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Drohnenangriffe auf VAE und Saudi-Arabien
18. Mai 2026
Am Persischen Golf stehen die Zeichen erneut auf Eskalation. Während mögliche Friedensverhandlungen zwischen dem Iran und den USA weiter am seidenen Faden hängen, haben die Kampfhandlungen in der gesamten Region wieder zugenommen. So meldeten sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), als auch Saudi-Arabien am Wochenende neue, wahrscheinlich iranische Drohnenangriffe.
Während Riad am Sonntag offenbar mehrere Drohnenangriffe abwehren konnte, traf eine Drohne in den VAE ein Kernkraftwerk und löste dort einen Brand aus. Zwei weitere Drohnen seien laut Verteidigungsministerium der VAE „erfolgreich abgefangen“ worden. Ein diplomatischer Berater des Präsidenten sprach von einer gefährlichen Eskalation – unabhängig davon, ob der Angriff vom „Hauptverantwortlichen“ oder von dessen Stellvertretern ausgeführt worden sei.
Zum Wochenstart bleibt die Stimmung an den Ölbörsen bullish, nachdem die Bemühungen um ein Ende der Krise im Persischen Golf bisher erfolglos geblieben sind. Statt dessen stehen die Zeichen aktuell wieder auf Eskalation, nachdem am Wochenende Drohnenangriffe aus den VAE und Saudi-Arabien gemeldet wurden.
Die ohnehin fragile Waffenruhe bekommt damit noch tiefere Risse, so dass die Angst vor einem erneuten Kriegsausbruch wieder steigt. „Diese Drohnenangriffe sind eine klare Warnung: Erneute US-amerikanische oder israelische Angriffe auf den Iran könnten weitere Stellvertreterangriffe auf Energieanlagen und kritische Infrastruktur am Golf durch den Iran oder verbündete Gruppen auslösen“, kommentiert IG-Marktanalyst Tony Sycamore.
Beide Rohölkontrakte hatten schon in der vergangenen Woche um mehr als 7% zugelegt, nachdem die Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping ohne Hinweise darauf endete, dass Peking zu einer Lösung des Konflikts beitragen werde. Statt dessen bleibt die Straße von Hormus weiter gesperrt, auch wenn zuletzt ein paar Schiffe mehr als zuvor durchgelassen wurden.
„Je länger der Konflikt mit dem Iran andauert, desto größer wird das Risiko anhaltender Schäden durch hohe Ölpreise, was die Zinsen länger auf erhöhtem Niveau halten könnte“, warnt Ölmarktexperte Jason Schenker von Prestige Economics. „Dies könnte zudem dauerhaft belastende Risiken für das Wirtschaftswachstum mit sich bringen.“
Seit den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran Ende Februar sind die Ölpreise um mehr als 50 % gestiegen. Die Sperrung der Straße von Hormus zwingt die Produzenten am Persischen Golf dazu, ihre Fördermengen zu drosseln, während gleichzeitig die Warnungen von allen Seiten zunehmen, dass die globalen Ölreserven rapide sinken – zuletzt hatte die IEA in ihrem Monatsreport deutliche Zahlen genannt (13.05.2026 IEA sieht Angebotsdefizit und warnt vor schrumpfenden Ölreserven).
Straße von Hormus: Iran lässt wieder mehr Schiffe passieren
15. Mai 2026
Offenbar erlaubt der Iran seit gestern ausgewählten chinesischen Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Tankertrackingdaten der letzten Tage zeigen außerdem, dass die Zahl der Schiffe, die die Meerenge passieren konnten, schon zuvor leicht gestiegen war.
Während der chinesische Staatschef Xi Jinping in Peking den US-Präsidenten Donald Trump empfing, meldete die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars gestern, Teheran habe sich mit Peking über die iranischen Kontroll- und Verwaltungsprotokolle für die Wasserstraße verständigt. Damit hätten nun mehrere chinesische Tanker freie Fahrt. Laut Fars reagiere Teheran damit auf die Bitten des chinesischen Außenministers sowie des chinesischen Botschafters im Iran.
An den internationalen Ölbörsen kommt eine volatile Woche zum Abschluss, an deren Ende ein deutlicher Kursgewinn stehen dürfte. Nach wie vor steht der Konflikt am Persischen Golf im Zentrum, wo zwar angeblich in den letzten Tagen wieder mehr Schiffe die Straße von Hormus passieren durften, doch eine Annäherung zwischen Teheran und Washington bleibt aus. Auch Gespräche zwischen US-Präsident Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping brachten bislang keine konkreten Lösungen für die Krise.
Trump und Xi setzen ihre Gespräche nach dem Gipfeltreffen vom Donnerstag heute fort. Nach Angaben eines Vertreters des Weißen Hauses standen gestern unter anderem der Krieg mit Iran sowie die Lage in der Straße von Hormus im Mittelpunkt. In der offiziellen Mitteilung Chinas wurden Energiethemen zwar nicht ausdrücklich erwähnt, allerdings hieß es, auch die Situation im Nahen Osten sei besprochen worden.
Aus Teheran hieß es von den iranischen Revolutionsgarden, dass seit Mittwochabend 30 Schiffe die Straße von Hormus durchquert hätten. Damit liegt das Verkehrsaufkommen zwar weiterhin deutlich unter den vor dem Krieg üblichen rund 140 Schiffen pro Tag, sollte die Zahl jedoch bestätigt werden, stellt sie dennoch einen erheblichen Anstieg im Vergleich zu den letzten Wochen dar.
Marktanalyst Yang An von Haitong Futures geht davon aus, dass der wichtigste Treiber der Ölpreise auch weiterhin das knappe Angebot sein wird. „Die Durchfahrt von Schiffen durch die Meerenge hat einige Sorgen am Markt gemildert, reicht aber nicht aus, um den starken Aufwärtstrend infolge des knappen Angebots zu verändern“, so der Experte.
