten Anteil daran werden die USA mit 172 Mio. B/T liefern. Der weltweite Verbrauch liegt bei etwas mehr als 100 Mio. B/T; die Ausfälle im Nahen Osten belaufen sich aktuell auf etwa 6 Mio. B/T. Mit anhaltender Sperrung der Straße von Hormus dürfte diese Menge allerdings weiter steigen.

„Genau davor hatte ich bei der Freigabe der IEA gewarnt – sie wird völlig ignoriert, und jetzt liegen die Preise noch höher“, ärgert sich Darrell Fletcher, Managing Director für Rohstoffe bei Bannockburn Capital Markets. „Möglicherweise hat sie das falsche Signal gesendet. Wissen sie etwas, was wir nicht wissen?“

Auch Tina Teng, Marktstrategin bei ANZ, sieht die Maßnahme nur als vorübergehende Entlastung. Die Freigabe der Reserven könne lediglich kurzfristig helfen, da Störungen bei Öllieferungen durch die Straße von Hormus sowie größere Produktionsausfälle in einigen Ländern des Nahen Ostens langfristig zu einem Angebotsengpass führen könnten.

Bei der ING verweist man zudem auf die Unsicherheiten darüber, wie schnell das freigegebene Öl tatsächlich auf den Markt gelangen kann – und ob die Menge ausreichen wird, um die Nachfrage zu decken, bis wieder Öl durch die Straße von Hormus transportiert wird.

Solange die Anleger an den Ölmärkten die SPR-Freigabe ignorieren, bleibt die fundamentale Einschätzung der Marktlage bullish. Daran wird wohl auch der heute noch erwartete IEA-Monatsbericht nichts ändern, der aller Wahrscheinlichkeit nach etwas bullisher ausfallen dürfte als in den Vormonaten. Am Markt waren aber auch schon die Berichte von EIA und OPEC mehr oder weniger ignoriert worden.

IEA prüft Rekord Freigabe aus strategischen Ölreserven

11. März 2026

Die International Energy Agency (IEA) erwägt laut einem Bericht des Wall Street Journal die grösste Freigabe strategischer Ölreserven in ihrer Geschichte. Demnach könnte die geplante Freigabe sogar die 182 Mio. Barrel übertreffen, die im Jahr 2022 nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine auf den Markt gebracht wurden. Wie hoch sie genau ausfallen soll, ist noch nicht bekannt.
Offenbar will die IEA schon heute über einen entsprechenden Vorschlag entscheiden. Der Plan könnte angenommen werden, sofern keines der 32 Mitgliedsländer Einspruch erhebt. Bereits der Widerstand eines einzelnen Staates könnte die Massnahme jedoch verzögern. Die Energieminister der G7 hatten sich am Dienstag noch nicht auf eine Freigabe aus den SPRs festlegen wollen und stattdessen die IEA gebeten, zunächst eine Bewertung der Lage vorzunehmen.
Zwar steht derzeit kein Land vor einer physischen Rohölknappheit, doch die Preise steigen deutlich, und die Situation einfach laufen zu lassen, ist keine Option, hiess es von einer mit den Beratungen vertrauten G7-Quelle. Grundsätzlich unterstützten die G7 Staaten eine koordinierte Freigabe von Ölreserven durch die IEA, so die Quelle. Eine tatsächliche Freigabe könne jedoch nicht sofort beginnen. Fragen zum Gesamtvolumen, zur Aufteilung auf einzelne Länder und zum Zeitpunkt müssten noch geklärt werden.