Laut der IEA lässt der Krieg die weltweiten Ölreserven im Rekordtempo schrumpfen (13.05.2026 IEA sieht Angebotsdefizit und warnt vor schrumpfenden Ölreserven. Selbst wenn die Kämpfe im kommenden Monat enden sollten, werde der Markt voraussichtlich bis Oktober „massiv unterversorgt“ bleiben.
„Kurzfristig spricht weiterhin vieles für steigende Preise, da die Lagerbestände bei Rohöl und Kraftstoffen weiter sinken“, kommentiert Dennis Kissler, Senior Vice President für Handel bei BOK Financial Securities. „Da die Positionen der Konfliktparteien weit auseinanderliegen, ist eine weitere Eskalation wahrscheinlicher als eine Entspannung.“
Zwar gilt seit Anfang April eine Waffenruhe, doch Washington und Teheran scheinen bei der Lösung ihrer Differenzen kaum Fortschritte zu erzielen. Trump erklärte zuletzt, die Waffenruhe hänge am „Seidenen Faden“. Unterdessen bleiben die Exporte unterbrochen. Nach Angaben der EIA gingen die Transporte von Rohöl und Treibstoffen durch die Straße von Hormus im ersten Quartal um nahezu 6 Mio. B/T zurück.
Obwohl die Aussichten auf eine baldige Lösung des Konflikts im Persischen Golf wacklig bleiben, scheinen die Gespräche zwischen Trump und Xi Jinping am Markt doch eine gewisse Hoffnung zu machen, zumal der Iran in den letzten Tagen vermehrt Schiffe passieren ließ. Aus fundamentaler Sicht stufen wir die Einschätzung damit erst einmal wieder leicht ab auf neutral bis bullish. Bei den Inlandspreisen zeichnen sich allerdings rein rechnerisch heute früh schon wieder erste Aufschläge ab.
EIA: Akute Knappheit in 2026, Angebotsüberschuss in 2027
13. Mai 2026
Wie erwartet hat die EIA in ihrem aktuellen Monatsbericht für das laufenden Jahr klar bullishe Prognosen getroffen und reagiert damit auf die neuen Marktvoraussetzungen, die durch den Krieg am Persischen Golf geschaffen wurden. Doch für 2027 bleiben die Aussichten laut EIA überwiegend bearish.
Das US-Energieministerium hat die globale Ölproduktion für April um -2,67 Mio. B/T zum Vormonat angepasst, so dass diese nun noch 101,60 Mio. B/T beträgt. Für die Ölversorgung weltweit ergibt sich damit im laufenden Jahr ein Defizit von -2,55 Mio. B/T, eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vormonat (-0,29 Mio. B/T). Doch wie schon im letzten Monatsbericht, geht die EIA weiterhin davon aus, dass sich die Angebotslage bis 2027 wieder deutlich entspannen wird.
Das Auf und Ab an den Ölbörsen setzt sich fort. Wo gestern noch die Aussicht auf einen möglichen neuerlichen Kriegsausbruch für Preisanstiege gesorgt hatte, geben die Kurse zur Wochenmitte wieder etwas nach, obwohl sich an der Lage im Persischen Golf kaum etwas geändert hat. Stattdessen richten die Marktteilnehmer ihren Blick auf ein hochrangiges Gipfeltreffen in China zwischen US-Präsident Donald Trump und Staatspräsident Xi Jinping.
Am Markt erhofft man sich, dass Peking eine Art Vermittlerrolle einnehmen könnte. Donald Trump erteilte dieser Hoffnung allerdings indirekt eine Absage. Der Krieg mit Iran werde bei den Gesprächen mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping in Peking in dieser Woche voraussichtlich keine zentrale Rolle spielen, erklärte US-Präsident vor Journalisten. Im Mittelpunkt stünden vielmehr Handelsfragen. Zugleich betonte Trump: „Wir haben Iran weitgehend unter Kontrolle.“
Inwieweit man dem US-Präsidenten in dieser Einschätzung glauben kann, bleibt fraglich. Klar ist, dass auch die USA mehr und mehr unter den Angebotsausfällen im Nahen Osten und den daraus resultierenden hohen Energiepreisen leiden. Der innenpolitische Druck auf die Regierung in Washington wächst damit ebenfalls, zumal die Benzinpreise in den USA so hoch sind wie seit Corona nicht mehr.
Aktuelle US-Konjunkturdaten vom Dienstag haben zudem gezeigt, dass der Krieg den Inflationsdruck auch in den USA erneut anheizt. Die Verbraucherpreise stiegen im April den zweiten Monat in Folge deutlich an und verzeichneten damit den stärksten jährlichen Inflationsanstieg seit fast drei Jahren. Dies verstärkt die Erwartung am Markt, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen vorerst unverändert lassen wird. Dies könnte über kurz oder lang Auswirkungen auf die Ölnachfrage haben.
Insgesamt bleibt die Entwicklung im Nahen Osten auch weiterhin das zentrale Thema am Öl-markt. „Die Angst vor Versorgungsengpässen und die Unsicherheit im Nahen Osten stützen die Ölpreise weiterhin deutlich, auch wenn die Marktteilnehmer sich schwer tun, eine klare Richtung zu finden“, meint Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. „Der Markt reagiert weiterhin sehr empfindlich auf jede neue Meldung aus der Region, was bedeutet, dass starke Schwankungen wahrscheinlich bestehen bleiben“, ist sich die Analystin sicher.
Kurzfristig dürften die Anleger heute unter anderem auf die ausstehenden Monatsberichte von OPEC und IEA warten, die im Tagesverlauf veröffentlicht werden. Der EIA-Monatsbericht hatte gestern wenig Überraschendes bereit gehalten. Wie erwartet, hat das US-Energieministerium die Angebotsprognosen für das laufende Jahr erneut stark nach unten korrigiert, sieht aber für 2027 schon wieder ein signifikantes Überangebot am Markt. Langfristig fällt der EIA-Bericht damit eher bearish aus.
Kurz- und mittelfristig bleibt die fundamentale Lage allerdings erst einmal bullish, so lange keine echte Annäherung zwischen den USA und dem Iran spürbar ist und die Exporte aus dem Nahen Osten unterbrochen bleiben. Bei den Inlandspreisen ergeben sich rein rechnerisch dennoch nur geringfügige Veränderungen zu Dienstagmorgen.
Trump stellt Waffenruhe in Frage
12. Mai 2026
Laut US-Präsident Donald Trump hängt die seit nunmehr fast fünf Wochen anhaltende Waffenruhe mit dem Iran am sprichwörtlich seidenen Faden. Wortwörtlich sagte Trump, die Feuerpause liege „auf der Intensivstation“ und nannte als Grund für diese Einschätzung den jüngsten Verhandlungsvorschlag aus Teheran, den der Präsident als „einen Haufen Müll“ bezeichnete. Nach diplomatischer Annäherung klingt das nicht gerade.
Der Iran hatte als Antwort auf Washingtons letzten Vorschlag unter anderem Reparationen für die entstandenen Kriegsschäden gefordert. Außerdem enthält das iranische Verhandlungspapier laut Staatsmedien die Forderung nach der vollen Kontrolle über die Straße von Hormus sowie ein Ende der Sanktionen und die Freigabe beschlagnahmter iranischer Vermögenswerte.
Donald Trump hat die Lage am Persischen Golf weiter eskaliert und ein Ende der Waffenruhe in Spiel gebracht. Die Ölpreise bleiben damit gestützt, auch wenn starke Kurssprünge, wie sie zu Anfang des Konfliktes noch wahrscheinlich gewesen wären, inzwischen ausbleiben. Inzwischen scheint ein gewisser Gewöhnungseffekt eingesetzt zu haben, während die Marktteilnehmer sich auf eine dauerhafte Unterbrechung der Exportströme einstellen.
Die Waffenruhe zwischen Iran und USA besteht seit Anfang April und gilt auch aktuell noch, obwohl sie zuletzt mehr und mehr Risse bekommen hatte. Vor allem seit der US-Blockade iranischer Schiffe war es immer wieder zu Gegenseitigen Angriffen, sowohl auf Schiffe, als auch auf militärische Ziele und Energieeinrichtungen gekommen. Hier steckt im Falle eines Bruchs der Feuerpause auch die größte Gefahr für den Ölmarkt, denn zerstörte Anlagen würden eine mögliche Rückkehr zu Normalität noch weiter in die Länge ziehen.
„Ein umfassendes Friedensabkommen dürfte kaum noch zustande kommen“, zeigen sich die Analystinnen Dina Esfandiary und Becca Wasser von Bloomberg Economics eher pessimistisch. „Wir gehen davon aus, dass die USA und der Iran erneut zu militärischen Angriffen übergehen werden. Allerdings erwarten wir, dass intensive Gefechte nur von kurzer Dauer sind und anschließend wieder in ein niedrigeres Konfliktniveau übergehen – in das, was wir als die neue Normalität dieses langwierigen Konflikts bezeichnen würden.“
„Der Optimismus hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Friedensabkommens scheint erneut nachzulassen“, meint auch Suvro Sarkar von der DBS Bank, der deutliche Aufwärtsrisiken für den Ölpreis sieht, sollte bis Ende Mai keine Einigung erzielt werden. Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade, meint: „Ein echter Durchbruch bei den Friedensverhandlungen könnte einen Preisrückgang von acht bis zwölf Dollar auslösen. Jede weitere Eskalation […] würde Brent dagegen rasch wieder in Richtung 115 Dollar oder mehr treiben.“
Der USA/Iran-Krieg dürfte auch zum Thema werden, wenn Trump diese Woche mit Chinas Präsident Xi Jinping zusammentrifft. US-Regierungsvertreter erklärten, Trump wolle dabei Chinas Haltung gegenüber dem Iran zur Sprache bringen. Gleichzeitig verhängte das US-Finanzministerium am Montag weitere Sanktionen gegen Unternehmen, die den Verkauf iranischen Öls nach China unterstützt haben – dem größten Abnehmer iranischen Rohöls.
Allianz zur Sicherung der Straße von Hormus
11. Mai 2026
Am heutigen Montag sollen mehr als 40 Länder bei einer Konferenz zusammenkommen, bei der man über die Sicherung der Meerenge unter europäischer Führung berät. Hier sollen die Nationen Zusagen für die Räumung von Seeminen, der Eskorte von Schiffen und Patrouillenflüge machen, sowie es in der Region einen nachhaltigen Frieden zwischen den USA und dem Iran gibt.
Teheran lehnt eine solche Aktivität aber grundsätzlich ab und sieht hierin eine weitere Eskalation, sollten die Länder Kriegsschiffe oder andere militärische Fähigkeiten in die Region verlegen. „Jede Verlegung und Stationierung außerregionaler Zerstörer rund um die Straße von Hormus unter dem Vorwand des ‚Schutzes der Schifffahrt‘ ist nichts anderes als eine Eskalation der Krise, eine Militarisierung einer lebenswichtigen Wasserstraße und ein Versuch, die wahre Ursache der Instabilität in der Region zu verschleiern“, so der iranische Vizeaußenminister, Kazem Gharibabadi.
Ein schnelles Ende des Konfliktes im Nahen Osten scheint zunächst wieder vom Tisch zu sein, nachdem Trump die iranische Antwort entschieden ablehnte. Die Positionen des Iran sind für Washington kaum annehmbar, insbesondere da Teheran auf der Kontrolle der Straße von Hormus sowie Reparationszahlungen der USA und Israel fordert.
Am Wochenende und in den Morgenstunden des heutigen Montags wurden wieder mehrere Schiffe in der Region vom Iran angegriffen und beschädigt. Die Straße von Hormus bleibt also weiter geschlossen, auch wenn einzelne Tanker den Persischen Golf scheinbar haben verlassen können.