Die hohe Volatilität an den Ölbörsen setzt sich auch zur Wochenmitte fort, nachdem die Preise am Montag zeitweise über 100 Dollar gestiegen waren. Nach wie vor bleibt der Iran Krieg das entscheide Thema am Markt, wobei der Fokus heute auf Meldungen zu einer möglichen Rekord-Freigabe aus den Strategischen Ölreserven liegt.
Die faktische Blockade der Strasse von Hormus durch den Iran, durch die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte abgewickelt wird, hat dazu geführt, dass große Golf-Produzenten wie Irak oder Saudi Arabien ihre Förderung zurückfahren mussten (10.03.2026 Iran-Krieg: Globale Ölproduktion um über 6% eingebrochen). Gleichzeitig sind die Preise für Rohöl, Erdgas und Ölprodukte wie Benzin und Diesel massiv gestiegen.
Eine mögliche Freigabe von IEA Reserven sei deshalb sowohl ein Druckventil als auch ein Warnsignal, kommentiert Charu Chanana, Chef Investmentstrategin bei Saxo Markets. Sie kann vorübergehend zusätzliches Angebot schaffen und Panik begrenzen, signalisiert dem Markt aber zugleich, dass das Risiko einer Unterbrechung ernst genug für Notfallmassnahmen ist.
Zuletzt waren es auch Kommentare aus Washington gewesen, die für eine Entspannung der Preisrally gesorgt hatten, obwohl die Aussagen von Donald Trump und seiner Regierung zum Krieg und zur Lage der Schifffahrt in der Strasse von Hormus gewohnt widersprüchlich ausfielen. Energieminister Chris Wright veröffentlichte eine Mitteilung und löschte sie kurz danach wieder, wonach die US-Marine einen Öltanker durch die Meerenge eskortiert habe. Das Weisse Haus räumte anschliessend ein, dass ein solcher Einsatz nicht stattgefunden habe.
Zudem sorgten widersprüchliche Beiträge von Präsident Donald Trump in sozialen Medien über mögliche Minen in der Meerenge für weitere Verunsicherung. Trump steht wegen des Krieges unter wachsendem wirtschaftlichen und politischen Druck. Zwar erklärte er am späten Montag, der Konflikt werde bald enden. US-Vertreter signalisierten jedoch am Dienstag, dass militärische Operationen ausgeweitet werden und diplomatische Gespräche kaum in Sicht seien.

Trump: Krieg mit Iran könnte "sehr bald" beendet sein

10. März 2026

In einem Interview mit dem Sender CBS News gab US-Präsident Donald Trump am gestrigen Montag an, er sei der Ansicht, dass die USA bei ihrem Militärschlag gegen den Iran dem eigenen Zeitplan "sehr weit voraus" seien. Dass der Krieg noch in dieser Woche enden wird, schloss Trump jedoch aus. Ursprünglich waren vier bis fünf Wochen angesetzt worden, um die Ziele des Angriffs zu erreichen, wobei sich viele - darunter auch Mitglieder des US-Kongresses - noch immer nicht sicher sind, was diese Ziele eigentlich sind.

Eine Lösung auf diplomatischem Wege scheint zumindest für den Iran nicht in Frage zu kommen. So schloss der iranische Außenminister Abbas Araghchi Verhandlungen aus und verwies dabei auf die Atomgespräche. "Nach drei Verhandlungsrunden, in denen das amerikanische Team selbst erklärte, wir hätten große Fortschritte erzielt, entschieden sie sich dennoch für einen Angriff. Daher glaube ich nicht, dass weitere Gespräche mit den Amerikanern noch auf unserer Tagesordnung stehen werden“, so der Minister am Montag in einem Interview mit PBS News.

Bereits im gestrigen Tagesverlauf gaben die Rohölpreise wieder deutlich nach, nachdem sie noch am Morgen an der 120 Dollar-Marke gekratzt hatten - ein Niveau, dass seit 2022 nicht mehr erreicht wurde, dem Jahr in dem der Ukraine-Krieg begann. Am späten Abend sorgten dann Äußerungen von US-Präsident Trump noch dafür, dass Brent und WTI zumindest kurzzeitig wieder in den Bereich um die 85 Dollar pro Barrel fielen.