Der Ölmarkt reagiert weiter sensibel auf „geopolitische Schlagzeilen, wobei die Preise auf jede Äußerung, jede Zurückweisung und jede Warnung aus Washington und Teheran hin stark schwanken“, fasst Analystin Priyanka Sachdeva, von Phillip Nova, die Lage zusammen. „Der Optimismus hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Abkommens zwischen den USA und dem Iran hat abgenommen, was die Rohölpreise in die Höhe treibt. Die Befürchtungen vor einer erneuten Eskalation dürften voraussichtlich zunehmen, was weiteres Aufwärtspotenzial für die Preise eröffnet“, sieht Analyst Warren Patterson, von ING, die Lage ähnlich.
Hoffnungen ruhen auf dem Treffen zwischen Trump und Xi Jinping am Mittwoch, sodass sich die USA mit dem von Trump gedrohten „Bombardements“ (06.05.2026 Auf Preisrutsch der Ölfutures folgt Kehrtwende nach Trump-Truth) vielleicht zurückhalten. Aber selbst wenn es zu einem schnellen Ende des aktuellen Konflikts kommt, so dürfte sich die Welt nachhaltig verändert haben.
„Selbst wenn der akute Ölschock bis Ende 2026 abklingt, dürfte das anhaltende Risiko erneuter Störungen in der Straße von Hormus, gesunkener Lagerbestände sowie einer schwächeren politischen Kooperationen dazu führen, dass eine geopolitische Risikoprämie in den Preisen verankert bleibt“, so die Experten der ING. Sie gehen davon aus, dass der Preis für Brent bis Ende 2026 bei über 90 Dollar bleiben und sich in 2027 bei etwa 80 bis 85 einpendeln wird – während das Nachfragewachstum sich erholen wird und Länder ihre Rohölreserven wieder aufstocken.
Da sich USA und Iran nicht annähern ist die Gefahr einer Eskalation wieder höher einzustufen und ein die Risikoprämie nimmt wieder zu. Fundamental ist die Konstellation somit bullish und die scharfen Preisanstiege am Morgen sorgen auch bei den Inlandsnotierungen für rechnerische Anpassungen nach oben.
USA/Iran: Neue Angriffe in der Strasse von Hormus
8. Mai 2026
Trotz der bestehenden Waffenruhe und den laufenden Bemühungen um ein Friedensabkommen haben sich die USA und der Iran in der Strasse von Hormus erneut gegenseitig beschossen. Zudem griff das US-Militär einzelne Ziele im Iran an. Teheran sieht die Waffenruhe damit als verletzt, Washington bezeichnet sie weiter als intakt.
Laut US-Militärkommando (CENTCOM) hätten iranische Streitkräfte mehrere Raketen abgefeuert und Drohnen sowie kleine Boote eingesetzt, als drei US-Schiffe die Meerenge passiert hätten. Die Bedrohungen sei neutralisiert worden und man habe im Anschluss iranische Militäreinrichtungen angegriffen, die für die Angriffe auf die US-Streitkräfte verantwortlich gewesen seien, so das US-Militär.
Für den Iran ist das Vorgehen der USA eine klare Verletzung der Waffenruhe, Donald Trump sagte hingegen in einem Interview, die Waffenruhe gelte weiterhin. Der US-Präsident wiederholte seine Forderungen an den Iran, schnell einer Friedensvereinbarung zuzustimmen und verband sie mit seinen üblichen Drohungen eines massiven Bombardements auf die Islamische Republik, die laut Donald Trumps von Wahnsinnigen angeführt werde.
Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Verhandlungslösung wird im Lichte dieser neuen Eskalation wieder deutlich kleiner, zumal auch aus dem Libanon wieder israelische Angriffe gemeldet wurden. Die Waffenruhe zwischen USA und Iran hatte eigentlich einen Angriffsstopp Israels auf sein Nachbarland beinhaltet, der allerdings ohnehin sehr brüchig gewesen war. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Lage am Persischen Golf weiter eskaliert, oder ob die Diplomatie doch noch eine Chance hat.
Erneute Kämpfe zwischen den USA und dem Iran gefährden die ohnehin fragile Waffenruhe und haben gleichzeitig die Hoffnungen auf Fortschritte bei der Wiederöffnung der Strasse von Hormus deutlich geschmälert. Die beiden Rohölkontrakte machten damit gleich zum Handelsstart einen Satz nach oben, haben seitdem aber wieder ein Stück nachgegeben.
Nach Angaben des US-Zentralkommandos griffen amerikanische Streitkräfte militärische Ziele im Iran an, nachdem iranische Einheiten das Feuer auf drei Zerstörer der US-Marine in der Strasse von Hormus eröffnet hatten. Zugleich betonte das Kommando, man strebe keine Eskalation an, sei jedoch bereit, amerikanische Streitkräfte zu schützen.
Die Strasse von Hormus, die seit Beginn des Krieges Ende Februar faktisch geschlossen ist, bleibt damit weiterhin im Fokus der Ölmärkte. Die Blockade hat einen beispiellosen Angebotsschock ausgelöst: Rohöllieferungen wurden massiv eingeschränkt, zahlreiche Förderanlagen in der Region mussten den Betrieb einstellen. Die Wasserstrasse ist derzeit doppelt blockiert Teheran verhindert die gesamte Passage, während die USA Schiffen den Zugang zu iranischen Häfen verwehren.
Dennoch scheinen die Marktteilnehmer die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben zu haben, dass der erst vor wenigen Tagen wieder angestossene diplomatische Prozess doch noch Früchte trägt. Der Ölmarkt bewegt sich zwischen zwei Risiken: Diplomatie auf der einen und einer weiteren Eskalation auf der anderen Seite, meint etwa Charu Chanana, Chefstrategin von Saxo Markets. „Die Märkte geben den Friedensbemühungen noch eine Chance, allerdings nicht genug, um die geopolitische Risikoprämie vollständig auszupreisen.“
Zum letzten Handelstag der Woche dürfte die Volatilität also erst einmal hoch bleiben zumindest, solange es keine eindeutigen Fakten gibt. Ein Fortschritt in Sachen Friedensabkommen, etwa eine Zustimmung des Iran zum von den USA vorgelegten Memorandum of Understanding, würde dabei wahrscheinlich neue Abwärtsbewegungen auslösen. Gleichzeitig würde ein offizielles Ende der Waffenruhe im Persischen Golf wahrscheinlich das genaue Gegenteil bewirken.
Die fundamentale Einschätzung bleibt am Freitag mit den neuerlichen Kampfhandlungen im Persischen Golf zunächst leicht bullish. Bei den Inlandspreisen ergeben sich heute rein rechnerisch jedoch nur geringe Veränderungen zu Donnerstagmorgen, obwohl die Preisbewegung gestern von starken Schwankungen geprägt war. Heute früh deuten sich aktuell zunächst erste Preisnachlässe an.
„Mehr Wunsch als Realität“ – Iran relativiert Aussichten auf baldiges Abkommen
7. Mai 2026
Gestern noch hatte es zwischenzeitlich danach ausgesehen, als sei eine Lösung des Konflikts im Persischen Golf zum Greifen nahe. Das US-Nachrichtenmagazin Axios berichtete von einem „Memorandum of Understanding“, das kurz vor der Unterzeichnung stehe (06.05.2026 Durch-bruch in Sicht? Iran und USA verhandeln wieder). Doch inzwischen hat der Iran diese Behauptung klar relativiert.
Noch gestern Abend erklärte Ebrahim Rezaei, Sprecher des außenpolitischen und nationalen Sicherheitsausschusses des Parlaments, auf X, dass der Vorschlag für ein Abkommen zur Beendigung des Krieges längst noch nicht so endgültig sei: „Der Axios-Text ist eher eine amerikanische Wunschliste als Realität. Die Amerikaner werden in einem Krieg, den sie verlieren, nichts gewinnen, was sie nicht bereits in direkten Verhandlungen erreicht haben“. Nach Annäherung oder besonderem Entgegenkommen klingt das nicht gerade.
Nach der hohen Volatilität von gestern scheinen sich die Anleger heute zunächst zurückzuhalten. Gestern hatten die Notierungen an ICE und NYMEX fast 8% verloren, nachdem die USA und Iran neue diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Kriegs im Nahen Osten ausgelotet hatten.
Stein des Anstoßes war dabei ein kurzes Absichtspapier, ein „Memorandum of Understanding“, das angeblich schrittweise zur Wiederöffnung der Straße von Hormus führen könnte und Brent und WTI damit auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen beförderte. Doch schon kurze Zeit später erklärte US-Präsident Donald Trump, es sei „noch zu früh“ für direkte Gespräche mit Teheran, während ein hochrangiger iranischer Parlamentarier den US-Vorschlag eher als Wunschliste denn als realistische Grundlage bezeichnete.
„Der Preisrückgang bei Rohöl ist erneut übertrieben optimistisch und verfrüht“, kommentiert Vandana Hari von Vanda Insights in diesem Zusammenhang die starken Preisbewegungen von gestern. Entscheidend für den Markt sei weiterhin ausschließlich die Frage, ob und wann die Straße von Hormus wieder geöffnet werde. „Derzeit ist diese Perspektive kaum mehr als ein schwacher Silberstreif am Horizont“, so Hari.
Auch Hiroyuki Kikukawa von Nissan Securities sieht die Lage weiterhin als unsicher an. Zwar dürften die Friedensverhandlungen zumindest bis zum US-chinesischen Gipfeltreffen in der kommenden Woche andauern, darüber hinaus bleibe der Ausblick jedoch unklar. Trump und Chinas Präsident Xi Jinping wollen in der nächsten Woche zusammentreffen. Nach Einschätzung Kikukawas bleibt ein erhöhtes Ölpreisniveau daher das wahrscheinlichste Szenario.
Bezugnehmend auf das Gipfeltreffen erklärt auch Will Todman, Senior Fellow am Center for Strategic and International Studies, dass Trump offenbar sehr daran interessiert sei, das Treffen mit Xi nicht durch den Konflikt mit dem Iran in Gefahr zu bringen. „Die USA und der Iran würden sich niemals übereilt auf ein umfassendes Abkommen einlassen, aber die Einigung auf ein Rahmenabkommen verschafft ihnen Zeit und etwas Ruhe.“
Laut Priyanka Sachdeva von Phillip Nova wird die Stimmung der Anleger aktuell zu stark von Schlagzeilen beeinflusst. „Die Ölmärkte stecken seit mehr als zwei Monaten fest zwischen Diplomatie und Eskalation“, so die Analystin. „Sollte es tatsächlich zu einer formellen Einigung kommen, könnten die Ölpreise ins Bodenlose fallen, da der Markt die geopolitischen Aufschläge auspreisen würde. Allerdings könnten neue Anzeichen für Angriffe auf die Ölinfrastruktur leicht einen weiteren sprunghaften Anstieg der Rohölpreise auslösen.“
Selbst wenn es wider erwarten in den nächsten Tagen ein Friedensabkommen geben würde, bliebe das globale Ölangebot dennoch auch darüber hinaus angespannt. Experten zufolge wird es längere Zeit benötigen, bis die Lieferungen aus dem Persischen Golf wieder anlaufen und die Raffinerien weltweit wieder normal versorgt werden. Ölkonzerne dürften daher weiterhin auf Lagerbestände zurückgreifen, um die hohe Sommernachfrage zu decken.
Aufgrund der erhöhten Unsicherheit, ob es tatsächlich ein Abkommen, oder zumindest eine Absichtserklärung für ein Abkommen geben wird, stufen wir heute unsere fundamentale Einschätzung wieder auf leicht bullish hoch, zumal auch die DOE-Daten von gestern eine klare Verknappung der Angebotslage und eine Verschiebung bei den Importen und Exporten signalisierten.