Trumps Ankündigung, dass der Iran-Krieg bald vorbei sein könnte sorgte dabei ebenso für Abwärtsdruck wie die Erwähnung möglicher weiterer Sanktions-Ausnahmen. Wie alles, was der US-Präsident so von sich gibt, sind allerdings auch seine jüngsten Äußerungen mit Vorsicht zu genießen. Auch Vandana Hari, die Gründerin des Marktanalyseunternehmens Vanda Insights ist skeptisch: "Trumps Aussage, der Iran-Krieg werde bald beendet sein, ist kaum die Rückversicherung, die dazu führen wird, dass Tanker wieder normal durch die Straße von Hormus fahren", so Hari, die darauf hinweist, dass die Marktteilnehmer aufgrund der jüngsten Schlagzeilen zu Panik-Verkäufen neigen könnten.

Auch der Energiemarkt-Experte der DBS Bank, Suvro Sarkar, hält dies für möglich. "Trumps Äußerungen über einen kurzlebigen Krieg haben die Märkte eindeutig beruhigt. Während es gestern [Morgen, Anm. d. Red.] eine Überreaktion nach oben gab, glauben wir, dass es heute eine Überreaktion nach unten gibt“, sagt Sarkar, der gleichzeitig warnt, dass der Markt die Ri-siken für Brent auf diesen Preisniveaus unterschätze.

Dies scheint nicht allzu weit hergeholt, denn einerseits hält das iranische Regime offenbar nichts von Kapitulation und andererseits nimmt die Zahl der Golfstaaten, die ihre Fördermengen mangels Lagerkapazitäten drosseln, beinahe stetig zu. Die Frage wird nun sein, ob Washington tatsächlich weitere Ausnahmen bei seinen Sanktionen gewähren wird und auch, ob und wenn ja, wann die IEA oder die G7 noch durch die Freigabe strategischer Ölreserven in den Markt eingreifen werden. Bislang scheint man dies nicht für nötig zu halten.

Wie die IEA die aktuelle Lage und den Ausblick für den Markt derzeit einschätzt, wird sich am Donnerstagvormittag zeigen, wenn die Behörde ihren aktuellen Monatsbericht veröffentlicht. Der Monatsreport der EIA steht bereits heute Abend auf der Agenda. Aufgrund der in den USA bereits erfolgten Umstellung auf Sommerzeit ist dieser heute schon um 17 Uhr fällig. Ebenfalls eine Stunde früher als üblich, also um 21:30 Uhr stehen heute die US-Ölbestandsschätzungen des API für die Woche zum 6. März an. Der Monatsbericht der OPEC erscheint am Mittwochnachmittag.

Auch VAE und Kuwait drosseln Produktion

9. März 2026

Nach dem Irak haben nun auch die OPEC-Mitglieder Kuwait und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) ihre Produktion vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs gedrosselt. Grund für die Maßnahme ist, dass den beiden Ländern die freien Lagerkapazitäten ausgehen, da sie ihr Öl derzeit nicht über die Straße von Hormus nicht exportieren können. Für gewöhnlich wird die für den internationalen Ölhandel so wichtige Meerenge täglich von durchschnittlich 138 Schiffen durchfahren. Am vergangenen Donnerstag ließ der Iran gerade noch zwei Tanker durch das Nadelöhr hindurch.

Wie stark die Produktion der beiden OPEC-Mitglieder reduziert wurde, ist noch unklar. Vom emiratischen Unternehmen Adnoc ist nur bekannt, dass es die Förderung der Offshore-Anlagen gedrosselt hat. Aus Kuwait hieß es außerdem, dass auch der Durchsatz an den Raffinerien verringert worden sei.

Hatte der Nordsee-Rohölkontrakt Brent am Freitag noch die 90 Dollar-Marke überschritten, so notierte er am frühen Montagmorgen bereits knapp unterhalb von 120 Dollar pro Barrel. Selbst die US-Sorte WTI, die bislang mit einem Abschlag von mehreren Dollar pro Barrel zu Brent gehandelt wurde, näherte sich diesem Niveau kurz.

"Die heftige Reaktion rührt daher, dass die Märkte in dem eskalierenden Nahostkonflikt, der sich zu einer Pattsituation mit hohem Einsatz entwickelt hat, keinen Ausweg sehen. Keine der beiden Seiten scheint bereit zu sein, nachzugeben", erklärt IG-Analyst Tony Sycamore das hohe Preisniveau in einer Mitteilung und fügt hinzu: "Das Risiko nachhaltiger wirtschaftlicher Schäden wächst täglich."

Auch wenn sich Irans Präsident Masud Peseschkian am Wochenende bei den anderen Golfstaaten entschuldigt und angegeben hatte, Teheran werde seine Angriffe beenden, wenn wiederum aus den anderen Staaten in der Region keine Angriffe mehr auf den Iran durchgeführt würden, trug dies nicht einer Entspannung bei. Denn gegenüber den USA kündigte Peseschkian an, dass sich der Iran nicht bedingungslos ergeben werde. US-Präsident Trump schrieb daraufhin in einem Post auf Truth Social die US-Militärschläge gegen die Islamische Republik würden andauern "bis sie kapitulieren, oder wahrscheinlicher, vollkommen zusammenbrechen!"

Und während der Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei als dessen neuer Nachfolger wohl bereits eine unsichtbare Zielscheibe auf seinem Rücken tragen dürfte, fragt man sich am Markt, wie stark die Ausfälle am Ölangebot aus den Golfstaaten noch werden, nachdem mittlerweile nicht nur der Irak, sondern auch Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate vor dem Hintergrund der nicht befahrbaren Straße von Hormus mangels freier Lagerkapazitäten ihre Fördermengen bereits gedrosselt haben und Saudi-Arabien am Wochenende einen Droh-nenangriff aus dem Iran auf das Shaiba-Ölfeld im Süden des Königreichs abwehren musste.

Nach Meinung von Haris Khurshid wiegt die Unterbrechung der Ölströme über die Straße von Hormus für die Marktteilnehmer allerdings noch schwerer, als die Produktionsausfälle. "Produktionsstillstände sind zwar von Bedeutung, aber der Markt sorgt sich vor allem darum, dass die Öllieferungen nicht mehr möglich sind“, so der CIO von Karobaar Capital LP. Und dass die IEA zur Überbrückung Öl aus ihren strategischen Reserven freigibt, steht - zumindest zum aktuellen Zeitpunkt - offenbar noch nicht zur Debatte.

Im weiteren Wochenverlauf werden die drei wichtigsten Institutionen am Ölmarkt - EIA, OPEC und IEA - ihre aktuellen Monatsberichte herausgeben. Angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen werden die Marktteilnehmer diesmal vermutlich gespannter auf die Berichte sein als üblich. Wegen der in den USA am Wochenende bereits erfolgten Umstellung auf Sommerzeit erscheint der Bericht der EIA am Dienstagabend auch eine Stunde früher als gewohnt. Gleiches gilt für die US-Ölbestandsdaten von API und DOE, die diese Woche am Dienstag um 21.30 Uhr bzw. am Mittwoch um 15:30 Uhr fällig sind.