US-Ölbestände stark gesunken
6. Mai 2026
Die landesweiten Rohölbestände sind laut API gesunken, während auch im Zentrallager Cushing, Oklahoma, die Vorräte abgenommen haben. Bei Destillaten und Benzin werden ebenfalls Bestandsrückgänge gemeldet. Die Zahlen des API zur abgelaufenen Berichtswoche in der Übersicht:
Die Abbauten bei Rohöl, Benzin und Destillate sind allesamt umfangreicher als es die Experten im Vorfeld geschätzt hatten. Die Zahlen des API zeigen, dass die Sperrung der Straße von Hormus auch die USA in der Versorgung beeinträchtigt, auch wenn man selbst vergleichsweise wenig Rohöl und Produkte aus dem Nahen Osten bezieht.
Andere Länder, die ihre Waren aus der Region erhalten, kaufen aber nun verstärkt an anderen Märkten – auch in den USA. Dies sorgt für sinkende Vorräte, die sich in den Zahlen des API widerspiegeln. Der API Bericht ist somit bullish einzustufen, während der Markt auf die offiziellen Daten des DOE am Nachmittag um 16:30 Uhr warten. Sollten die Veränderungen in diesem Umfang bestätigt werden, so ist mit einer bullishen Reaktion an ICE und NY-MEX zu rechnen.
Der Umstand, dass die USA ihre erst in dieser Woche begonnenen Eskorten schon wieder einstellt, hat die Trader an den Ölbörsen überrascht. Scheinbar gab es Fortschritte bei den Verhandlungen mit dem Iran, die Trump dazu veranlassen zu glauben, dass kurzfristig ein Abkommen geschlossen werden kann.
Sollte dies gelingen, dann dürfte wohl die Straße von Hormus wieder passierbar sein, wenngleich vielleicht nicht sofort in vollem Umfang. Aber es würden dann auf jeden Fall mehr Schiffe aus dem Persischen Golf ausfahren können als bisher. Damit steigt die Chance, dass das Ölangebot steigt, was den Druck auf die Ölpreise an ICE und NY-MEX erhöht.
Nichtsdestotrotz muss man hier wie immer vorsichtig mit den Ankündigungen aus dem Weißen Haus sein, die sich in der Vergangenheit nur zu oft als Luftschlösser herausgestellt hatten. Zuletzt deutete viel auf eine weitere Eskalation in der Region hin – auch hervorgerufen durch die militärische Eskorte der USA. Diese Gefahr ist nun kurzfristig gesunken, sodass auch die Risikoprämie zumindest minimal abnimmt.
„Selbst wenn es Meldungen über eine Deeskalation gibt, wird sich die Erholung des Angebots naturgemäß verzögern. Das ist kein Schalter, den man einfach umlegen kann. Der Öltransport durch die Meerenge ist nach wie vor begrenzt und es braucht Zeit, bis festsitzende Tanker umgeleitet werden, der Versicherungsmarkt die Risiken neu bewertet und die Produktion wieder anläuft“, so der Hinweis von Analystin Dilin Wu, von der Pepperstone Group.
„Wir beobachten täglich den Wechsel von Kursanstiegen zu Gewinnmitnahmen“, verweist Analyst Carl Larry, von Enverus, auf die anhaltende Volatilität hin. Am Ende wird es darauf hinauslaufen ob es tatsächlich Fortschritte bei den Verhandlungen mit dem Iran gibt oder sich die Meldungen in Luft auflösen und die Öllieferungen aus dem Nahen blockiert bleiben. Andere Meldungen zu den bullishen US-Ölbestandsveränderungen des API sowie den Preissenkungen der Saudi Aramco werden dabei in den Hintergrund gedrängt.
Nur wenige Schiffe verlassen Persischen Golf
5. Mai 2026
Unter der US-Schiffseskorte, die als „Projekt Freiheit“ bezeichnet wird, konnten wohl 2 Frachter den Persischen Golf verlassen. „Die erfolgreich eskortierte Ausfahrt eines von Maersk betriebenen Schiffes hat dazu beigetragen, die unmittelbaren Befürchtungen hinsichtlich möglicher Versorgungsengpässe zu mildern“, so Tim Waterer, Analyst bei KCM Trade.
„Dies zeigt, dass eine eingeschränkte sichere Passage unter den gegenwärtigen Bedingungen möglich ist und hilft, die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich Versorgungsengpässen etwas zu entkräften. Es handelt sich jedoch nach wie vor um ein einmaliges Ereignis und nicht um eine vollständige Wiederaufnahme des Handels“, relativiert er jedoch die Bedeutung. Gleichzeitig beschoss der Iran mehrere Schiffe in der Region und den wichtigen Hafen Fujairah in den Vereinten Arabischen Emiraten (VAE).
Den USA ist es ganz offenbar gelungen vereinzelt Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren, was die Situation etwas entspannt und leichte Gewinnmitnahmen begünstigt. Die erneuten Kampfhandlungen in der Region zeigen aber auch, dass dies wohl keine Dauerlösung ist und sich Reedereien und Versicherungen wohl weiter mit einer Passage zurückhalten werden.
Die Schiffsbewegungen sind daher eher symbolisch und werden die physische Versorgungslage nicht signifikant verbessern. Der leichte Preisrückgang in den Morgenstunden „sieht weniger wie ein struktureller Wandel und eher ein bisschen wie Gewinnmitnahmen nach dem starken Anstieg aus. Die geopolitische Risikoprämie wegen der Straße von Hormus bleibt unverändert bestehen, sodass das Abwärtspotenzial wahrscheinlich limitiert bleibt“, bewertet Priyanka Sachdeva, von Phillip Nova, die aktuelle Lage.
Auch wenn USA und Iran weiter an ihrer Waffenruhe festhalten, so zeigen die gestrigen Angriffe auf Schiffe und Ölanlagen in den VAE, dass diese durchaus fragil ist. Hinter den Türen laufen die Verhandlungen zwischen USA und Iran zwar weiter, bisher halten die Parteien aber an ihren roten Linien fest, die sich nur schwer bis gar nicht miteinander vereinen lassen. Das Wohl und Wehe des Marktes hängt damit weiter von den Entwicklungen ab, wobei eine Eskalation die Ölpreise stark steigen lassen würde, „insbesondere wenn weitere Ölinfrastruktur beschädigt wird“, so Analyst Saul Kavonic, von MST Marquee.
Vor allem warnen Analysten von Goldman Sachs aber auch die Ölkonzerne vor schnell sinkenden Ölbeständen. Noch zeigt sich dies nicht in seinem vollen Umfang, doch bleibt die Straße von Hormus weiter geschlossen mit nur einzelnen Schiffen, die das Nadelöhr passieren, so dürfte dies die Futures mittelfristig weiter nach oben treiben.
Während man also auf die Entwicklungen zu den Verhandlungen zwischen USA und Iran wartet bleibt die fundamentale Konstellation weiterhin leicht bullish einzustufen. Leichte Gewinnmitnahmen in den frühen Morgenstunden sorgen zwar für Entlastung, momentan befinden sich die Futures aber noch immer deutlich über den Niveaus von gestern Vor- und Nachmittag, sodass sich auch rechnerisch erst einmal weitere Preissteigerungen ankündigen.
OPEC+ beschließt neue Förderanhebung für Juni
4. Mai 2026
Wie schon im Vorfeld erwartet, haben die 7 verbleibenden Mitglieder der OPEC+, die sich an freiwilligen Förderkürzungen beteiligen, am Sonntag eine erneute Produktionsanhebung beschlossen. Solange die Lieferströme durch die Straße von Hormus jedoch blockiert bleiben, dürfte es sich dabei allenfalls um Symbolpolitik handeln.
Laut OPEC+, deren Hauptmitglieder sich am Sonntag zu ihrer monatlichen Sitzung trafen, sollen die Fördermengen im Juni erneut um 188.000 B/T angehoben werden. Die Anpassung folgt im Umfang der Mai- Anhebung, allerdings bereinigt um den Anteil der Vereinigten Arabischen Emirate, die das Bündnis zum 1. Mai verlassen haben. Die angegebene Menge verteilt sich nun noch auf Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Algerien, Kasachstan, Russland und Oman.
Die Ölpreise stabilisieren sich heute nach den Verlusten der letzten Woche wieder, nachdem die Marktteilnehmer offenbar Zweifel an der Umsetzbarkeit eines Plans von US-Präsident Donald Trump haben, mit dem neutrale Schiffe durch die Straße von Hormus geleitet werden sollen. Zugleich wurde Berichten zufolge wieder ein Tanker in der strategisch wichtigen Wasserstraße getroffen. Das Ausbleiben eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran stützt die Preise zusätzlich und hält sie über der Marke von 100 Dollar.
Nach Angaben Donald Trumps soll ab heute eine US-Initiative die Passage durch die Meerenge für Schiffe, die infolge des Konflikts mit dem Iran festsitzen, wieder ermöglichen. Erst am Sonntag hatte die britische Seesicherheitsbehörde UKMTO gemeldet, dass ein Tanker rund 78 Seemeilen nördlich von Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten von Geschossen getroffen worden sei. Das US-Militär bestätigte, die von Trump angekündigte Initiative unterstützen zu wollen, viel Konkretes zu den Plänen gibt es allerdings noch nicht.
Entsprechend bleibt eine stärkere Abwärtsreaktion an den Ölbörsen bisher aus, die Anleger scheinen die Wirksamkeit der amerikanischen Pläne infrage zu stellen. Nicht ganz zu Unrecht, denn der Iran hat klargestellt, jede Initiative dieser Art als Bruch des Waffenstillstands zu sehen, so dass ein neuerlicher Kriegsausbruch durchaus im Rahmen des Möglichen liegt.
„Eine gewisse Trump-Müdigkeit macht sich zunehmend bemerkbar – ich glaube nicht, dass der Markt das wirklich ernst nimmt“, kommentiert Haris Khurshid von Karobaar Capital LP die jüngsten US-Pläne. „Es gab zunächst einen Preisrückgang, aber dass dieser nicht anhielt, zeigt, dass die Marktteilnehmer darin keinen echten Wendepunkt sehen.“
Die Ölpreise bleiben also oberhalb von 100 Dollar – auch, weil weiterhin kein Friedensabkommen in Sicht ist und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt bleibt. Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran laufen nur äußerst zaghaft wieder an, beide Seiten prüfen nach Angaben aus Verhandlungskreisen aktuell noch die Reaktionen des jeweils anderen.
„Die Gespräche sind ins Stocken geraten, da keine Seite bereit ist, bei ihren roten Linien nachzugeben“, erklären die Analysten der ANZ Bank. Während Trump einem Atomabkommen mit Teheran Priorität einräumt, schlägt der Iran vor, die Nuklearfrage erst nach dem Ende des Konflikts und der Aufhebung der Blockade im Golf zu verhandeln. Ob hier ein Konsens gefunden werden kann, bleibt fraglich.
„Die Angebotsausfälle wachsen mit jedem Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt“, so die ANZ. „Da die Nachfrage kaum reagiert, kommt es zu einem erheblichen Abbau von Lagerbeständen, die für den Markt bisher nur begrenzt sichtbar ist. Eine unvermeidliche Marktanpassung steht jedoch bevor – entweder in Form weiter steigender Preise oder durch Versorgungsengpässe.“
Unter ‚ferner liefen‘ fand am Sonntag zudem das letzte OPEC+ Treffen statt, bei dem die verbleibenden 7 wichtigsten Mitglieder (nach dem Austritt der VAE) eine neue Förderanhebung für Juni beschlossen haben. Mit dieser allenfalls als Symbolpolitik zu verstehenden Maßnahme bemüht sich das Bündnis darum, Normalität und Handlungsfähigkeit zu signalisieren. Der zusätzliche Förderumfang von 188.000 B/T dürfte jedoch weitgehend Theorie bleiben, solange der Krieg mit dem Iran die Öllieferungen aus dem Golf weiterhin blockiert.
Bereitet sich Washington auf neue Militäroptionen vor?