USA gewähren Indien bei Russland-Sanktionen Ausnahmen

6. März 2026

Die US-Regierung hat Indien am gestrigen Donnerstag Ausnahmen bei den Sanktionen hinsichtlich des Kaufs von russischem Öl gewährt. Die Raffinerien der Republik hatten aufgrund des starken Rückgangs der Exporte an Rohöl aus dem Nahen Osten über die Strasse von Hormus bereits teilweise Force Majeure für ihre Produkte erklären müssen.
Das Office of Foreign Asset Control des US-Finanzministeriums veröffentlichte am Donnerstag daher eine vorübergehende Genehmigung, auf Basis derer Indien seine Käufe von Rohöl aus Russland vorübergehend steigern darf. Die Sondergenehmigung gilt allerdings nur für Transaktionen, bei denen das Rohöl und/oder die Produkte aus Russland vor dem 5. März verladen wurden und nur, sofern die Lieferung nach Indien erfolgt und das Öl von einem indischen Unternehmen gekauft wird. Die Genehmigung läuft am 4. April um 0:01 Uhr Washingtoner Zeit aus.
Noch im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung Indien Strafzölle aufgebrummt, weil das Land trotz Sanktionen weiterhin umfangreiche Mengen an russischem Rohöl bezog. Im Rahmen der Verhandlungen über ein Handelsabkommen hatte Neu Delhi schliesslich angekündigt, man werde sich nach Alternativen umsehen und die Importmengen aus Russland reduziert. US-Finanzminister Bessent kommentierte die Sondergenehmigung in einem Post auf dem Kurzmitteilungsdienst X mit den Worten: Diese bewusst kurzfristige Maßnahme wird der russischen Regierung keinen nennenswerten finanziellen Nutzen bringen, da sie nur Transaktionen mit bereits auf dem Meer gestrandetem Öl genehmigt.

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat den Rohölpreisen an ICE und NYMEX in dieser Woche zu einem signifikanten Anstieg und neuen Langzeithochs verholfen. Während WTI gestern erstmals seit Mitte Januar 2025 wieder ein Settlement oberhalb von 80 Dollar verzeichnete, gelang Brent zum ersten Mal seit Juli 2024 wieder ein Settlement oberhalb von 85 Dollar. Die Möglichkeit einer Intervention der US-Regierung an den Terminmärkten für Öl sorgten heute Morgen allerdings zunächst dafür, dass die beiden Rohölkontrakte unterhalb der genannten psychologisch wichtigen Preisniveaus starteten.
Sollte die US-Regierung vor dem Wochenende noch konkrete Massnahmen verkünden, könnte dies die Ölfutures an den Börsen am letzten Handelstag der Woche noch massgeblich beeinflussen. Bereits durchgewunken wurde am gestrigen Donnerstag derweil eine Ausnahmegenehmigung für Indiens Rohölimporte aus Russland, die allerdings nur für März gilt und auch nur für Öl, dass bereits auf dem Weg ist.
Unterdessen tickt für die Ölproduzenten im Nahen Osten die Uhr, da sich deren Lager aufgrund der über die Straße von Hormus nicht mehr möglichen Exporte füllen. So werden die Ölfutures weniger durch tatsächliche Schäden an den Ölanlagen gestützt, sondern vielmehr durch die Drosselung der Produktion, zu denen die sich füllenden Lager einige Länder besonders den Irak veranlassen.
Ob die US-Regierung, wie bereits im Frühjahr 2022 - nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine erneut Mengen aus den strategischen Reserven freigeben wird, um das weltweite Angebot zu erhöhen, bleibt abzuwarten. Die Massnahme steht offenbar zwar zur Debatte, verabschiedet wurde sie jedoch noch nicht.
So könnten die aktuell hohen Preisniveaus laut der Analystin Samantha Dart von der Investmentbank Goldman Sachs noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Angenommen, der Ölfluss durch die Strasse von Hormus bleibt weitere fünf Wochen sehr gering, so eine Beispielrechnung Darts bei einem Interview mit dem Sender Bloomberg Television, in dem sie fortfährt: Dann wäre es möglich, dass der Brent-Preis die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschreitet.
Aktuell lässt Brent erst einmal wieder die 85 Dollar-Marke hinter sich und nähert sich allmählich wie auch WTI dem Hoch von Donnerstag. Gasoil hat bis zum Vortageshoch noch mehr Spielraum. Dennoch zeichnet sich bei den Inlandspreisen derzeit im Vergleich zu gestern leichtes Aufwärtspotenzial ab.

China stoppt Treibstoffexporte wegen Iran-Krieg

5. März 2026

Die chinesische Regierung hat die größten Ölraffinerien des Landes angewiesen, ihre Exporte von Diesel und Benzin vorübergehend auszusetzen. Der größte Ölimporteur der Welt reagiert damit auf die Lieferunterbrechungen am Persischen Golf in Folge des Irankrieges.

Den Raffinerien wurde demnach von der obersten chinesischen Wirtschaftsplanungsbehörde aufgetragen, keine neuen Exportverträge mehr abzuschließen und über die Stornierung bereits vereinbarter Lieferungen zu verhandeln. Zu den Unternehmen, die regelmäßig staatliche Exportquoten für Kraftstoffe erhalten, zählen PetroChina, Sinopec, CNOOC, die Sinochem Group sowie der private Raffineriebetreiber Zhejiang Petrochemical.

Weiterhin bleibt der Krieg im Iran und all seine Auswirkungen das Hauptthema am Ölmarkt. Nach der gestrigen Verschnaufpause legen die Kurse an ICE und NYMEX heute auch schon wieder zu und setzen ihre Preisrally fort. Grund für den Anstieg ist dabei vor allem die Blockade der Straße von Hormus.

Die abrupte Exportunterbrechung – üblicherweise werden täglich über 20 Mio. Barrel an Rohöl und Produkten durch die Wasserstraße transportiert – macht sich inzwischen vielfach bemerkbar. So hat der Irak, der zweitgrößte Rohölproduzent innerhalb der OPEC, hat seine Förderung um fast 1,5 Mio. B/T reduziert, da die Lagerkapazitäten knapp werden.

Katar, der größte Produzent von Flüssigerdgas (LNG) am Golf, hatte schon am Dienstag seine Produktion eingestellt und erklärte am Mittwoch „Force Majeure“ für seine Gasexporte. Branchenquellen zufolge könnte es mindestens einen Monat dauern, bis die Produktion wieder auf das übliche Niveau zurückkehrt.

Unterdessen beschießt der Iran weiter Schiffe in der gesamten Golf-Region. So meldete die britische Marienaufsicht (UKMTO) erst gestern wieder eine Explosion an einem Tanker vor der Küste Kuwaits. Teheran hatte wiederholt gedroht, jedes Schiff anzugreifen, das versucht, die Straße von Hormus zu passieren. Schätzungen zufolge stecken derzeit rund 329 Öltanker im Golf fest.

Nach Einschätzung von Analysten der Großbank J.P. Morgan bleibe das Risiko für die Schifffahrt zwar extrem hoch, allerdings habe der Iran bislang weitgehend darauf verzichtet, die kritischste Energieinfrastruktur direkt anzugreifen. „Die vorhandenen Lagerkapazitäten in den Staaten des Golf-Kooperationsrats [Saudi-Arabien, VAE, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain, Anm. d.Red.] sowie die aktuellen Energiepreise begrenzen die mögliche Dauer der US-Militäroperation“, glauben die Analysten.

Sie weisen darauf hin, dass im Falle einer Öffnung der Straße von Hormus recht schnell wieder Normalbetrieb hergestellt werden könne. Die meisten Ölfelder wären innerhalb weniger Tage wieder online, während die volle Förderkapazität in der Regel nach zwei bis drei Wochen erreicht werde, so die Experten.

Noch sieht es aber nicht danach aus, dass ein Ende der Sperrung oder der Kampfhandlungen im Nahen Osten greifbar wäre. Entsprechend hoch bleibt der Risikoaufschlag, den die Anleger einpreisen, und auch die Angst vor lang anhaltenden Angebotsunterbrechungen, die das ge-samte Ölmarktgefüge heftig durcheinanderwirbeln würden.

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