30. Apr. 2026
US-Präsident Donald Trump soll am Donnerstag vom US-Zentralkommando über neue mögliche Militäroptionen gegen den Iran informiert werden. Das berichtete das US-Nachrichtenportal Axios. Während die Verhandlungen über eine Wiederöffnung der Straße von Hormus ins Stocken geraten sind, sucht Washington nach Alternativen, um die Kontrolle in der Region zu erlangen.
Zuvor hatte Trump in einem Interview erklärt, er wolle an der US-Blockade der Straße von Hormus festhalten, da diese „etwas effektiver sei als Bombardierungen“. Wörtlich sagte er: „Sie ersticken wie ein vollgestopftes Schwein.“ Dennoch hat das US-Militär laut Axios einen Plan für eine kurze, aber intensive Angriffswelle gegen den Iran ausgearbeitet, um den Druck auf die Führung in Teheran zu erhöhen.
Die Sorge, dass die Krise am Persischen Golf deutlich länger dauern wird als gehofft, wird immer größer. Weiterhin gibt es keinerlei Aussichten auf eine diplomatische Lösung, die Straße von Hormus bleibt blockiert und die Anleger preisen immer höhere Risikoprämien ein. Brent markierte damit gestern den höchsten Stand seit Kriegsbeginn nachdem es Anzeichen für eine neuerliche militärische Eskalation in der Region gab.
So soll es heute Nachmittag ein Briefing im Weißen Haus geben, bei dem das US-Militärkommando dem US-Präsidenten weitere Optionen für ein militärisches Vorgehen im Iran unterbreiten will. Zudem scheinen die USA den Einsatz einer Hyperschallrakete zu planen. Es wäre das erste Mal, dass das amerikanische Militär eine Waffe dieser Art einsetzt.
„Die Aussichten auf eine kurzfristige Lösung des Iran-Konflikts oder eine Wiederöffnung der Straße von Hormus bleiben gering“, erklärt IG-Marktanalyst Tony Sycamore. Seit Beginn der Luftangriffe durch die USA und Israel auf den Iran am 28. Februar hat Teheran den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge weitgehend blockiert – mit Ausnahme eigener Lieferungen. Seit Anfang April blockieren die USA deshalb die Durchfahrt der Wasserstraße für iranische Schiffe.
„Trump hat dem Markt das Sicherheitsnetz weggerissen – die Hoffnung, dass der Krieg bald endet“, sagte Robert Rennie, Leiter der Rohstoffforschung bei Westpac Banking Corp. Die Händler sähen sich nun mit einer deutlich schwierigeren Realität konfrontiert: Beide Seiten glaubten nach wie vor, dass sie gewinnen, ein klarer Anreiz für Verhandlungen fehle, und die Energiepreise zögen weiter an.
Auf der Angebotsseite dürfte die OPEC+ am Sonntag voraussichtlich eine moderate Erhöhung der Förderquoten um rund 188.000 B/T beschließen. Klar ist aber auch, dass eine solche Anhebung für die beteiligten OPEC+ Produzenten aktuell nicht umsetzbar ist und somit höchstens symbolischen Wert hat. Das Treffen am Sonntag folgt unmittelbar auf den Austritt der VAE aus der OPEC zum 1. Mai, der die Möglichkeiten des Produzentenverbunds zur Preissteuerung zumindest langfristig durchaus schwächen könnte.
Analysten gehen jedoch davon aus, dass der Austritt der Golfnation kurzfristig kaum Einfluss auf den Markt haben wird. Zwar könnten die VAE ihre Produktion nach einer Wiederaufnahme der Exporte erhöhen, doch die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus sowie weitere kriegsbedingte Produktionsausfälle dürften schwerer wiegen. „Die Golfstaaten, einschließlich der VAE, werden Monate benötigen, um wieder das Vorkriegsniveau der Förderung zu erreichen“, heißt es in einer Analyse von Wood Mackenzie.
Raffinerie Schwedt sucht nach Lösung für drohende Versorgungsprobleme
29. Apr. 2026
Im Osten Deutschland könnte es ab Mai zu größeren Engpässen in der Versorgung kommen, nachdem Russland die Lieferungen kasachischen Öls über die Druschba Pipeline einstellen wird. Üblicher Weiße kommen etwa 43.000 B/T über das Netzwerk, die nun ersetzt werden müssen.
Über den polnischen Hafen Gdansk sollen die nun drohenden Ausfälle kompensiert werden, was allerdings nur begrenzt möglich erscheint. Man habe zwar die technische Kapazität zusätzliche Mengen abzuwickeln, aber der Zugang zum Hafen, Verladepläne, Verfügbarkeit von Rohöl und Raffineriekonfigurationen seien Dinge, die die Sache erschweren würden, heißt es aus Polen.
Der aktuelle Anstieg der Ölpreise ist ganz klar der Blockade der Straße von Hormus geschuldet. So lange die Frachter diese Meeresenge nicht zuverlässig und in großer Zahl passieren können bleibt die Versorgung am internationalen Markt begrenzt, was die Rohölpreise stützt.
„Wenn Trump bereit ist, die Blockade zu verlängern, würden sich die Versorgungsengpässe weiter verschärfen und die Ölpreise weiter in die Höhe treiben“, so Analyst Yang An, von Haitong Futures. Bei den Verhandlungen gab es bisher „überhaupt keine Fortschritte, und deshalb steigen die Rohölpreise“, bestätigt auch Analystin Susan Bell, von Rystad Energy.
Die Preise an den internationalen Ölbörsen steigen und fallen daher weiter mit der aktuellen Lage im Nahen Osten, während der OPEC-Austritt der Vereinten Arabischen Emirate (VAE) kurzfristig wohl keine Auswirkung auf den Markt hat. Mittel- bis Langfristig dürfte dies das Ölangebot erhöhen, da sich die VAE nicht mehr an die Quoten halten müssen, kurzfristig bleiben die Liefermöglichkeiten des Landes durch die Blockade der Straße von Hormus begrenzt.